Hamas: Mit Terror & Wohltätigkeit schaffte radikale Bewegung Sprung ins Parlament

Kampf gegen Korruption brachte ihr viel Zustimmung

Die radikale islamische Hamas ("Bewegung des Islamischen Widerstandes"), die aus den palästinensischen Parlamentswahlen offenkundig als stärkste Kraft hervorgegangen ist und das Existenzrecht Israels bestreitet, ist in den USA und der EU als terroristische Gruppe geächtet. Für viele Palästinenser ist sie aber auch eine Wohltätigkeitsorganisation, die hilft, wo die palästinensische Führung versagt. Ihren Wahlsieg vom Mittwoch dürfte sie großteils ihrem Kampf gegen Korruption und Vetternwirtschaft verdanken.

In ihrer Charta ruft die Gruppe zur Vernichtung Israels und zur Errichtung eines islamischen Staats vom Jordan bis zum Mittelmeer auf. In ihrem neuen Wahlprogramm tauchte diese Forderung zwar nicht mehr auf, ein Sprecher der Organisation bezeichnete dies jedoch ausdrücklich als taktischen Schritt. Zumindest nach außen bemühte sich die Hamas, bisher - zusammen mit dem "Islamischen Heiligen Krieg" (Jihad Islami), der die Eahl boykottierte - Israels unversöhnlichster Feind, zuletzt um ein gemäßigteres Image: Seit fast einem Jahr hat sich die Organisation weitgehend an eine Waffenruhe gehalten und Anschläge unterlassen. Seit 1993 hatte Hamas mit zahlreichen blutigen Terroranschlägen Hunderte von Israelis getötet.

Die Hamas entstand unter Führung des inzwischen von Israel "gezielt getöteten" Scheichs Ahmed Yassin kurz nach Beginn der ersten Intifada 1987 als Ableger der ägyptischen Moslembruderschaft. Durch Gründung von Kindergärten, Schulen und Suppenküchen gewann die Hamas Rückhalt vor allem bei armen Palästinensern und stieg schnell zur größten islamischen Bewegung auf. Besonders im Gaza-Streifen hat sie eine große Anhängerschaft.

(apa)