Jahres-Inflation ist in Österreich 2005 gestiegen: Rate kletterte auf 2,3 Prozent

Grund: Höhere Kosten für Wohnen/Wasser/Energie Währungsunion: HVPI stieg geringfügig auf 2,1 %

Die Verbraucherpreise sind in Österreich 2005 um 2,3 Prozent gestiegen. Das ist die höchste Rate seit vier Jahren. Wie 2004, als die Inflationsrate bei 2,1 Prozent lag, waren auch im Vorjahr vor allem der zeitweise auf Rekordniveau liegende Ölpreis und die starken Steigerungen bei den Wohn- und Energiekosten für einen weiteren Anstieg des Verbraucherpreisindex (VPI) verantwortlich, sagten die Experten der Statistik Austria am Donnerstag. Rückläufig waren neuerlich die Preise für technische Produkte.

Ohne die Verteuerung bei Mineralölprodukten, die ein Viertel zum Index beitragen, läge die Inflationsrate 2005 bei 1,2 Prozent, hieß es.

Mit 2,3 Prozent liegt die Inflationsrate 2005 leicht unter dem von Wifo und IHS zuletzt erwarteten Wert von 2,4 Prozent und ist damit im EU-Vergleich im Mittelfeld angesiedelt. Der Jahresverlauf des VPI zeigt, dass die Inflationsraten in der zweiten Jahreshälfte nur noch halb so hoch waren wie zu Jahresanfang. Die Dezember-Inflation war mit 1,6 Prozent gleich hoch wie im Vormonat.

Der für die Währungsunion berechnete Harmonisierte VPI (HVPI) stieg im Jahresdurchschnitt 2005 auf 2,1 Prozent, nach 2,0 Prozent im Jahr davor.

In der Eurozone lag die Jahres-Inflationsrate 2005 bei 2,2 Prozent, ebenso wie in der gesamten EU. Den geringsten Preisauftrieb wiesen mit 0,8 Prozent Finnland und Schweden aus, den höchsten Wert erreichten die baltischen Länder Lettland (6,9 Prozent) und Estland (4,1 Prozent) in der EU-25, in der Eurozone führten Luxemburg (3,8 Prozent), Griechenland (3,5 Prozent) und Spanien (3,4 Prozent) das Ranking an.

Österreich liegt mit 2,1 Prozent gleich auf wie Portugal im europäischen Mittelfeld zwischen Italien mit 2,2 Prozent und Deutschland bzw. Frankreich mit jeweils 1,9 Prozent.

Für die Inflation 2005 hauptverantwortlich waren die höheren Kosten für Wohnen. Teurer wurden nicht nur die Betriebskosten, auch Müllabfuhr, Wasserversorgung und das Heizen verteuerten sich. Der hohe Ölpreis hat sich naturgemäß auch auf das Autofahren durchgeschlagen: Benzin und Diesel wurden erneut teurer. Zigaretten haben sich im Vergleich zu 2004 um 10 Prozent verteuert, was vor allem auf die mit Jahresanfang gestiegene Tabaksteuer zurückzuführen ist.

Billiger wurde das Telefonieren im Festnetz: Sowohl die Anschlussgebühren als auch die Gesprächskosten sind gesunken. Auch Telefonapparate und Anrufbeantworter sind billiger geworden. Weiter fortgesetzt hat sich auch der Preisrückgang bei PCs, DVD-Playern und Digitalkameras.

Erstmals seit der Euro-Einführung ist die Preisentwicklung beim täglichen Einkauf - als Indikator für die "erlebte Inflation" - mit plus 1,5 Prozent im Vorjahr unter der allgemeinen Inflationsrate geblieben. Dieser Mikro-Warenkorb enthält 20 Produkte des täglichen Bedarfs und trägt 5 Prozent zum VPI bei.

Der so genannte Mini-Warenkorb mit rund 50 Produkten und Dienstleistungen für den wöchentlichen Großeinkauf lag mit 4,5 Prozent über dem VPI. Zurückzuführen ist das laut Experten auf die Tatsache, dass Tanken in diesem Warenkorb erfasst wird.

Die Experten betonten, dass sich die Schere aus wahrgenommener und tatsächlicher Inflation seit 2002 nun langsam angleiche. Dies deute darauf hin, dass die Menschen immer besser mit dem Euro umgehen lernen. Die Aufklärungsarbeit vieler nationaler Statistikämter und Notenbanken sei erfolgreich und der Euro werde nicht mehr ganz so stark als "Teuro" empfunden.
(apa)