Historischer Doppelsieg: Die ÖSV-Adler haben ihr "Einzel-Trauma" jetzt abgelegt!

Direktor Innauer: "Haben mit Gespenstern gekämpft" Morgenstern jüngster ÖOC-Olympiasieger aller Zeiten

Kein Einzel-Weltmeister-Titel seit Heinz Kuttin 1991, kein Olympia-Gold seit Ernst Vettori 1992. Bei Großereignissen waren Österreichs Skispringer (ausgenommen Skiflug-WM) bis zum 18. Februar 2006 in den Einzelbewerben wahrlich keine Medaillen-Garanten. Zwei Silber- und drei Bronzemedaillen bei sieben Weltmeisterschaften, davon einige Titelkämpfe ohne Edelmetall; 1994 und 1998 jeweils einmal Bronze, 2002 der "salto nullo" - das war die magere Einzel-Ausbeute bei den vergangenen drei Olympischen Spielen.

In gewisser Weise lag schon ein "Fluch" auf der österreichischen Mannschaft, zu oft herrschte Rätselraten in der ÖSV-Führung. Mit dem sensationellen Doppelsieg einer neuen Springer-Generation mit dem 19-jährigen Thomas Morgenstern und dem 21-jährigen Andreas Kofler wurde diese Negativserie endlich beendet.

"Wenn du einmal eine schlechte Phase hast, dann wird das zur Bedrohung, dann kämpfst du mit Gespenstern. Du kämpfst nicht nur mit dir selber, sondern auch mit dem, was die Journalisten am nächsten Tag wieder fragen und es wird schwieriger", erinnerte der langjährige Nordische Direktor für Skispringen und Nordische Kombination, Toni Innauer, im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur an diese Zeit.

Umso glücklicher war er über den Ausgang auf der Olympischen Großschanze in Pragelato, der mit nur 0,1 Zählern Vorsprung nicht nur den knappsten Vorsprung in einem olympischen Springer-Einzelbewerb gebracht hat: Thomas Morgenstern hat sich mit seinen 19 Jahren zum jüngsten österreichischen Olympiasieger überhaupt gekürt.

Morgenstern soll "an Persönlichkeit weiterarbeiten"
Eine Gefahr, dass man so einen Erfolg in so jungem Alter verkraftet? "Seine Persönlichkeitsentwicklung ist im Laufen. Es macht es sicher nicht unbedingt einfacher, dass er jetzt Olympiasieger ist. Aber er weiß auch, dass er Glück gehabt hat", sprach Innauer den hauchdünnen Vorsprung an. "Er soll sich dem als würdig erweisen und an seiner Persönlichkeit weiterarbeiten, weil da gibt's noch Bessere. Skispringerisch gibt's wenig Bessere."

Die Bilanz zusammen mit den Kombinierern steht vor den letzten beiden Bewerben bei zweimal Gold und zweimal Silber. Schon jetzt ein toller Erfolg: "Das ist sicher eine Riesenbilanz. Ich denke jetzt nicht ans Mannschaftsspringen, genauso wie es mir unmöglich war, nach der Niederlage auf der Normalschanze die Zuversicht zu fassen eine Stunde später, dass wir auf der Großen irrsinnig stark sein werden." Aber man werde versuchen, den Schwung für den Teambewerb zu nützen. "Wenn der Wagen einmal im Rollen ist, braucht man nicht so stark anschieben."

"Wir sind viel weiter gewesen"
Die Rückkehr auf das oberste Treppchen beim größten Ereignis für einen Sportler ist auch für das Skispringen sehr wichtig, mit dem vierten Olympia-Gold (alle im Einzel) haben die Adler wieder mit den ÖRV-Rodlern gleichgezogen. "Ich glaube, dass es für unser Standing in Österreich eine wichtige Sache war, vor allem mit diesen jungen Leuten, die eine völlig neue Generation darstellen. Wir sind viel weiter gewesen, als wir öffentlich auch hinübergekommen sind, aber es ist halt das Grundprinzip des Leistungssports: Wenn du keinen Erfolg hast, so gute Verkäufer sind wir dann alle nicht, dass dann alle in Hysterie ausbrechen, wenn nicht so was wie heute passiert."

Der Doppelsieg von Willingen vor Olympia hat Morgenstern und Andreas Kofler sicher Kraft gegeben. "Es war eine Wiederholung und es war sehr schön, dass die Beiden nebeneinander oben gesessen sind. Das ist was anderes als wie wenn ich zwischen einem Ljökelsöy, Malysz und Ahonen eingeklemmt bin als junger Hupfer. Zu zweit waren sie sicher ein bisserl stärker." Für die Zukunft erwartet der Olympiasieger von 1980, dass sie "mit den Medaillen, die sie jetzt daheim in den Schrank stellen können", stabilisierter sind.

(apa/red)