Industriekonjunktur hat sich verfestigt: Für 2006 Wachstum von 3,5 Prozent erwartet

Beschäftigungsabbau wurde zumindest gestoppt

Die Industrie bleibt der Wachstumsmotor der heimischen Wirtschaft. Sowohl die Einschätzungen über den gegenwärtigen Geschäftsverlauf als auch die Prognosen für die kommenden sechs Monate sind bei der aktuellen Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung (IV) besser ausgefallen als zuletzt. Für das laufende Jahr geht IV-Generalsekretär Markus Beyrer von einem Industriewachstum von 3,5 Prozent aus. An der IV-Umfrage beteiligten sich 489 Unternehmen mit mehr als 253.000 Beschäftigten.

Das IV-Konjunkturbarometer für das 4. Quartal 2005, das als Mittelwert aus den Beurteilungen der gegenwärtigen und der Geschäftslage in 6 Monaten gebildet wird, ist von 18 auf 29 Punkte gestiegen, so die "positive massage" von IV-Generalsekretär Beyrer am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Trotz des weiterhin hohen Preisniveaus auf den Energie- und Rohstoffmärkten und der Versorgungsunsicherheit bei Energie sowie der fehlenden Fortschritte bei der Liberalisierung des Welthandels habe die heimische Industrie deutlich an Dynamik zugelegt. Diese Entwicklung sollte zumindest das gesamte Halbjahr 2006 prägen.

Der Beschäftigungsabbau, so Beyrer, konnte gestoppt werden. In den vergangenen Jahren ging die Industriebeschäftigung jährlich um 1,1 Prozent zurück. Derzeit gebe es keine Anzeichen für einen Personalabbau, so der IV-Chefökonom Christian Helmenstein. Die Industrie-Beschäftigung erweise sich als stabil. Mit einem Beschäftigungszuwachs sei aber erst frühestens 2007 rechnen.

Anlass zum Optimismus gebe unter anderem die stärkere Nachfrage nach Investitionsgüter und die Euro/Dollar-Relation, die sich auf einen Wert von 1,20 eingependelt habe. Ein Wert von 1,20 bis 1,25 sei für die Industrie gut verkraftbar, solange sich keine Tendenz in Richtung 1,30 abzeichne, so Helmenstein. Gestützt durch eine stabile Entwicklung des Euro-Außenwertes konnten vor allem die Auslandsaufträge stärker zulegen. So verbesserte sich der Saldo der Gesamtauftragsbestände gegenüber dem Vorquartal von plus 33 auf plus 50 Punkte. Die Komponente der Auslandsaufträge stieg von 27 auf 47 Punkte. Mit dieser Entwicklung übertreffen die dezeitigen Gesamtauftragsbestände sogar die während der letzten Hochkonjunkturphase im Jahr 2000 erreichten Werte

Eine Reihe von Unternehmen, so Helmenstein, dürften bereits ihre Kapazitätsgrenzen erreicht haben. Dies könnte im Laufe des Jahres zu einer verstärkten Investitionstätigkeit führen. Insgesamt gebe es derzeit keine Anzeichen, dass der robuste Aufschwung nicht anhalten könnte.

Nach oben weist auch die Einschätzung der Ertragslage für die kommenden sechs Monate. Der Wert drehte von minus 5 Punkte im Vorquartal auf plus 7 Punkte im letzten Quartal 2005. Die derzeitige Ertragslage wurde bei einer Steigerung von plus 13 auf plus 18 Punkte nur leicht besser eingestuft.

Das diskutierte Mittelstandspaket halten "wir für richtig", so Beyrer. Er würde begrüßen, wenn das Paket nicht erst in der nächsten Legislaturperiode komme. Man werde das Paket in seiner Gesamtheit beurteilen. Wichtige Punkte für die Industrie seien unter anderem die Erbschafts- und Schenkungssteuer bei Betriebsübergaben, die Abschaffung der Gesellschaftssteuer, Verfahrenskonzentration.

Begrüßen würde die Industrie auch die Absetzbarkeit von Spenden. Laut einer Umfrage würden 78 Prozent der Unternehmen in diesem Fall großzügigere Summen zur Verfügung stellen.

(apa)