Immer brutalere Gewalttaten im Irak: 30 Tote bei Massaker durch Aufständische

Mindestens 15 Tote bei Selbstmordattentat in Bagdad Italien will Truppen bis Jahresende abziehen

Irakische Sicherheitskräfte haben nördlich von Bagdad am Donnerstag die Leichen von 30 Menschen entdeckt, die von Extremisten ermordet worden waren. Wie aus Armeekreisen in Tikrit bekannt wurde, sind die Opfer mehrheitlich irakische Polizisten, Soldaten und andere Staatsdiener. Ihre Mörder hätten ihnen die Augen verbunden und sie aus nächster Nähe erschossen. Die Leichen wurden in einer einsamen Region nahe der Ortschaft Al-Mushahada gefunden.

Italien kündigte unterdessen den Abzug seiner noch 2600 Soldaten im Irak bis Ende dieses Jahres an. Verteidigungsminister Antonio Martino sagte am Donnerstag in Rom, bereits im Juni sollten 1000 Soldaten nach Italien zurückkehren. Rom hatte bis zu 3000 Mann im Irak stationiert.

Ein Überlebender des Massakers von Al-Mushahada berichtete der Polizei, die Aufständischen hätten ihn und seine Mitreisenden entführt und in ein leeres Haus gebracht. Dann hätten sie in die Menge geschossen. Der Mann aus Samarra sagte, er sei von einem Schuss in die Schulter getroffen worden und sei so lange unter den Leichen der anderen liegen geblieben, bis die Mörder verschwunden seien. Außer ihm habe noch ein weiterer Mann überlebt, sagte Polizeihauptmann Taha al-Samarrai. In dem Gebiet von Al-Mushahada, etwa 50 Kilometer nördlich von Bagdad, sucht die Polizei noch nach weiteren Männern, die sich zum Polizeidienst gemeldet hatten, und die in der Region verschwunden sind.

In Bagdad kamen am Donnerstag mindestens 15 Menschen ums Leben, als sich ein Selbstmordattentäter mit einem Sprengstoffgürtel in der Nähe einer Teestube in die Luft sprengte. Gleichzeitig explodierte ein Sprengsatz, der in der Nähe unter einem Auto platziert war. Der Nachrichtensender Al-Arabiya sprach von bis zu 22 Toten. Nach Angaben des staatlichen Senders Al-Irakiya wurden 27 Menschen verletzt.

Augenzeugen berichteten unterdessen von zwei Angriffen auf Patrouillen des britischen Militärs in der südirakischen Hafenstadt Basra. Die britische Armee in Basra bestätigte die Berichte zunächst nicht. Im nordirakischen Ort Beji wurde ein irakischer Journalist von Extremisten angegriffen und schwer verletzt. Nach Polizeiangaben schossen Unbekannte auf Saad al-Kaisi, den Chefredakteur der Wochenzeitung "Al-Mustaqbal", als dieser aus seinem Auto stieg. Irakische und amerikanische Soldaten töteten bei einem Gefecht mit Aufständischen in Diwaniya zwei Rebellen und nahmen 22 Verdächtige fest.

(apa/red)