Gusenbauer-Attacke auf Haider: "Läuft nur frei rum, weil es offene Psychiatrie gibt!"

Ortstafel-Hickhack für SPÖ-Chef unverständlich BZÖ fordert sofortige Entschuldigung Gusenbauers<br>UMFRAGE: Können Sie BZÖ-Vorgehen verstehen?

Von einem deftigen Sager des SPÖ-Chefs Alfred Gusenbauer im Vorwahlkampf im Tiroler Reutte wird berichtet. Bei einer abendlichen Publikumsdiskussion im Gasthof Mohren habe Gusenbauer zur Frage Ortsttafelstreit in Kärnten gesagt: "Der Haider läuft nur noch frei herum, weil wir in Österreich die offene Psychiatrie haben."

Auf die Frage, ob die Tiroler Ortstafeln, auch bald umbenannt werden - "Wir haben ja im Raum Reutte einen so hohen Türkenanteil" - antwortete der SPÖ-Chef laut "Tiroler Tageszeitung": "Nein, in Kärnten handelt es sich um eine einheimische Minderheit, die seit Jahrhunderten hier lebt."

Scheuch: "Inakzeptabler verbaler Ausritt"
Natürlich hoch empört reagierte das BZÖ am Freitag auf den von der "Tiroler Tageszeitung" zitierten Sager des SPÖ-Vorsitzenden Alfred Gusenbauer über BZÖ-Chef LH Jörg Haider und die "offene Psychiatrie". Bündnissprecher Uwe Scheuch forderte in einer Aussendung eine sofortige Entschuldigung Gusenbauers, "ansonsten muss er zurücktreten".

Scheuch sprach von einem "inakzeptablen verbalen Ausritt in einem Stil, der an totalitäre Regime erinnere". Gusenbauer habe sich selbst offenbar nicht mehr im Griff.

Außerdem verlangte Scheuch eine klare Distanzierung der Kärntner SPÖ-Vorsitzenden und LHStv. Gabriele Schaunig-Kandut: "Das ist ein Angriff auf bedenklich tiefstem Niveau, der gegen Kärnten und dessen gewählten Landeshauptmann gerichtet ist."

Auch Gorbach fordert Entschuldigung Gusenbauers
Eine "adäquate Entschuldigung" von SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer beim Kärntner Landeshauptmann BZÖ-Chef Jörg Haider forderte Freitag Abend Vizekanzler Hubert Gorbach (B). Gusenbauer habe mit seiner Aussage über Haider und die "offene Psychiatrie" "den Boden des guten Geschmacks verlassen".

Diese Äußerung sei eines Vorsitzenden einer österreichischen Partei unwürdig - und habe "nicht einmal das Niveau einer Büttenrede auf einer Faschingssitzung", meinte Gorbach gegenüber der APA. Er forderte Gusenbauer auf, "in Zukunft auf im Umgang mit dem politischen Mitbewerber ein Mindestmaß an Höflichkeit zu bewahren".

"Skandalös" und "kärntenfeindlich" nannte der Kärntner LHStv. Martin Strutz (B) Gusenbauers Sager. Auch er forderte in einer Aussendung eine sofortige Entschuldigung, "ansonsten ist er rücktrittsreif". Für das steirische BZÖ ist Gusenbauer bereits rücktrittsreif: Der "Gipfel der Erträglichkeit einer politischen Diskussion" sei erreicht; Gusenbauer könne "nach allen Spielregeln der Politik noch heute seinen Hut nehmen", so der steirische BZÖ-Chef Gerald Grosz in einer Aussendung.

Bartenstein: "Unakzeptabel"
Als "unakzeptabel" hat Arbeitsminister Martin Bartenstein (V) die Aussage von SPÖ-Chef Alfred Gusenbauer über Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider (B) und die "offene Psychiatrie" bezeichnet. Bartenstein erklärte auf Anfrage der APA, sollte Gusenbauer diese Diktion verwendet haben, "dann disqualifiziert ihn das weiter als Kanzlerkandidat".

Dass der Gusenbauer-Angriff wegen des Verhaltens von Haider in der Ortstafelfrage gefallen sei, ist für Bartenstein kein Entschuldigungsgrund. "Egal, um welches Thema es geht. Diese Aussage ist im Ton und in der Sache völlig unakzeptabel."

Darabos: Wehleidige Reaktion des BZÖ unangebracht
SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos hat die "wehleidigen Reaktionen des BZÖ" auf die Aussage von Parteichef Alfred Gusenbauer über den Kärntner LH Jörg Haider als "völlig unangebracht" zurückgewiesen. Gusenbauer habe "berechtigte Kritik am Treiben Jörg Haiders in der Ortstafel-Frage" geäußerte, meinte Darabos Freitag Abend im SPÖ-Pressedienst. Dieses "Treiben" schade dem Ansehen Österreichs, dem Zusammenleben in Kärnten - und sei daher "sofort zu beenden".

"Niemand in Österreich kann verstehen, wieso für alle Menschen in diesem Land der Rechtsstaat gilt, aber Haider dauernd glaubt, außerhalb von Recht und Verfassung agieren zu können", erklärt Darabos. Er erinnerte an die "unflätigen Angriffe Haiders" gegen den Präsidenten des Verfassungsgerichtshofes. "Sonderbar" sei, dass die ÖVP in den "Chor der BZÖ-Wehleidigkeit einstimmt".

(apa/red)