Es ist 11:30 Uhr Ortszeit. Unser Flieger setzt zur langgezogenen Kurve entlang der Küste an, während sich die Stadt einige hundert Meter unter uns wie ein mattgläserner Teppich ausbreitet. Besonders imponiert der Hafen, der schier endlos scheint und das Stadtbild aus der Luft maßgebend prägt. Wir landen. Die Temperatur ist gemäßigt, das Treiben am Flughafen hektisch aber geordnet. Es dauert nicht lange, und schon haben wir jene Buslinie ausfindig gemacht, die uns nach North Point in unser Hotel bringt.
Der Transfer ist beeindruckend. Nicht nur, dass die Fahrt zunächst am Hafen vorbeiführt und dessen Ausmaß jetzt erst so richtig zur Geltung kommt, versetzen einem die monströsen Skyscraper ab der Stadtgrenze in demütiges Staunen. Die Tatsache, dass der Bus aus österreichischer Sicht die ganze Zeit über auf der falschen Fahrbahn unterwegs ist, verliert angesichts der überwältigenden Impressionen an Bedeutung.
Wir steigen aus und checken im Harbour Plaza North Point ein. Was uns zuvor am Flughafen und später im Bus aufgefallen ist, bestätigt sich an der Rezeption erneut: die Menschen sind durchwegs freundlich und hilfsbereit. Unser Zimmer liegt oberhalb des 20. Stocks, was sich auf Grund des regen Verkehrs in der Nacht als großer Vorteil erweisen wird. Es ist geräumig und mit einem luxuriösen Bad ausgestattet perfekt, um nach der zermarternden Reise etwas Energie zu tanken.
Wehe dem, der spuckt
Dank der ausgezeichneten Lage unseres Hotels sind die wichtigsten Hotspots in nur wenigen Bim-Stationen erreichbar. Oder besser "Ding Ding"-Stationen, denn so werden die doppelgeschossigen Straßenbahnen von den Hong Kong Chinesen liebevoll genannt. Wir nehmen unseren Platz im ersten Stock oberhalb der Fahrerkabine ein und wundern uns kurz über das Infoschild im Wageninneren: "Spucken verboten". Dem Gebot bereitwillig folgeleistend, genießen wir diese preisgünstige Art der Stadterkundung und steuern in Richtung Ferry Pier, von wo aus wir per Boot nach Kowloon übersetzen möchten.
Auch die Fährenfahrt ist im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend. Mittlerweile dämmert es. Die Skyline von Hong Kong Island erstrahlt in einer Weise, wie man es sonst nur von kitschigen Weitwinkelbildern kennt, die in heimischen Möbelhausketten feilgeboten werden. Immerhin blicken wir auf die größte Wolkenkratzerdichte der Welt. Im Stadtteil Kowloon angekommen, besuchen wir den bekannten Night Market und laben uns an der vielgerühmten chinesischen Küche, die im Übrigen nur sehr entfernt an Österreichische Chinarestaurants erinnert. Danach geht's auch schon wieder zurück ins Hotel - per MTR, einem der modernsten U-Bahnsystemen unseres Planeten.
The Peak, I love you
Am zweiten und somit letzten Tag in der Stadt der Superlative bereisen wir den Victora Peak, der von einer betagten Standseilbahn erschlossen ist. 552 m über dem Meer bietet sich ein spektakulärer Ausblick auf die City. Besonders das International Commerce Center, das zu den zehn höchsten Gebäuden der Welt zählt und beinahe so hoch ist wie der Peak selbst, erhebt sich majestätisch gen Himmel.
Wieder back in Town, durchqueren wir den prächtigen Hong Kong Park und erkundigen uns nach einem deliziösen Dimsum-Restaurant. Wir werden ins Star Seafood-Restaurant gelotst und rasch stellt sich heraus, dass es bekömmlicher ist, den Ratschlägen der Einheimischen zu vertrauen als die Speisekarte auf eigene Faust zu entdecken. Gut gestärkt für den Weiterflug checken wir aus unserem Hotel aus und inhalieren beim Abschied ein letztes Mal eine Brise chinesische Gastlichkeit wohlwissend, dass eine ebensolche in heimischen Gefilden oft die Ausnahme denn die Regel ist.
Eine Nacht in Hong Kong
Hong Kong, Stadt am südchinesischen Meer, bis 1997 britische Kolonie. Mit rund 16.000 Einwohnern pro Quadratkilometer zählt die Sonderverwaltungszone an der Südküste Chinas zu den dichtbesiedeltsten Gebieten der Erde. Und doch wird das Leben vielerorts noch von jahrtausendealten Traditionen bestimmt. Ein Besuch lohnt in jedem Fall. Auch wenn man so wie wir bloß eine Nacht dafür Zeit hat. Voraussetzung: ein Hotel in Top-Lage und Entdeckergeist.
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