Israel von

Angst vor dem Erstschlag

Benjamin Netanyahu könnte einen militärischen Alleingang gegen den Iran planen

Israel - Angst vor dem Erstschlag © Bild: Reuters/Cohen

Sind die Drohungen des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu gegenüber dem Iran ein Bluff - oder steht der Welt tatsächlich ein Krieg gegen den Iran bevor, mit unabsehbaren Konsequenzen? Diese Frage stellen sich Kommentatoren in Israel, die sich darüber wundern, dass "die Welt deswegen kaum besorgt scheint".

"Europa ist ruhig und (US-Präsident Barack) Obama verhält sich vage. Hat sich die internationale Gemeinschaft mit einem israelischen Militärschlag gegen die iranischen Atomanlagen abgefunden, oder glaubt die Welt einfach nicht, dass der Premier (Netanyahu) es wirklich tut?", schreibt der Chefredakteur israelischen Zeitung "Haaretz", Aluf Benn, am Wochenende.

Zuvor hatte es in Medienberichten geheißen, die israelische Führung erwäge einen militärischen Alleingang gegen das iranische Atomprogramm noch vor der US-Präsidentenwahl im November. Netanyahu und Verteidigungsminister Ehud Barak hätten einen solchen Entschluss schon "fast endgültig" gefasst.

Verwunderung über Ruhe
Israelische Kommentatoren zeigen sich verwundert, dass angesichts dieser Drohungen der Ölpreis nicht in die Höhe schieße und der UN-Sicherheitsrat nicht zusammentrete. Nicht einmal die iranischen Warnungen vor einem Gegenschlag schienen irgendjemanden zu beunruhigen. Die Märkte hätten sich offensichtlich auf einen israelischen Militärschlag eingestellt und die Risiken evaluiert. Nun warte man auf die Ausführung.

"Die internationale Gemeinschaft hat die ideologische Basis für eine israelische Operation gegen den Iran gelegt. Sie hat Netanyahu nicht mehr wegen der Besatzung, den Siedlungen und wegen des palästinensischen Staates behelligt. Das hat es Netanyahu ermöglicht, die israelischen Streitkräfte und die israelische Öffentlichkeit auf einen Krieg mit dem Iran vorzubereiten", analysiert "Haaretz".

Was macht Obama?
Obama gelte zwar als entschiedener Gegner eines Militärschlags gegen den Iran. Doch seine Handlungen zeigten des Gegenteil. Er ziehe wieder einmal hinter den Kulissen die Fäden, so wie in Libyen und Syrien. Seine Doktrin sei, so "Haaretz": Anstatt Amerika in einen neuen Nahost-Krieg zu verwickeln, würde Obama die Militäraktion auslagern und an einen "externen Agenten" übertragen. In Libyen sei es Frankreich gewesen, in Syrien die "Freie Syrische Armee" und im Iran seien es die israelischen Streitkräfte.

Zudem weist der "Haaretz"-Autor darauf hin, dass sich Obama, der Netanyahu eigentlich verachte, in Fragen des Siedlungsbaus viel aggressiver gegenüber dem israelischen Premier verhalten habe als in der Iran-Frage. Der Grund: "Obama braucht die Unterstützung der amerikanischen Juden bei den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen (...) Das ist einer der Gründe, warum Netanyahu und Barak in den kommenden Wochen angreifen wollen, wenn Obama aus politischer Notwendigkeit zu Hause gezwungen sein wird, Israel zu unterstützen",

Blufft Netanyahu nur?
Europäer und Amerikaner könnten nun denken, dass Netanyahu lediglich bluffe. "So wie viele von ihnen seine Äußerungen über einen künftigen palästinensischen Staat nicht glaubten, werden sie jetzt vielleicht denken, das Gerede über einen Militärschlag seien nur leere Worte", gibt der "Haaretz"-Chefredakteur zu bedenken.

Kommentare

War-Lord

Mein Ratschlag an Israel... wartet bis nach dem 21. Dezember damit, dann haben sich sämliche Probleme auf diesem Planeten von alleine gelöst...auch jene möglichen eines Landes Israel :-)

higgs70
higgs70 melden

Schwachköpfe Ich finde es immer seltsam wenn ein Verteidigungsminister einen Angriffskrieg plant.Und die Logik,dass der andere durch die eigenen Atomwaffen nicht in Enge getrieben sei,man aber selbst durch den Wunsch des anderen,ebenfalls welche zu haben, schon, ist von geradezu rührender Dummheit. Denn wenn ich eine Schrottflinte zu Hause habe gehts den Nachbarn nichts an, wenn er sich auch eine besorgen will, schieße ich ihn übern Haufen.

Die iranische Führung ist bei Gott kein Wunschprogramm des internationalen Pazifismus, aber die haben sich durchgängig mit Maulheldentum begnügt, Israel wäre gut beraten es auch dabei zu belassen.

Abgesehen davon fühle mich unwohl wenn nationalistische Trotteln Weltuntergang spielen.

Sensor melden

Re: Schwachköpfe Völlig richtig!
Die Verrückten sterben offensichtlich nie aus.

waldgaenger melden

erbärmlich Israels Sicherheit über alles, über alles in der Welt

dog_the melden

Re: erbärmlich Wenn Israel einen Angriff führen wird gegen den Iran sollten alle Nationen nicht vergessen was sie unterschrieben haben, Israel hat den Atomwaffenspeervertrag nicht unterschrieben, Iran schon also laut den Regeln Punkt 6 gilt es Iran in jeder Hinsicht zu unterstützen

Das Völkerrecht, die Charta der Vereinten Nationen,

die Satzung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) und manche internationalen Resolutionen verbieten ausdrücklich jede Drohung gegen friedliche Nuklearaktivitäten. Resolution 533 der 33. Generalkonferenz der IAEA vom Oktober 1990 betont unter anderem folgende Punkte:



1. Jeder bewaffnete Angriff auf Nuklearanlagen, die friedlichen Zwecken dienen oder im Bau befindlich sind, ist verboten.

dog_the melden

Re: erbärmlich 2. Jeder bewaffnete Angriff auf und jede Drohung gegen friedlichen Zwecken dienende Nuklearaktivitäten stellen eine Verletzung der UN-Charta, des Völkerrechts und der Satzung der Internationalen Atomenergiebehörde dar.

dog_the melden

Re: erbärmlich 3. Ein bewaffneter Angriff auf Nuklearanlagen kann zum Austritt von radioaktivem Material führen und innerhalb und außerhalb der Grenzen des angegriffenen Landes schwerwiegende Folgen haben.



4. Ein Angriff oder die Androhung eines Angriffs auf friedliche Nuklearaktivitäten wird die weitere Entwicklung der Nuklearenergie gefährden.

dog_the melden

Re: erbärmlich 5. Ein bewaffneter Angriff oder die Androhung eines bewaffneten Angriffs auf eine in Betrieb oder sich im Bau befindliche, geschützte Nuklearanlage schafft eine Situation, gegen die der Sicherheitsrat aufgrund der Bestimmungen der UN-Charta umgehend Maßnahmen einleiten muss.



6. Alle Länder sind aufgefordert, nach dem Völkerrecht einem Land, auf dessen friedliche, geschützte Nuklearanlagen ein bewaffneter Angriff unternommen wird, sofort zu helfen, wenn das Land darum bittet.



7. Alle Mitgliedstaaten sind aufgefordert, entsprechend der UN-Charta zu den Entscheidungen des Sicherheitsrates hinsichtlich eines angegriffenen Lands Stellung zu nehmen.


lg the dog

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