In Berlin Mitte fand am 29. Juli das erste Holi Open Air Festival in Berlin statt. Ganz nach dem indischen Vorbild wurde ausgelassen gefeiert und sich dabei gegenseitig mit buntem Farbpuder beworfen. Der Event fand nicht nur Anhänger.
Im Nachhinein sind die subkulturellen Verteidiger Berlins schwer am Diskutieren, ob die europäische Kommerzversion des indischen Holi im Rahmen eines Electro-Open-Air-Festivals als solche stehen bleiben kann.
Hater: "reine Geldmache"
Das wahllose Bedienen bei Subkulturen der Vergangenheit bis zur Gegenwart wird der
Hipster
-Bewegung immer wieder gerne vorgeworfen. Belächelt wird dabei vor allem, dass die gelebte Andersartigkeit schon alleine dadurch an Authentizität verliert. Die Festival-Doublette des Holi Open Air Festival in Berlin liefert neue Nahrung für Grundsatzdiskussionen.
Die Kritiker - im Jugendjargon auch "Hater" genannt - sprechen dabei von einer "kommerziellen Entweihung der spirituellen Grundgedankens" und von "reiner Geldmache". Und sicher: Der spirituelle Hintergedanken des originalen "Fest der Farben", nämlich ohne gesellschaftliche Schranken wie Kasten als gleichwertige Menschen den Frühling zu zelebrieren, spielt bei den Berliner Abklatsch keine Rolle. Den Fotos nach zu schließen, dürfte die Festival-Doublette vor allem eines gemacht haben: Spaß.
Countdown zur Farbschlacht
Bei kühlen Temperaturen und kurzen Regenschauern tanzten 3000 Besucher zu elektronischer Musik, ehe der gemeinsame Countdown gezählt wurde. Innerhalb von Minuten färbten sich die Gesichter und die Kleider der Teilnehmer in allen Farben des Regenbogenspektrums. Das gefärbte, wasserlösliche Maismehl wurde eigens aus Indien für den Event eingeflogen und für stolze zwei Euro pro 100-Gramm-Beutel verkauft. Das erste Holi Open Air Festival wird nicht das letzte gewesen sein: Es sind bereits weitere Events in Leipzig und Hamburg geplant.
Nachahmer auch in Utah
Ebenso wie das
Oktoberfest weltweit Nachahmer findet
, bleibt somit auch das indische Festival nicht verschont. Berlin übernimmt dabei nicht die Vorreiterrolle: Im amerikanischen Utah ist das Holi bereits ein alljährlicher Fixpunkt im Festivalkalender mit bis zu 80.000 Besuchern und auch in Malaysien und Nepal wird das Holi zelebriert.
Das indische Original findet jedes Jahr am Vollmondtag des Monats Phalguna (Februar/März) statt. Das Schönste an dem Frühlingsfest: An diesem Tag sind alle Schranken durch Kaste, Geschlecht, Alter und gesellschaftlichen Status aufgehoben. Die wichtigsten Zutaten für die irre Farbeschlacht Indiens: Farbpuder, Cannabis-Drinks und Prügelstäbe .
