Das neue iPad von Apple ist seit letzten Freitag also endlich auch in Österreich erhältlich. Man ist verleitet dazu, es konsequent iPad 3 zu nennen, weil es ja die bereits dritte Runde der Tablet-Diva einläutet. Apple selbst hat das Nummernspiel aber über Bord geworfen. Hat das vielleicht einen Grund? Ein extrem hoch aufgelöstes Display und eine verbesserte Kamera sind jedenfalls neue Merkmale, die die Referenz dieser Geräteklasse noch besser machen sollen. NEWS.AT hat sich angesehen, was das neue iPad kann und wann sich eine Anschaffung auszahlt.
Die erste Überraschung beim Auspacken des neuen iPad lässt nicht lange auf sich warten: Das Gerätedesign ist mit dem iPad 2 auf den ersten Blick zwar nahezu identisch, das Gewicht hat allerdings um gut 50 Gramm zugelegt und mit einer Tiefe von 9,4 mm ist es auch einen Tick stärker als sein Vorgänger. Zurückzuführen ist das auf einen stärkeren Akku, der fast doppelt so viel Wattstunden liefert wie der Akku im Vorgänger.
Nicht umsonst mehr Power
Diesen Energieschub hat das neue iPad auch nötig, schließlich wurde ihm mit dem A5X eine leistungsfähigere SOC-Recheneinheit (System-on-a-Chip) verpasst. Wie das iPad 2 auch beinhaltet diese zwei Cortex-A9-Kerne mit einer Taktrate von jeweils 1 GHz, aber - und das ist neu - eine verbesserte Vierkern-Grafikeinheit (Imagination SGX543MP4), die in ähnlicher Form in der
tragbaren Spielkonsole Playstation Vita
verbaut ist. Wer jetzt schlussfolgert, dass diese von Apple beworbene neue "Quadcore-GPU" eine deutlich bessere Grafik auf den Bildschirm zaubert, hat nur eingeschränkt recht.
Der Großteil der neu gewonnenen grafischen Power geht nämlich für die massiv gestiegene Auflösung des neuen Bildschirms drauf. Im Alltag resultiert daraus freilich immer noch ein schnelles und flüssiges Tablet-Erlebnis, das keinerlei Anzeichen von Ruckeln oder groben Performance-Einbrüchen zeigt. Ein Unterschied zum iPad 2 lässt sich allerdings (noch) nicht wirklich ausmachen: Erst neue Apps und zukünftige Updates bestehender Software müssen unter Beweis stellen, dass das neue iPad tatsächlich mehr "Grafik-PS" unter der Haube hat. Was die generelle Perfomance betrifft, dürfte das neue iPad vermutlich noch eher von der Verdoppelung des Arbeitsspeichers auf 1 GB profitieren.
"Viva la Resolucion!"
Sehr wohl schon erkennbar und gleichzeitig Schlüssel-Feature der dritten Ausgabe ist das neue Display: Mit nahezu unglaublichen 2.048 x 1.536 Pixel hat sich die Auflösung vervierfacht und lässt mit doppelter Pixeldichte (264 ppi) kaum noch einen Bildpunkt auf dem 9,7-Zoll-Display erkennen. Diese radikale Anhebung erweist sich im Alltag vor allem dann als praktisch, wenn man Fotos oder Texte zwecks Detailansicht heranzoomt und dabei nach wie vor keine Pixelstruktur (also eine grobe Körnung des Bildes) zum Vorschein kommt. Aber auch Spiele oder Filme profitieren natürlich von der gestiegenen Schärfe. Der Unterschied ist zweifelsohne erkennbar und der von Apple bemühte Begriff "resolutionary" bzw. "sehvolutionär" zugegebenermaßen weniger übertrieben als anfangs vermutet. Beeindruckend.
Ordentlich nachgebessert wurde auch bei der Kamera: Das 5 Megapixel Exemplar kann zwar nicht mit der Qualität eines iPhone 4S mithalten, sowohl Videos (bis zu 1080p) als auch Fotos sind jetzt aber im Gegensatz zum iPad 2 endlich herzeigbar. Unterm Strich eine deutliche Steigerung, wenngleich die Kamerafunktion - nicht zuletzt auch wegen des Formfaktors - eher in die Kategorie "sinnvolle Ergänzung" denn "Digicam-Ersatz" fällt.
