Happy Birthday, Wolferl: Weltweit Feiern zum 250. Geburtstag von Wolfgang Amadeus Mozart

Zahlreiche Festivitäten und Medienaufmerksamkeit PLUS: Sämtliche Informationen zum Mozartjahr 2006

Happy Birthday, Wolferl: Weltweit Feiern zum 250. Geburtstag von Wolfgang Amadeus Mozart

Die Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag von Wolfgang Amadeus Mozart haben am Freitag Abend und am Samstag auch ihre ersten kulturellen Höhepunkte gefunden. In Theater an der Wien stand am Freitag Abend die Premiere von "Idomeneo" am Programm, im Stephansdom dirigierte Bertrand Billy bei einem Festkonzert mit der "Krönungsmesse" das Radio-Symphonieorchester RSO Wien, und in Salzburg gab es im Großen Festspielhaus ein Konzert mit Riccardo Muti, den Wiener Philharmonikern, Thomas Hampson und Cecilia Bartoli.

International herausragend: In Paris polarisierte die "Don Giovanni"-Inszenierung des österreichischen Regisseurs Michael Haneke, in Prag wurde im Ständetheater die Tschechische Philharmonie unter dem österreichischen Dirigenten Manfred Honeck gefeiert.

Für eine stilistisch konventionelle Mozart-Interpretation stand in Salzburg das Festkonzert unter der Leitung Mutis, das zur Geburtsstunde des Komponisten über die Bühne ging und über dreieinhalb Stunden mit einem Aufgebot von Klassik-Stars wie Hampson, Bartoli, Gidon Kremer, Yuri Bashmet und Mitsuko Uchida sowie den Wiener Philharmonikern aufwartete. Auf dem Programm unter anderem: das Konzert in C-Dur für Klavier und Orchester KV 503, die Symphonie Concertante in Es-Dur KV 364, die Haffner-Symphonie in D-Dur KV 385 und Arien wie "Non temer, amato bene" KV 505.

Ganz anders Haneke in der Pariser Oper, wo sein "Don Giovanni" einen wahren Hexenkessel samt Buh-Orkan und energischen Bravo-Rufen entfachte. Der österreichische Film-Regisseur ließ sein Opern-Debüt in einer von Christoph Kanter detailgetreu entworfenen Lounge eines gläsernen Bürogebäudes inmitten von Hochhäusern spielen. Don Giovanni und Leporello sind darin kaltschnäuzige junge Managertypen, die schließlich von eingewanderten, unterprivilegierten Arbeitskräften zu Fall gebracht werden.

In der Mitte bewegte sich der "Idomeneo" im Theater an der Wien, wo Regisseur Willy Decker große und zurückhaltende Ideen einbrachte. Obwohl die Koproduktion auf Grund der Erkrankungen von Decker und Dirigent Seiji Ozawa unter keinem guten Stern stand (Peter Schneider bzw. Deckers Assistentin Karin Voykowitsch spangen ein), gab es soliden Applaus für das Sängerinnen-Triumvirat aus Angelika Kirchschlager, Genia Kühmeier und Barbara Frittoli. Neil Shicoff als Idomeneo musste dagegen auch vereinzelt Buh-Rufe einstecken.

Feierlich, getragen und mit Stolz wurde bei einem Festkonzert im Wiener Stephansdom mit dem Radio-Symphonieorchester RSO Wien unter der Leitung von Bertrand de Billy, dem Männerchor "Chorus Viennensis", den Wiener Sängerknaben sowie den Solisten Sandrine Piau (Sopran), Dieter Kerschbaum (Tenor) und Wolfgang Bankl (Bass) Mozarts gedacht. Zentraler Programmpunkt war die Missa brevis in C-Dur, genannt die "Krönungsmesse". Im Prager Ständetheater wiederum stand unter der Leitung Honecks die Ouvertüre zu"Don Giovanni", das Konzert A-Dur für Klarinette und Orchester sowie die Symphonie Nr. 38 D-Dur ("Prager Sinfonie") auf dem Programm. In Linzer Landestheater kämpfte man sich durch einen Acht-Stunden-Marathon mit der Oper "Die Entführung aus dem Serail" sowie der "Linzer Symphonie", KV 425, als Höhepunkte. In Berlin musste der Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper, Daniel Barenboim, nach einem Schwächeanfall ins Spital: Für die Mozart-Gala sprang sein Julien Salemkour ein.

Zudem gab es vor allem in Wien und Salzburg zahlreiche Veranstaltungen für das breite Publikum: Am Freitagabend lauschten beim Wiener Fest für Mozart trotz klirrender Kälte Hunderte Hörlustige den "Klangfusionen" auf dem Maria-Theresien-Platz. Auf reges Interesse selbst zu nachtschlafener Zeit stieß das neu adaptierte Wiener Mozarthaus, wo auch gegen 2.00 Uhr früh zahlreiche Besucher gezählt wurden. Noch bis Sonntag (20.00 Uhr) kann es durchgehend bei freiem Eintritt besucht werden.

In Salzburg fand am frühen Freitagabend auf dem Kapitelplatz das Geburtstagsfest für die Bevölkerung mit zahlreichen Konzerten und Lichtshow statt, rund 7.000 Menschen waren trotz der Kälte gekommen. Zur Geburtsstunde des Genius loci um 20.00 Uhr läuteten die Glocken in der Altstadt. "Happy Birthday, Mozart" hieß es ab 19.30 Uhr auch im Salzburger Landestheater. Großes Interesse fand die neue Ausstellung "Viva!MOZART", mit der das Salzburg Museum eröffnet wurde. Am Freitag Nachmittag war in Salzburg außerdem die erste interaktive Mozart-DVD präsentiert und im Wohnhaus des Komponisten die Ausstellung "Mozart in Verona" eröffnet worden. Am Samstag traten dann rund 1.500 Schüler und Lehrende der Salzburger Musikschulen in der gesamten Mozartstadt auf.

Wer daheim bleiben wollte, konnte sich im TV von Freitag früh bis Samstag früh "24 Hours Mozart" geben. Und wer gleich am Fernseher hängen bleibt, den erwartet am Samstag ab 20.15 Uhr in ORF und ZDF zwar keine Kultursendung, dafür aber "Wetten dass..." aus Salzburg.

Mit international hochkarätig besetzten Diskussionsrunden ging am Samstagnachmittag die erste Großveranstaltung unter österreichischem EU-Ratsvorsitz in Salzburg zu Ende. Drei Tage lang beteiligen sich über 300 Experten aus Politik, Kunst und Medien an der Konferenz "The Sound of Europe". Viel mehr als die von Regisseur Martin Kusej kritisierten "leeren Floskeln" "haben wir auch nicht zusammengebracht", resümierte Dirigent Franz Welser-Möst dabei selbstkritisch.
(apa/red)