Gutes Gefühl vor Rennen: Dorfmeisters "Kopfmännchen" prophezeiten Olympiasieg!

"Dorfi" musste gleich zweimal Doping-Wasser lassen Rücktritt unwiderruflich und ein Grund für Lockerheit

Klar ist man nach Olympia-Gold gut gelaunt. Nach der Damenabfahrt am Mittwoch in San Sicario gab es aber besonders viele heitere und seltene Momente. Siegerin Michaela Dorfmeister musste etwa gleich zwei Dopingtests absolvieren. Sie hatte so viel getrunken, dass der erste nicht "spezifisch genug" war. Die Pressekonferenz begann für "Dorfi" gar mit einem Lachkrampf.

Die Niederösterreicherin hatte wegen einer missglückten Übersetzung die Frage nicht verstanden. "Ich sage einfach mal irgendwas dazu", war ihre Reaktion. Dabei hatte ein Journalist nur wissen wollen, wie froh man über das Ende der Sieglosigkeit bei Olympia-Abfahrten sei. Heraus kam dann etwas in Richtung einer "jahrelangen Krise".

Aber die 32-jährige Niederösterreicherin löste das Problem alsbald und erklärte. "Wir waren ja nur bei Olympia so lange ohne Sieg, haben in dieser Zeit aber 14 Kristallkugeln gewonnen", meinte sie stellvertretend für das Damenteam und erklärte: "In Nagano waren wir noch eine junge, unerfahrene Truppe. Und in Salt Lake hatten wir einfach Pech."

Wichtiger war aber auch ihr an diesem Tag die Gegenwart, immerhin hatte die in Wien geborene Doppelweltmeisterin gerade endgültig den Weg vom "Flachland" zum Olymp geschafft. Dorfmeister ist nach Trude Jochum-Beiser, Christ Haas, Olga Pall und eben zuletzt Annemarie Moser-Pröll (1980) die erst fünfte Abfahrts-Olympiasiegerin aus Österreich. Die erste seit 26 Jahren.

"Das Gefühl war schon sehr gut"
Irgendwie sei sie schon sehr zuversichtlich in diese Olympia-Abfahrt gegangen, erzählte die Pernitzerin. "Es wäre zwar arrogant zu behaupten, ich hätte in der Früh schon gewusst, dass ich gewinne. Aber das Gefühl war schon sehr gut", gestand sie. Und präzisierte. "Die ganzen Zweifel der vergangenen Rennen war verschwunden. Ich war total positiv gestimmt und die vielen kleinen Männchen in meinem Kopf haben mir alle gesagt, dass ich heute gewinnen kann. Da war mir klar, dass ich an diesem Tag noch durch das Loch dieser Medaillen hier schauen werde."

Atomic-Raketen zündeten
Dank Dorfmeister und Antoine Deneriaz wurden beide Abfahrts-Goldmedaillen auf Atomic-Ski gewonnen. Was keine Überraschung ist, sind die im finnischen Besitz stehenden Salzburger doch gerade am Speedsektor extrem erfolgreich. Dorfmeister hatte vor der vergangenen Saison zu den Altenmarktern gewechselt und wird dort perfekt bedient, was der vorzeitig gewonnene Abfahrts-Weltcup beweist.

Servicemann Andreas Berger hatte ihr auch bei Olympia eine wahre "Rakete" hergerichtet. "Für uns alle ist das eine sehr emotionale Geschichte, weil die Michi in ihrer letzten Saison nun beide Ziele erreicht hat", sagte Atomic-Rennchef Rudi Huber. "Natürlich hat sie Raketen, aber am Tag X braucht man auch Glück", so Huber. Der Olympia-Bonus der Skifirma bleibt natürlich geheim, ist aber bekanntlich erklecklich.

Dorfmeister will jetzt auch im Super G am Sonntag voll angreifen, "denn auch da gehöre ich zu den Favoriten." Aber selbst Doppelgold wird nichts an ihrer Entscheidung, am Saisonende zurückzutreten, ändern. "Der Entschluss steht fest. Und ist auch ein wenig der Grund, warum ich in dieser Saison so besonders locker bin", sagte sie.

Am Ende hob Dorfmeister zu einem Plädoyer für sich selbst an. "Ich habe den ganzen Sommer auf diesen Tag hintrainiert und es erfüllt mich jetzt mit Stolz, dass ich den Druck und die Favoritenrolle ins Ziel gebracht habe. Es ist eine große Genugtuung, dass ich die richtigen Entscheidungen getroffen habe."

Dank ihrer Leistungen, aber auch dank vieler Schutzengerl und einer unglaublichen Reaktion ist sie bei Olympia überhaupt am Start: am 22. Jänner in St. Moritz hatte Dorfmeister bei der Kombinationsabfahrt nur knapp einen Horror-Crash mit einem Pistenarbeiter, der einen Funkspruch missverstand, verhindert.

(apa)