Halleneinsturz im polnischen Kattowitz:
Die Aufräumarbeiten haben begonnen

Vorerst ohne schweres Gerät, weitere Tote vermutet<br>Offizielle Zahl der Todesopfer wurde auf 64 korrigiert.<br>Gerettet: Österreicher hat sich selbst freigebuddelt. <b>BILDER:</b> Große Verzweiflung an der Unglücksstelle!

Halleneinsturz im polnischen Kattowitz:
Die Aufräumarbeiten haben begonnen

In der eingestürzten Messehalle von Kattowitz haben am Dienstag die Hilfskräfte mit der Beseitigung der Trümmer begonnen, ohne jedoch dafür schweres Gerät zu benutzen. Unter den Resten des am schwersten zerstörten Hallenteils könnten noch weitere Leichen liegen, hieß es im polnischen Rundfunk zur Begründung. Bisher waren nach dem Unglück vom Samstag 64 Tote geborgen worden, 140 Menschen wurden verletzt. Die Zahl der Vermissten verringerte sich auf fünf.

Für die Opfer sind in den kommenden Tagen Trauerfeiern geplant. Ob es eine gemeinsame Totenmesse für alle Opfer gibt, werde derzeit noch mit den Angehörigen diskutiert, berichtete der Rundfunk weiter.

Ehemalige Mitarbeiter der Messefirma erhoben in verschiedenen polnischen Medien schwere Vorwürfe gegen das Unternehmen. Schon vor Jahren habe es Schäden an der sechs Jahre alten Halle gegeben. So seien im Jahr 2002 während der Vorbereitungen auf eine Messe Risse im schneebedeckten Hallendach entdeckt worden.

Weiter Suche nach der Einsturz-Ursache
Inmitten der Aufräumarbeiten machten sich am Dienstag auch Gutachter daran, nach der Ursache für den Einsturz des Daches zu suchen. Zwei Gruppen von Technikern und Wissenschaftlern versuchten, sich durch das fast undurchdringliche Gemenge aus zerrissenen Kabeln, geborstenen Stahlteilen und zerstörten Messeständen zu arbeiten. Bereits am Montag hatte eine Untersuchungskommission von Staatsanwälten, Polizei und Feuerwehr ihre Arbeit aufgenommen.

Bauexperten überprüfen nun mögliche Konstruktionsfehler oder möglichen Materialverschleiß. Bislang wird vermutet, dass die Tonnen schwere Schneedecke auf dem Dach der Leichtmetallkonstruktion die Katastrophe zumindest auslöste. Als nahezu sicher gilt, dass schwere Sicherheitsmängel zur Tragödie beitrugen und die Notausgänge verschlossen waren. Die flüchtenden Hallenbesucher verloren wahrscheinlich wertvolle Zeit, weil sie die Türen gewaltsam einschlagen mussten.

(apa/red)