Israelis protestieren gegen Häuser-Abriss: 70 Menschen bei Zusammenstößen verletzt

Die Bewohner bewarfen die Soldaten mit Steinen Truppen brachten Bulldozer zur Zerstörung in Stellung

Israelis protestieren gegen Häuser-Abriss: 70 Menschen bei Zusammenstößen verletzt

Rund 6000 israelische Soldaten und Polizisten haben im besetzten Westjordanland die Räumung von neun ohne Genehmigung errichteten Häusern in der Siedlung Amona erzwungen. Dabei kam es zu heftigen Zusammenstößen mit Bewohnern, die die Soldaten mit Steinen bewarfen. Soldaten in Kampfausrüstung rückten an, einige von ihnen auch beritten. Die Siedler erwarteten sie hinter Stacheldrahtbarrieren, mehrere hundert Bewohner verschanzten sich auf Hausdächern.

Sie bewarfen die Soldaten mit Steinen, Farbballons und Eiern. Die Soldaten setzten Wasserwerfer ein und begannen, die Häuser zu stürmen. Sie stiegen mit Hilfe von Leitern auf Dächer und führten zahlreiche Siedler ab. Auf beiden Seiten wurden nach Angaben von Ärzten mindestens 40 Menschen verletzt.

Die Truppen brachten Bulldozer für die Zerstörung der Häuser in Stellung. Dichter schwarzer Rauch lag über Amona, weil die Siedler Autoreifen in Brand setzten. Unter den Verletzten sind auch zwei rechtsgerichtete Knesset-Abgeordnete. "Sie behandeln die Leute hier wie Araber", sagte der Abgeordnete Arie Aldad, der nach eigenen Angaben einen Armbruch erlitt. Die Regierung ergreife in Amona die nötigen Maßnahmen zur Sicherung des Rechts, sagte David Baker vom Büro des Ministerpräsidenten in Jerusalem.

Bei den Zusammenstößen sind mehr als 70 Menschen verletzt worden. Polizei und Armee hatten am Vormittag nach einer neuen Entscheidung des Obersten Gerichtshofes mit der Räumung des Vorpostens Amona begonnen. Unter den Verletzten waren nach Angaben von Rettungsmannschaften 15 Polizisten und 60 Siedler. Die Sicherheitskräften nahmen mehrere Gewalttäter fest.

Die Räumung gilt als Test für den amtierenden Regierungschef Ehud Olmert, der ein entschlossenes Vorgehen gegen - auch nach israelischem Recht - illegale Siedlungen angekündigt hat. Seit Mitte der neunziger Jahre haben Siedler Dutzende von ungenehmigten Außenposten auf dem Land von Palästinensern errichtet. Nach dem internationalen Friedensfahrplan (Roadmap) hat sich Israel verpflichtet, diese Siedlungen zu räumen. Amona liegt nördlich von Jerusalem in der Nähe von Ramallah. (apa/red)