Helfershelfer von Mladic geschnappt: Er
soll Infos über das Versteck ausplaudern

Mutmaßlicher Kriegsverbrecher wird weltweit gesucht

Einer der wichtigsten Helfershelfer des seit Jahren untergetauchten mutmaßlichen Kriegsverbrechers Ratko Mladic ist verhaftet worden. Es handle sich um den pensionierten serbischen Oberst Jovo Djogo, berichteten die Zeitungen in Belgrad. Er gelte als eine der Schlüsselfiguren bei der Flucht des früheren Militärchefs der bosnischen Serben.

Die Polizeibehörden erwarteten von Djogo entscheidende Informationen, wo sich Mladic versteckt hält, hieß es weiter. Bisher schweige der Offizier jedoch.

Mehr als zehn Jahre nach dem Ende des Bürgerkrieges in Bosnien-Herzegowina (1992-1995) wird für Belgrad die Zeit knapp. Die Europäische Union hatte gedroht, die gerade erst aufgenommenen Verhandlungen über die weitere Annäherung an Brüssel auszusetzen. Die Chefanklägerin des UNO-Kriegsverbrechertribunals, Carla Del Ponte, hatte eine neue Frist bis Ende Februar gesetzt.

Belgrad will für Verhaftung Mladics Fristverlängerung Der stellvertretende serbische Ministerpräsident, Miroljub Labus, will nach eigener Darstellung in der kommenden Woche bei der Europäischen Union in Brüssel eine Fristverlängerung für die Verhaftung Mladics erreichen. "Ich versuche, eine Verlängerung der Frist für die Auslieferung von Mladic um einige Tage zu erreichen, damit unsere Behörden ihre Aufgaben zu Ende bringen können", sagte Labus der Belgrader Zeitung "Danas".

In der kommenden Woche soll ein Bericht der serbischen Armeeführung über Verbindungen von Offizieren zu dem Flüchtigen veröffentlicht werden, meldete die Zeitung "Blic" am Samstag. Darin werde der aktive Offizier Branislav Puhalo erwähnt. Der Mann war bis November 2005 berechtigt, die Pension Mladics abzuheben. Daneben werde auf den überraschend frühzeitig pensionierten Obersten Dragomir Krstovic hingewiesen, der bis Ende 2002 für die Sicherheit von Mladic verantwortlich gewesen sei.

Mladic und der frühere bosnisch-serbische Präsident Radovan Karadzic gelten als die wichtigsten der sechs noch gesuchten Angeklagten des Tribunals. Beiden wird die Ermordung, Misshandlung und Massenvertreibung zehntausender Moslems zur Last gelegt.
(apa/red)