Iran nimmt Urananreicherung wieder auf: Urangas wurde in Zentrifugen eingeleitet

Teheran erklärt: "Nur für Forschungszwecke"

Der Iran hat Kreisen zufolge damit begonnen, geringe Mengen Urangas in einige Zentrifugen seiner Nuklearanlage in Natant zu leiten. Inspektoren der Vereinten Nationen hätten iranische Wissenschaftler dabei beobachtet, sagte eine in die Arbeit der UNO-Atomkontrollbehörde IAEA (IAEO) eingeweihte Person am Dienstag. Der Chef der iranischen Atomenergiebehörde, Gholamreza Aghazadeh, räumte ein, dass Gas in kleinen Mengen eingeleitet worden sei. Dies könne aber nicht als Anreicherung bezeichnet werden, zitierte ihn die halbamtliche studentische Nachrichtenagentur ISNA.

In den Zentrifugen kann Uran-235 in Brennstoff für Atomreaktoren zur Stromgewinnung umgewandelt werden. Bei hohen Anreicherungsgraden kann es aber auch für Atomwaffen verwendet werden. Westliche Staaten verdächtigen den Iran, heimlich an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten. Sie sind daher gegen die Aufnahme der Arbeiten zur Urananreicherung.

Die seit Anfang Februar wieder angelaufenen Aktivitäten in der iranischen Atomanlage Natanz dient lediglich Forschungszwecken, sagte Aghazadeh in einem Interview mit dem staatlichen Fernsehen. "Die Urananreicherung in Natanz dient lediglich der Forschung und ist für keinen anderen Zweck nutzbar. Es lässt sich noch nicht einmal lagern", fügte er hinzu. "Wir (...) sind technisch nicht in der Lage zu einer Urananreicherung in großem Umfang."

Der Vize-Chef des iranischen nationalen Sicherheitsrates Javad Vaidi erklärte zuvor, die Anreicherung von Uran im kleinen Stil habe in der Forschungsanlage von Natanz in Mitteliran vergangene Woche begonnen. "Wir haben mit der Vorbereitungsphase begonnen und mit Aktivitäten, die mit der Urananreicherung verbunden sind", sagte er vor der Presse. "Das bedeutet jedoch keine umfassende Aufnahme der Anreicherung. Technisch ist das in dieser Phase nicht machbar."

Er wies damit Berichte zurück, wonach Techniker dort die Anreicherung in großem Umfang aufgenommen und Gas in Zentrifugen eingeleitet haben. Zunächst müssten noch 60.000 Zentrifugen besorgt werden. Die Verhandlungen über den russischen Vorschlag, iranisches Uran in Russland anzureichern, würden spätestens am 20. Februar in Moskau beginnen, fügte der stellvertretende Sekretär des Obersten Nationalrats hinzu.

Auf unbestimmte Zeit verschoben
Eigentlich war der kommende Donnerstag für diese Gespräche anberaumt, doch verschob Teheran den Termin am Montag auf vorerst unbestimmte Zeit. Ein Sprecher des russischen Außenministeriums erklärte nach dem neuen Terminvorschlag, seine Regierung prüfe noch, ob der 20. Februar überhaupt in Frage komme.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow wies unterdessen Forderungen nach UNO-Sanktionen im Atomstreit mit dem Iran scharf zurück. Wer Sanktionen gegen den Iran fordere, habe nicht die Absicht, dass dessen Atomprogramm nur friedlichen Mitteln dient, sagte Lawrow am Dienstagabend nach einem Treffen mit Bundespräsident Heinz Fischer vor Journalisten in Wien. "Sanktionen haben in der modernen Geschichte keinen einzigen Konflikt gelöst", betonte der russische Chefdiplomat.

Lawrow wird am morgigen Mittwoch im Wiener Außenministerium mit den Spitzen der EU-Außenpolitik ("EU-Troika") zusammentreffen. Im Mittelpunkt der Gespräche mit der amtierenden EU-Ratsvorsitzenden Außenministerin Ursula Plassnik (V), EU-Chefdiplomat Javier Solana und EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner werden auch der Atomstreit mit dem Iran stehen.

China zeigte sich besorgt über die Verzögerung der Verhandlungen zwischen dem Iran und Russland. Man hoffe, dass die Gespräche wie geplant stattfinden und ein positives Ergebnis erzielen würden, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Peking.

(apa)