Jagd nach "Sportbetrüger": Italien hat strengstes Anti-Doping-Gesetz der Welt

Kampf gegen verbotene Mittel Staatsangelegenheit

Die österreichischen Olympia-Biathleten und -Langläufer haben am Samstagabend das extrem scharfe italienische Anti-Doping-Gesetz am eigenen Leib zu spüren bekommen. Seit dem Jahr 2000 hat Italien den Dopingsündern mit dem härtesten Dopinggesetz der Welt den Kampf angesagt. Das Gesetz, das für Sportbetrüger Höchststrafen bis sechs Jahre vorsieht, macht die Dopingbekämpfung zur Staatsangelegenheit.

Doping ist seit 2000 zur Straftat aufgerückt, wer dopt oder gedopt ist, wird zum Kriminellen. Nicht nur jene, die Dopingmittel verabreichen oder in Umlauf bringen, sondern auch die Sportler werden bestraft. Für gedopte Athleten sieht das Gesetz neben Geldstrafen auch Haftstrafen von drei Monaten bis zu drei Jahren vor.

Sportler werden damit in Italien also nicht mehr nur als Opfer, sondern auch als Täter, die durch leistungssteigernde Mittel ihre Konkurrenten betrügen, angesehen. Die Hintermänner werden noch schärfer bestraft. Zwei bis sechs Jahre Haft drohen Trainern und Betreuern, die Sportler dopen oder unzulässige Mittel beschaffen. Das Gesetz sieht auch Haftstrafen für Personen vor, die Dopingmittel verkaufen. Beim Verkauf an minderjährige Sportler verschärfen sich die Strafen sogar noch deutlich.

Nach der Verabschiedung des neuen Gesetzes wurden dem Nationalen Olympischen Komitee Italiens (CONI) alle Kompetenzen für die Dopingbekämpfung entzogen und dem italienischen Gesundheitsministerium übertragen. Dass damit der Kampf gegen die verbotenen Substanzen aus den Händen der Sportverbände in die des Staates übergeht, war das eigentlich Revolutionäre an diesem Dopinggesetz.

Eine 20-köpfige Kommission des Gesundheitsministeriums, in die auch Sportler, Trainer und Sportmediziner berufen werden sollen, ist für die Art, den Umfang und die Analyse der Dopingkontrollen verantwortlich. Die Sportverbände sind nur noch für die sportlichen Sperren zuständig. Und die könnte der betreffende Dopingsünder unter Umständen im Gefängnis absitzen.

Im mehrmonatigen Kampf um die Doping-Kontrollen bei den Olympischen Winterspielen in Turin war es erst im Jänner zu einer Einigung gekommen. Die italienische Regierung und das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatten sich über ein zweimonatiges Moratorium zur temporären Aufhebung des strengen italienischen Anti-Doping-Gesetzes bei den Turin-Spielen geeinigt, wie der italienische Vize-Sportminister Mario Pescante nach zähen Verhandlungen bekannt gab.

Das Anti-Doping-Gesetz soll aber respektiert werden, was eventuelle Strafverfahren gegen Sportler betrifft. Die Kontrollen sollten während der Winterspiele aber nur durch die vom IOC beauftragte Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) und vom Organisationskomitee der Winterspiele (TOROC) durchgeführt werden. Auch die Liste der verbotenen Mittel ist jene der WADA, wie Pescante schon im Vorfeld der Spiele betont hat.

(apa)