Höchst unterschiedliche Reaktionen im Nahen Osten auf Sharons Todeskampf

Sorge bei Regierungen, Jubel bei militanten Gegnern

Ariel Sharons Ringen mit dem Tod hat in der arabischen Welt ein unterschiedliches Echo hervorgerufen: Während bei den Regierungen am Donnerstag Sorge um den Friedensprozess im Nahen Osten durchklang, schwankten militante Gegner des israelischen Ministerpräsidenten zwischen Jubel und Hass.

Der palästinensische Ministerpräsident Ahmed Korei zeigte sich in "großer Sorge" und wünschte Sharon "rasche Genesung". Sharons Tod würde "ein großes Vakuum in Israel hinterlassen", sagte Korei in Ramallah. "Die Israelis werden den Anführer und den Entscheider Sharon vermissen." Der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas rief in Sharons Büro an, zeigte sich ebenfalls besorgt und wünschte schnelle Genesung. Chefunterhändler Saeb Erekat drückte die Befürchtung aus, Sharons Tod könnte eine Eskalation der Gewalt zwischen Israelis und Palästinensern auslösen.

Iranischer Präsident Ahmadinejad hofft auf Tod Scharons
Der für seine antiisraelischen Äußerungen bekannte iranische Präsident Mahmoud Ahamdinejad hofft, dass der schwer erkrankte israelische Ministerpräsident Ariel Sharon stirbt. Dahingehend zitierte ihn am Donnerstag die iranische Nachrichtenagentur ISNA. "So Gott will ist es wahr, dass der Mörder von Sabra und Shatila sich zu seinen Ahnen gesellt hat, und so Gott will werden es auch die anderen (an dem Massaker Beteiligten)", sagte Ahmadinejad den Angaben nach in einer Rede am Donnerstag in der den Schiiten heiligen Stadt Qom südlich von Teheran.

Ahmadinedschad bezog sich dabei auf ein von libanesischen Christen-Milizen ausgeübtes Massaker in den palästinensischen Flüchtlingslagern Sabra und Shatila (Beirut) im Jahre 1982, bei dem Hunderte Palästinenser ums Leben kamen. Sharon war damals Verteidigungsminister. Eine israelische Kommission machte ihn für das Blutbad mitverantwortlich, daraufhin musste Sharon seinen Posten räumen.

Libanon bleibt zurückhaltend
Die libanesische Regierung gab sich zurückhaltend: "Ob er stirbt oder nicht - was uns interessiert, ist, dass die Region zu einer friedlichen Lösung kommt, die alle Probleme regelt", sagte Außenminister Faouzi Salloukh in Beirut. Ägyptens Regierung wollte Sharons Zustand nicht kommentieren, solange Staatspräsident Hosni Mubarak außer Landes weilte. Mubarak, der wie Sharon im eigenen Land als Held des Yom-Kippur-Krieges von 1973 gilt, hatte seinen langjährigen Feind zuletzt wegen Israels Abzug aus dem Gaza-Streifen als "tapfer und mutig" gewürdigt.

Hamas: "Naher Osten ohne Sharon "besserer Ort"
Der Nahe Osten sei ohne Sharon ein "besserer Ort", sagte der Sprecher der radikalen Palästinenserorganisation Hamas, Sami Abu Zuhri. "Sharons Schicksal ist ein göttlicher Eingriff, der Despoten und Übeltätern vorbehalten ist." Die Welt sei dabei, sich eines der "Hauptführer des Bösen auf der Erde" zu entledigen. Die Organisation "Islamischer Heiliger Krieg" (Jihad Islami) erklärte, ihre Kämpfer würden Sharon "nicht vermissen". "Gott hat genug von Sharon, dem Peiniger von Sabra und Shatila, und befreit die Welt von ihm", sagte Jihad-Chef Khaled al-Bach in Anspielung auf die Massaker in zwei Beiruter Palästinenser-Flüchtlingslagern nach der israelischen Libanon-Invasion 1982.

Vielen Palästinensern ist Sharon wegen seiner Rolle als damaliger Verteidigungsminister und langjähriger Befürworter der israelischen Siedlungen in den Palästinensergebieten verhasst. Er bedaure, dass sich Sharon nun wohl nicht mehr vor Gericht verantworten müsse, sagte Taleb Okla, der im September 1982 bei dem Massaker in Sabra und Shatila neun Familienmitglieder verloren hatte. Okla hatte Sharon vor Jahren in Belgien verklagt.

Jugendliche jubeln über Zustand Sharons
In der Stadt Rafah im Gaza-Streifen versetzte die Aussicht auf Sharons Tod Jugendliche in Freudentaumel: "Wir sind glücklich, weil Sharon ein Mörder war!", sagte der Präsident des Jugendparlaments, Abdelrauf Barbakh von der Fatah-Bewegung. "Und wir hoffen, dass er so schnell wie möglich verschwindet." Die Jugendlichen verteilten zur Feier des Tages Schokolade. In Rafah hatte es einige der schwersten Zusammenstöße während der im Jahr 2000 begonnenen zweiten Intifada gegeben.

Unbekümmert zeigten sich die Moslembrüder als größte Islamistenorganisation in Ägypten: Israels Politik, "Palästinenser zu ermorden" und "Siedlungen zu errichten", werde auch ohne Sharon weiter gehen. Sharons Gesundheitszustand kümmere die Moslembrüder überhaupt nicht, sagte der stellvertretende Führer der Organisation, Mohammed Habib.

Israelische Rechtsextremisten feiern Party
Israelische Rechtsextremisten haben am Donnerstag eine Party anlässlich der schweren Erkrankung des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Sharon gefeiert. Wie die Internetzeitung "Ynet" berichtete, lud der Siedler Itamar Ben Gvir in Hebron im Westjordanland etwa 20 Gleichgesinnte zu der Feier.

"Der Ministerpräsident plante einen zweiten Rückzug (nach dem Gazastreifen, Anm.) und wollte die Juden aus Hebron vertreiben. Die, die das Land Israel verletzen, werden durch das Land Israel verletzt werden", erklärte Ben Gvir.

In Hebron leben 500 Siedler inmitten von 140.000 Palästinensern und müssen von der israelischen Armee mit großem Aufwand geschützt werden. (apa/red)