In Stockholm wurde City-Maut eingeführt:
Ein bis zwei Euro für Fahrten in Innenstadt

Zwei Drittel der Stockholmer lehnen Gebühr ab Autos mit ausländischen Kennzeichen ausgenommen

In Stockholm wurde City-Maut eingeführt:
Ein bis zwei Euro für Fahrten in Innenstadt

Autofahrer in der schwedischen Hauptstadt Stockholm müssen ab sofort Mautgebühren für Fahrten in der Innenstadt entrichten. Am Dienstag um 6.30 Uhr wurden 162 Kameras an 18 Kontrollstationen in Betrieb genommen, die die Kennzeichen aller Autos registrieren. Künftig werden werktags bis 18.30 Uhr Gebühren zwischen umgerechnet einem und zwei Euro fällig. Autos mit ausländischen Kennzeichen sind von der Maut ausgenommen.

Überwiegend missmutig und vereinzelt sogar mit Sabotage haben die Stockholmer auf die Einführung der City-Maut reagiert. Wie die Polizei der schwedischen Hauptstadt mitteilte, versuchten Unbekannte in der Nacht erfolglos, eine der 18 Mautstationen vor der Inbetriebnahme um 6.30 Uhr in Brand zu setzen. Der Verkehr auf den Einfallstraßen in die fast völlig von Wasser umgebene Stockholmer City floss vorerst normal. Ein erster Belastungstest folgt am Montag, wenn die Schulferien zu Ende sind. Nach Oslo und London hat Stockholm als dritte europäische Hauptstadt ein Mautsystem für Autos in der Innenstadt eingerichtet.

Die sozialdemokratische Stadtverwaltung Stockholms will mit der "Drängelsteuer" ("Trängselsskatt") das hoffnungslose Gedränge von Autos auf den Einfallstraßen um bis zu 20 Prozent vermindern. Um Pendlern den Umstieg auf Bus oder Bahn zusätzlich schmackhaft zu machen, wurden 14 neue Buslinien eingerichtet, es fahren auch deutlich mehr U-Bahnen und Nahverkehrszüge. Außerdem hat die 750.000 Einwohner-Stadt Gratisparkplätze bei Vorortbahnhöfen geschaffen.

Die Kosten für den Testlauf betragen 3,8 Milliarden Kronen (400 Millionen Euro). Bei einem Referendum am 17. September entscheiden die Stockholmer parallel zu Kommunal- und Reichstagswahlen selbst, ob die Maut eine Dauereinrichtung werden soll. Bei aktuellen Umfragen vor Beginn des Tests sprachen sich mehr als 60 Prozent der befragten Stockholmer gegen die Maut aus.

In Österreich gehen die Meinungen über eine City-Maut in Großstädten auseinander. Das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) hält die Straßenbenützungsgebühr für "eine äußert wirksame Methode", um den Straßenverkehr zu reduzieren. Der ÖAMTC erteilte dem Konzept hingegen eine deutliche Absage. Die City-Maut sei "absolut ungeeignet" und eine "ungerechte, rein fiskalische Maßnahme zum Stopfen von Budgetlöchern".

In Wien werde es "in absehbarer Zeit" keine City-Maut geben, stellte am Dienstag Andreas Schieder, Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Wiener Gemeinderates, klar. "Das in Wien eingeschlagene System der maßgeschneiderten Parkraumbewirtschaftung bewährt sich, eine City-Maut ist daher nicht notwendig." (APA/red)