Iran zeigt sich weiter uneinsichtig: Land bestätigt Beginn der Urananreicherung

"In kleinem Umfang": Gas in Zentrifugen eingeleitet Rice: Sanktion im Sicherheitsrat kaum durchzusetzen

Ein iranischer Regierungsvertreter hat am Donnerstag den Beginn der Urananreicherung bestätigt. In der Forschungsanlage Natanz sei damit begonnen worden, Gas in die ersten Zentrifugen einzuleiten, sagte der Chef der iranischen Atomenergiebehörde, Gholam Reza Aghazadeh, am Donnerstagabend im staatlichen Fernsehen. Er betonte, es handle sich dabei nur um eine begrenzte Zahl von Zentrifugen. Um das Uran soweit anzureichern, dass es zur Energiegewinnung reiche, würden vermutlich noch mehrere Monate vergehen.

Ein Diplomat bei der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA (IAEO) hatte bereits am Montag mitgeteilt, der Iran habe in geringem Umfang mit der Urananreicherung begonnen. Einen Tag später hatte dies ein iranischer Vertreter der Atomenergiebehörde dementiert. Je nach Anreicherungsgrad kann das Uran zur Energiegewinnung oder für den Bau von Atomwaffen verwendet werden. Teheran will nach eigenen Angaben nur schwach angereichertes Uran für seine Atomkraftwerke herstellen. Der Westen verdächtigt den Iran, heimlich nach Atomwaffen zu streben. Der französische Außenminister Philippe Douste-Blazy hatte Teheran am Donnerstag erstmals offen vorgeworfen, mit seinen umstrittenen Atomplänen ein "geheimes militärisches Programm" zu verfolgen.

Rice: Sanktionen im Sicherheitsrat kaum durchzusetzen
Im Atomstreit mit dem Iran hat US-Außenministerin Condoleezza Rice die Durchsetzung von Sanktionen gegen Teheran im UNO-Sicherheitsrat als schwierig bezeichnet. Die US-Regierung arbeite derzeit an der Bildung eines breiten Bündnisses, um dem Iran wegen seines umstrittenen Nuklearprogramms eine "angemessene Botschaft" übermitteln zu können, sagte Rice am Donnerstag vor dem Kongress in Washington.

Im Sicherheitsrat seien allerdings zahlreiche Staaten mit unterschiedlichen Interessen vertreten, weshalb es schwierig werden dürfte, "starke Maßnahmen" durchzusetzen. Wegen ihrer Wirtschaftsinteressen im Iran lehnen vor allem China und Russland Sanktionen gegen Teheran ab.

Wenige Tage vor ihrer geplanten Reise in den Nahen Osten beschuldigte Rice erneut den Iran der Finanzierung des "weltweiten Terrorismus". Der Atomkonflikt könne nicht isoliert betrachtet werden, sagte die Außenministerin vor einem Senatsausschuss. Besorgnis erregend sei auch die Politik Teherans in der gesamten Region, die vor allem auf Destabilisierung ziele. Sie werde darüber mit den politischen Führern in Ägypten und der Golfregion reden, kündigte Rice an. Die USA beschuldigen den Iran, Gruppen wie die Hisbollah im Libanon und die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas zu unterstützen.

Das US-Repräsentantenhaus verurteilte am Donnerstag den Iran in einer Entschließung wegen der Wiederaufnahme seines Atomprogramms und der Aufnahme von Aktivitäten zur Urananreicherung. In der mit großer Mehrheit verabschiedeten Resolution sagten die Abgeordneten möglichen Sanktionen durch den UNO-Sicherheitsrat ihre Unterstützung zu.
(apa/red)