"Groteske Fantasiepreise": FP-Chef Strache
gegem Rückkauf der fünf Klimt-Bilder

Preis zu hoch: "Abzocken lassen wir uns nicht!" Erben sollen "fällige Erbschaftssteuer abführen"<br>Kunsthistoriker fordern Rückkauf: "Der Preis ist fair"

Für FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz Christian Strache hat die Diskussion um die zu restituierenden Klimt-Bilder aus der Österreichischen Galerie Belvedere "mittlerweile ein Ausmaß an Lächerlichkeit erreicht, das nicht mehr tragbar sei". Die diskutierten Fantasiepreise seien grotesk, so Strache in einer Aussendung. Die österreichische Regierung solle unverzüglich allen Ankaufsplänen eine Absage erteilen, die Erben der Bilder sollten "die fällige Erbschaftssteuer abführen."

Die Republik habe "wirklich andere Sorgen", so Strache: "Wäre der Preis für die Bilder realistisch, könnte man darüber reden. Aber frotzeln und abzocken lassen wir uns nicht."

Kunsthistoriker fordern Rückkauf: "Der Preis ist fair"
In einem "Offenen Brief an die für den Kauf der Klimtbilder Verantwortlichen" fordert eine "Interdisziplinäre Plattform österreichischer KunsthistorikerInnen und RestauratorInnen" den Rückkauf der an die Bloch-Bauer-Erben zu restituierenden Werke. "Nichts Vergleichbares wird je noch auf den Kunstmarkt kommen", heißt es, "Der Preis ist fair, eine weitere Wertsteigerung absehbar. Kunstwerke von der Bedeutung der in Rede stehenden Klimtbilder sind eine bessere Wertsicherung als Gold. Einem Geschäftsmann, der sich eine solche Gelegenheit entgehen ließe, würde man grobe Fahrlässigkeit vorwerfen."

"Alle fünf Bilder sind Hauptwerke der europäischen Malerei, Gustav Klimt ist ein Künstler von Weltbedeutung. Der Wiener Jugendstil besitzt eine unangefochtene Stellung innerhalb der Weltkunstgeschichte. Die fünf Klimtbilder sind Inkunabeln dieser Stilrichtung, die 'Goldene Adele' ist ein Schlüsselwerk dieser Epoche. Der Vergleich mit der 'Mona Lisa' (Wolfgang Fischer) ist legitim. Der Verzicht auf die Bloch Bauer-Bilder wäre vergleichbar mit einem Verzicht der Holländer auf Rembrandts 'Nachtwache'", so der von den Kunsthistorikern Martina Pippal und Artur Rosenauer, dem Kunsthändler Herbert Giese, der Restauratorin Bettina Urban und der Chef-Kuratorin des Jüdischen Museums Wien Felicitas Heimann-Jelinek unterzeichnete Brief.

"Die Bilder ziehen zu lassen, hieße zugleich ein Stück österreichischer Zeitgeschichte - den Blick auf das Schicksal der jüdischen Familien während und nach der NS-Zeit - aus dem Blick zu verbannen. Nur die Präsenz der Bilder, begleitet von einer Dokumentation über den unrechtmäßigen Erwerb und die Restitution kann das Geschehene sichtbar machen", heißt es, "der österreichische Staat darf sich hier seiner Pflicht nicht entziehen." (apa/red)