Guy Delisle von

Israel: Gezeichnetes Land

Buchtipp der Woche: Humorvoll-lehrreicher Comic über ein Land und seine Konflikte

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    Aufzeichnungen aus Jerusalem von Guy Delisle. WEITER: Eine kleine Leseprobe

Der NEWS.AT-Buchtipp der Woche hatte schon alle möglichen Genres zum Thema, von politische Schriften bis zur Love-Story. Höchste Zeit, auch einmal einen Comic in die Reihe aufzunehmen. Was würde sich da besser eignen, als ein Graphic Novel von Guy Delisle, dem Zeichner aus Quebec, der zum Start der Leipziger Buchmesse sein neues Werk „Aufzeichnungen aus Jerusalem“ auf Deutsch veröffentlicht und damit wieder einmal genau ins Schwarze trifft.

Jeder, der schon einmal Israel besucht hat, wird bei der neuen Lektüre des kanadischen Comic-Zeichners Guy Delisle mehr als einmal herzhaft auflachen. Der ehemalige Trickfilmer hat erneut seine Frau, die für „Ärzte ohne Grenzen“ arbeitet, für ein Jahr in ihr Einsatzgebiet mitsamt den beiden Kindern begleitet. Dabei herausgekommen ist „Aufzeichnungen aus Jerusalem“, eine gleichzeitig lehrreiche, intelligente und witzige Beobachtung der Eigenheiten des Landes Israel sowie seiner Bewohner.

Ein geteiltes Land, geteilt durch zwei Religionen, die trotz aller Fanatiker gar nicht immer so unterschiedlich sind, wie es scheint. Streng bewachte bis unpassierbare Checkpoints, um – zumindest für einen Teil der Bewohner – von einem Teil des Landes in den anderen zu gelangen. Anschläge, die zwar nicht an der Tagesordnung sind, aber auch keine Seltenheit. Das alles ist Israel/Palästina und das alles klingt nicht gerade positiv oder gar humorvoll.

Spielerisch "lernen"
Guy Delisle schafft es - wie auch in seinen Vorgänger-Comics, in denen er seinen Lesern Orte wie Nordkorea („Pjöngjang“), Birma oder das chinesische Shenzhen näher brachte - auch dieses Land auf seine spielerische und einfache Art und Weise vorzustellen sowie einen Einblick zu gewähren – und das zumeist mit einem Augenzwinkern, wobei dieses Augenzwinkern niemals auf Kosten der Einwohner geht sondern meist auf jede des Autors. Dieser stellt sich gerne als Naivling dar, der wenig bis keine Ahnung von den Mentalitäten und Eigenheiten des Landes hat, in dem er gerade lebt. Und darin besteht auch der spielerische Zauber von Delisles Büchern. Denn gerade durch diese Naivität tun sich dem Autor, der die Story immer aus der Ich-Perspektive erzählt, die Fragen auf, die sich jeder stellt, der sich mit dem Land auseinander setzt, egal wie unpassend diese auch sein mögen. Dabei erweist sich Delisle auch als exzellenter Beobachter von Kleinigkeiten, nämlich genau jenen Kleinigkeiten die eben die Unterschiede ausmachen.

Unser Fazit: Mit „Aufzeichnungen aus Jerusalem“ bietet der Kanadier, der sich inzwischen im französischen Montpellier niedergelassen hat, wieder einmal in typischer Delisle-Manier einen fantastischen Einblick in ein Land, der sowohl für Kenner Israels als auch für bisher Unwissende empfehlenswert ist. Nach der Lektüre fühlt man sich, als hätte man das "heilige Land" ein Stück weit kennen und verstehen gelernt – und das noch dazu auf nette und humorvolle Art und Weise. Was will man mehr?

Mehr zum Buch und ein Interview mit dem Autor auf profil.at

Info:
"Aufzeichnungen aus Jerusalem" von Guy Delisle
Reprodukt Verlag
ISBN 978-3-943143-04-1
336 Seiten, farbig
Klappenbroschur: 29 Euro

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