Italiens Regierungschef sorgt für Eklat: Berlusconi vergleicht sich mit Jesus Christus

Rede: "Ich ertrage jeden, ich opfere mich für jeden!" Empörte Reaktionen in italienischer Opposition

Italiens Regierungschef sorgt für Eklat: Berlusconi vergleicht sich mit Jesus Christus

Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi hat einmal mehr für einen Eklat gesorgt, indem er sich mit Jesus Christus verglichen hat. "Ich bin der Jesus Christus der Politik", sagte er Berichten zufolge bei einem Abendessen. "Ich bin ein geduldiges Opfer, ich ertrage jeden, ich opfere mich für jeden."

"Sich mit Christus zu vergleichen, ist ein Zeichen von Sensibilitätmangel. Das tut man nicht. Unsere Politiker sollten den Herrn in Frieden lassen", sagte der italienische Kardinal Ersilio Tonini am Montag in einem Interview der Tageszeitung "La Repubblica".

Berlusconis Worte wurden auch von seinen Bündnispartnern kritisiert. "Man sollte Jesus von der Politik fern halten", kommentierte der christdemokratische Präsident der Abgeordnetenkammer, Pier Ferdinando Casini. Scharf kritisiert wurde der Regierungschef auch von der Opposition. "Der Wahlkampf hat begonnen und Berlusconi zeigt seine schlechtesten Seiten", sagte der Vorsitzende der katholischen Partei UDEUR, Clemente Mastella. Höhnisch äußerte sich Sozialistenchef Enrico Boselli: "Die Italiener warten noch auf Berlusconis Wunder. In seiner fünfjährigen Amtszeit hat er leider keine vollbracht."

Auf die Welle hitziger Reaktionen reagierte Berlusconi gelassen. "Ich bin missverstanden worden, ich wollte nur auf Kritik aus den Reihen der Opposition reagieren", sagte der Ministerpräsident. Er zeigte sich über die Angriffe seiner Bündnispartner verärgert. "Ich arbeite für den Erfolg der gesamten Koalition", sagte Berlusconi.

Einen Tag vorher hatte sich der Regierungschef mit Napoleon verglichen. Nur Napoleon habe mehr getan als er, sagte er dazu. "Aber ich bin auf jeden Fall größer als er."

In Italien hat am vergangenen Wochenende offiziell die Wahlkampagne begonnen. Nachdem Staatschef Carlo Azeglio Ciampi am Samstag das Parlament aufgelöst hat, stürzen sich die Parteien in den Wahlkampf. Berlusconi hofft auf ein zweites fünfjähriges Mandat. Er tritt gegen Oppositionschef Romano Prodi an.(apa/red)