Kein LTE in Österreich
Wie auch beim Vorgänger gibt es das neue iPad wahlweise in einer reinen WLAN- und in einer Mobilfunk-Version, die zusätzlich SIM-Karten unterstützt. Theoretisch hätte es sogar den Datenturbo LTE, allerdings funktioniert der neue Standard für Downloadraten von bis zu 100 Mbit/s nur auf dem US-Markt, weil hierzulande andere Frequenzen dafür genutzt werden. Ziemlich ärgerlich.
Immerhin werden jetzt mit HSPA+ (max. 21 Mbit/s) und DC-HSPA (max. 42 Mbit/s) schnellere Datenraten unterstützt und die Drahtlos-Kommunikation mit WLAN (802.11 a/b/g/n) sowie Bluetooth 4.0 abgerundet.
Akkulaufzeit
Die eingangs bereits erwähnte Aufstockung der Wattstunden-Zahl des Akkus wirkt sich leider nicht positiv auf die Laufzeit aus. Im Gegenteil: Der höhere Energiebedarf der neu zusammengestellten Hardware-Komponenten lässt das das neue iPad schlechter aussteigen als seinen Vorgänger. Bei identer iOS-Version (5.1) hielt der Akku des iPad 2 unter gleichen Einstellungen ein bis zwei Stunden länger als sein Nachfolger. Fairerweise muss aber festgehalten werden, dass das neue iPad mit knapp 10 Stunden Betrieb ohne Steckdose keinen Grund hat, sich verstecken zu müssen. Wenn es aber erst einmal aufgeladen werden muss, benötigt es dafür auch deutlich länger.
Wann zahlt sich das neue iPad aus?
Da sich der Tablet-Alltag auf dem neuen iPad nur in (positiven wie negativen) Details vom iPad 2 unterscheidet, macht der Umstieg für Besitzer der letzten Generation wenig bis gar keinen Sinn. Auch für diejenigen, die noch gar kein Tablet besitzen und mit einer Erstanschaffung liebäugeln, ist es keine ganz so klare Angelegenheit: Schärferem Display, verbesserter Kamera und potenzieller Mehrleistung auf dem neuen iPad stehen derzeit günstigere Anschaffungskosten (ab 400 Euro statt 480 Euro) und längere Akkulaufzeit auf dem iPad 2 gegenüber. Wirklich uneingeschränkt zu empfehlen ist die neue Version somit vorerst nur zufriedenen Besitzern des ersten iPads, die auf maximale Performance upgraden wollen.
NEWS.AT-FAZIT
Böse Zungen könnten behaupten, dass das neue iPad ein Resultat aus Quasi-Monopolstellung, ausgezeichnetem Marketing und dadurch eingeschüchterter Konkurrenz ist. Das Display ist zwar sichtlich besser als beim Vorgänger, keine Frage, und die verbesserte Kamera kann nun endlich Bilder aufnehmen, die man auch herzeigen kann. Leicht bulligere Maße und schlechtere Laufzeiten als beim Vorgänger sowie das hierzulande nicht einsatzfähige LTE-Modul zeigen aber, dass man sich in Cupertino nicht allzu viel Mühe machen muss, um die Nummer eins zu bleiben. Wozu auch? Fakt bleibt nämlich nach wie vor, dass Apple am Ende des Tages das rundeste bzw. beste Tablet-Erlebnis bietet. Das ist seit dem iPad 2 schon so und das wird mangels ernstzunehmender Rivalen mit dem neuen iPad - wenn auch nur leicht - unterstrichen.
Das neue iPad ist ab 479 Euro (16 GB, WiFi-only) erhältlich. Eine detaillierte Auflistung zu allen Modellen, technischen Spezifikationen und Provider-Tarifen in Österreich finden Sie unter apple.com/at
Kommentare
Danke Danke für den Test. Wann wird News.at eigentlich fürs iPad optimiert? Die Videos sind ja alle noch in Flash, so dass man diese am iPad nicht sehen kann.
Re: Danke die frage wäre eher... wann wird ein ipad endlich flash abspielen können???? wer sich der geisel und den einschränkungen des ipad/apple hingibt, ist selber schuld!! ich kann den hype um die appleprodukte nur sehr schwer nachvollziehen!!
@mickey73 Mobile Flash ist tot. Auch auf Android. Sollte sich schon herumgesprochen haben. Fragt doch bei Adobe nach. Apple war nur mal wieder seiner Zeit voraus. ;)