"Habe Tod ins Auge geblickt": Überlebender
Österreicher schildert Halleneinsturz in Polen

Eine Dachstrebe schützte Lutz Primes vor Trümmern

"Habe Tod ins Auge geblickt": Überlebender
Österreicher schildert Halleneinsturz in Polen

"Ich habe dem Tod ins Auge geblickt" - So lautete die erste Reaktion des einzigen Österreichers, der den Halleneinsturz im polnischen Kattowitz miterlebt hat, bei seiner Rückkehr am Sonntag. Lutz Primes, Präsident des Österreichischen Verbandes der Brieftaubenzüchter, wäre beinahe von den herabstürzenden Trümmern getroffen worden, wenn ihn nicht Dachstreben geschützt hätten, wie er Journalisten am Wiener Südbahnhof berichtete.

Der Einsturz ging blitzschnell, sagte Primes: Zunächst habe man ein Krachen gehört, in der nächsten Sekunde sah er bereits, "wie das oben aufreißt das Dach und herunterkommt". Der 66-jährige Burgenländer aus Neudörfl rettete sich mit einem Sprung zu einer Wand, als die Schneemassen und Trümmer auf die Halle einstürzten. "Ich war zugedeckt, nur hab ich hab das Glück gehabt, dass da eine Dachstrebe war, die das Wellblech abgehalten hat. Sonst hätte mich das erdrückt."

Dann herrschte "Stille", wie Primes schilderte: Zunächst habe er versucht, mit Klopfzeichen auf sich aufmerksam zu machen, was sich jedoch schnell als sinnlos entpuppte. Daneben habe er ständig Angst gehabt, dass die Wand hinter ihm doch noch nachgeben könnte. Nach mehrmaligem Probieren gelang es ihm schließlich, die Trümmer beiseite zu schieben. "Auf einmal seh' ich ein bissl ein Licht. Draußen war dann natürlich Chaos."

Zum Zeitpunkt der Katastrophe dürften rund 1.000 Menschen in der Halle gewesen sein, schätzte Primes. "Die haben ja nur das Riesenglück gehabt, dass das nicht zu Mittag passiert ist." Da waren die Preisverleihungen im vollen Gang, wobei rund 2.500 Besucher anwesend gewesen seien, schätzte der schwer geschockte Vogelzüchter.

"Scheinbar haben oben am First die Streben nachgegeben. Die Verbindungen sind geplatzt", versuchte Primes den Hergang zu rekonstruieren. "Das geht so schnell in Sekundenbruchteilen, du kannst nicht einmal nachdenken."

Besonders bitter für ihn sei es, dass er zahlreiche Bekannte unter den Opfern hatte. Einem polnischen Züchter, der neben ihm gestanden sei, habe es die Beine abgedrückt, sagte Primes, der sein Glück gar nicht fassen konnte. "Für mich ist das wie eine zweite Geburt. Ich glaube, ich hab einen guten Draht nach oben".
(apa)