Julia Timoschenko von

Der Prozess wurde wieder vertagt

Währenddessen rollt die PR-Maschinerie samt neuer Biografie an

Julia Timoschenko - Der Prozess wurde wieder vertagt © Bild: APA/EPA/Dolzhenko

Der Fall Julia Timoschenko lässt die Ukraine auf lange Sicht nicht los. Seit bald einem Jahr sitzt die frühere Regierungschefin nun in Haft, doch die Verurteilung wegen Amtsmissbrauchs ist für die allermeisten Experten eine Farce und ein Beispiel für Justizwillkür in der Ex-Sowjetrepublik. Und damit ist es nicht vorbei: In einem zweiten genauso umstrittenen Prozess drohen Timoschenko zwölf weitere Jahre Haft wegen Steuerhinterziehung und Veruntreuung. Wegen ihres schlechten Gesundheitszustands wurde das Verfahren allerdings wieder vertagt. Richter Konstantin Sadowski legte in der ostukrainischen Stadt Charkiw die nächste Verhandlung auf den 23. Juli fest, wie Medien aus der Ex-Sowjetrepublik berichteten.

Die PR-Maschine der mit Gasgeschäften reich gewordenen Frau läuft auf Hochtouren. Tochter Jewgenija reist ständig durch Europa und trifft einflussreiche Politiker. Und nun ist auch eine Biografie erschienen, die Julia Timoschenkos unerschütterlichen Willen feiert.

Es ist eine aktualisierte Fassung des 2006 veröffentlichten Buchs "Julia Timoschenko. Die Zukunft der Ukraine nach der Orangenen Revolution" von Dmitri Popov und Ilia Milstein. In vielen Gesprächen mit Timoschenko selbst haben die beiden Journalisten die spannende Geschichte der "Gasprinzessin" recherchiert. Dabei geht aber oft genug die Distanz verloren.

Plädoyer für Timoschenko
Schon die Einleitung ist ein Plädoyer für Timoschenko: Es ist ein offener Brief ihrer Tochter, geschrieben während des Prozesses 2011, ohne Einordnung der Autoren. "Die Wahrheit und das Gute werden siegen, anders kann es nicht sein", schreibt Jewgenija Timoschenko dort und feiert ihre Mutter für deren Standfestigkeit. Der Brief wurde zuerst auf der Internetseite von Timoschenkos Partei veröffentlicht.

Der Tenor klingt durch weite Passagen des Buches hindurch. Hier die strahlende, hübsche und verletzbare, aber schlagfertige und wehrhafte Timoschenko, das Gute. Und dort das Böse, der grobschlächtige Präsident Viktor Janukowitsch und die herzlosen Oligarchen, vor denen die "Jeanne d'Arc" der Ukraine ihr Land retten will. Immer wieder zeigen Popov und Milstein Belege für "Janukowitschs dumpfe Brutalität" auf.

Autoren für Timoschenko
Mit viel Sympathie begleiten hingegen die Autoren Timoschenko auf ihrem Weg an die Spitze des Landes. Durchaus auch ironisch schildern sie, wie die energische blonde Frau ihr Leben in der Sowjetunion meistert, schon früh Mutter wird und dennoch in Windeseile in die von Männern dominierten Seilschaften ihrer Heimatstadt Dnjepropetrowsk eindringt. Mit einer Videothek verdient sie ihr erstes Geld. Die Umstände, wie sie das Geschäft - und nicht nur dieses - finanzierte, liegen bis heute im Dunklen. Auch Popov und Milstein wissen es nicht, doch für sie steht fest: "Daran war nichts Verbotenes".

"Julia Timoschenko" ist ein spannendes Buch zu einer faszinierenden Persönlichkeit, welche die Ukraine noch lange prägen wird. Detailreich erzählt, gibt es den Zeitgeist wieder. Ausführlich schildern die Autoren das Leben in den 1980ern und frühen 1990ern, als Julia Timoschenko immer reicher wurde. Ihre Sympathie für "Lady Ju" und die gleichzeitige Verachtung für Staatschef Janukowitsch legen sie dabei aber nie ab. Einen wissenschaftlichen Anspruch hat das Buch sicherlich nicht.

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