Ob lecker.essen oder tango.tanzen: Im Internet wird es bald keine Beschränkungen mehr für die Endungen von Domain-Namen geben. Das derzeit auf Abkürzungen wie .de oder .com begrenzte Adress-System soll bis Ende kommenden Jahres komplett geöffnet werden. Dies hat die Internet-Regulierungsbehörde Icann in Singapur entschieden.
"Es handelt sich um die größte Veränderung, seit es das Internet gibt", sagte Icann-Chef Peter Dengate Thrush. Der Kreativität seien keine Grenzen mehr gesetzt. Allerdings will sich Icann die Überprüfung und Freischaltung der neuen Adressen teuer bezahlen lassen: Allein die Bewerbung wird 185.000 Dollar kosten.
Bewerbugnum neue Endungen
Derzeit gibt es etwa 270 verschiedene Domain-Namen. Ab dem 12. Jänner können sich Interessierte um neue Endungen bewerben. Mit ersten Freischaltungen sei bis Ende 2012 zu rechnen, teilte Icann weiter mit. Erstmals seien auch andere Schriftzeichen neben den lateinischen Zeichen erlaubt. Experten sehen die Öffnung vor allem als Chance für Unternehmen. Der japanische Elektronikkonzern Canon kündigte an, sich um die Endung .canon zu bewerben. Es wird damit gerechnet, dass sich auch Unternehmen wie Toyota, Apple oder Coca-Cola sowie Großstädte um eigene Namensendungen bemühen.
Icann-Chef Dengate Thrush räumte ein, dass die Entscheidung auch innerhalb des Kontrollgremiums der Regulierungsbehörde umstritten gewesen sei. So sei zu Bedenken gegeben worden, dass neue Adress-Endungen wie .nazi auf Kritik von Staaten und Verbänden stoßen könnten. Zugleich würden alte Domain-Namen, die wegen der bisherigen Begrenzung des Adress-Systems wertvoll gewesen seien, durch die Freigabe der Endungen entwertet. Auch deshalb habe es mehrere Jahre gebraucht, bis sich Icann zu diesem Schritt entschlossen habe. Eine ausführliche Überprüfung der Anträge über mehrere Monate solle daber garantieren, dass es nach einer Freigabe möglichst selten zu juristischen Streitereien kommt.