Griechenland von

Was nun?

Wahlergebnis macht ratlos. Land droht nun steuerlose Fahrt in den Abgrund

Griechenland - Was nun? © Bild: Getty Images/AFP/Louisa Gouliamaki

Das Wahlergebnis macht die Griechen ratlos. Einerseits haben sie die etablierten Parteien abgestraft, die sie für die weit verbreitete Armut verantwortlich machen. Gleichzeitig beauftragten sie auch extreme und populistische Parteien damit, die neuen politische Landschaft mitzugestalten. Beim Blick auf das Ergebnis fragten sich viele Griechen jetzt: "Wie soll das eigentlich gehen?"

Zur Mitwirkung an der Regierung scheinen die neuen Polit-Stars, allen voran der Chef des Bündnisses der Radikalen Linken (SYRIZA), Alexis Tsipras (39), nicht bereit zu sein. So droht das Land inmitten der dramatischen Finanzkrise jetzt auch noch in eine Regierungskrise zu stürzen. "Der Alptraum der Regierungslosigkeit ist in Sicht", meint die Athener Zeitung "Ta Nea".

Regierungsgespräche vorerst gescheitert
Der von Staatspräsident Papoulias mit der Regierungsbildung betraute Parteichef der konservativen "Neuen Demokratie" (ND), Antonis Samaras, hat seine Sondierungsgespräche bereits nach wenigen Stunden für gescheitert erklärt. Er sehe sich nicht in der Lage, eine Regierung zu bilden, und müsse den Auftrag zurücklegen, erklärte Samaras am Montagabend in Athen. Es wird damit gerechnet, dass der Staatspräsident am Dienstag das Sondierungsmandat nunmehr dem Chef der zweitstärksten Partei, Bündnis der Radikalen Linken (SYRIZA), Alexis Tsipras, erteilen wird. Sollte dieser binnen drei Tagen ebenfalls scheitern, würde der Chef der Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (PASOK), Evangelos Venizelos, den Auftrag erhalten.

Auch schnelle Neuwahlen werden nicht ausgeschlossen. Das wäre aber Gift für die Wirtschaft, denn Investoren warten skeptisch ab. Und Athen läuft die Zeit davon. Schon Anfang Juni wollen die Geldgeber kontrollieren, was die Griechen mit den geliehenen Milliarden machen.

Die "Alleswisser da oben in den Regierungsgebäuden" hatten nach Ansicht des griechischen Ökonomen Nikos Wroussis etwas Wichtiges nicht begriffen: Seit drei Jahren drohen sie dem Bürger mit dem Staatsbankrott und fordern ihn auf, den Gürtel immer enger zu schnallen. "Du kannst aber einem, der ins Wasser gefallen ist, nicht damit drohen, ihn nass zu spritzen", sagt Wroussis.

"Wovor soll ich denn noch Angst haben?"
Viele Griechen erleben nämlich ganz konkret ihre persönliche Insolvenz oder die Pleite ihrer Familie. "Mein Vater ist arbeitslos, die Mutter ist krank, mein Bruder ist ausgewandert und versichert sind wir nicht mehr, weil niemand arbeitet. Wovor soll ich denn noch Angst haben", fragt Tzela Ioannidou, eine 20-jährige Architekturstudentin aus Athen. Sie will nach Australien auswandern. "Sobald mein Bruder dort Fuß gefasst hat", sagt sie.

Am Sonntag hatte das Wahlvolk das Wort. Als Antwort auf die Zerstörung der Mittelklasse, höhere Steuern, Telefon- und Stromrechnungen und auf Lohnkürzungen ohne Aussicht auf eine Wende kehrten sie Konservativen und Sozialisten in Scharen den Rücken. "Knallhart und ohne Pardon", beschrieb Ilias Mitsis, ein Imbissinhaber im Athener Stadtteil Vyron, das Abstrafen der etablierten Parteien. Die besonders schlimm dastehenden Arbeiter in den Armenvierteln von Piräus und Westathen wanderten hauptsächlich nach links.

Nichts geht mehr wie früher. Konservative (ND) und Sozialisten (PASOK), die eigentlichen Verantwortlichen der Vetternwirtschaft und Korruption, können weder alleine wie früher noch zusammen eine Regierung bilden. Dagegen vervierfachte SYRIZA seine Stärke von 4,6 auf 16,8 Prozent. Damit beendete die Linkspartei des ehemaligen Schüleranführers Alexis Tsipras das bisherige Zwei-Parteien-System.

Faschisten erstmals im Parlament
Die Sozialisten wurden mit 13,2 Prozent regelrecht gedemütigt. Die Konservativen bleiben als stärkste Kraft unter 19 Prozent. Schlimmer noch: Erstmals schaffte es die faschistische Goldene Morgenröte ins Parlament. Analysten führen das auf die unkontrollierbare Migrationswelle und das damit verbundene Hochschnellen der Kriminalität zurück.

"Was nun?" Die Frage lässt auch die Analysten ratlos. Die Bürger haben zwar ihre Wut rausgelassen, aber keine klare Antwort gegeben, wie das Land denn regiert werden solle. 77 Prozent wollen den Verbleib im Euroland, aber viele haben linke Parteien gewählt, die nicht wollen, dass Griechenland seine Schulden tilgt. "Hoffentlich haben wir mit unseren Stimmen kein Monster auf die Welt gebracht", sagte ein Rentner im Athener Stadtteil Patissia.

Kommentare

stabilis melden

Zwei Wege gibt es aus der Misere Der erste Weg bedeutet ein Zurück an den Start, geordnete Auflösung der Währungsunion und der EU Verträge, retour an den Start und in 1-2 Generationen von vorne.

Der zweite Weg bedeutet die Ursache des Übels zu bekämpfen, nämlich die nationalen Interessen die mit Geld der EU finanziert werden. D.h. wir brauchen ein noch stärkeres Europa mit einer Wirtschaft- und Fiskalpolitik, einem europ. Finanzminister. Dann funktioniert die EU auch.

Ich wäre für die Stärkung der EU, wäre gerne in einer Art "Vereinigte Staaten von Europa" zuhause und hätte kein Problem mit einer Verwaltung nach US Vorbild, nur eben europäischer!
Klar wird es hier Korruption geben, aber da muss man eben dagegen ankämpfen!

Ich möchte nicht mehr in einem Europa der Nationalstaaten leben, zurück zu den GRenzen etc.

Leo_56 melden

Re: Zwei Wege gibt es aus der Misere Halllloooo, denen ist doch das VOLK völlig egal!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Die 400 Mil. sind für die Banken und für die Wirtschaft die es verbockt haben!!!!!!
Die Großkopfigen haben nur Angst !! Und dafür ist die EU da diese zu retten! Das VOLK kann verecken!!!
DIE EU IST NUR FÜR DIE WIRTSCHAFT!!!! GEWINNE GEWINNE, INVESTIEREN, GELD UND MACHT!!!!
Und in Österreich läufts nicht anders!

Leo_56 melden

Re: Zwei Wege gibt es aus der Misere Bevor die Sachen billiger werden kann der Bürger verecken,hauptsache die Ölmulti machen Milliarden(und das schreiben sie auch noch aufs Titelblatt....kotz) gewinne und der Staat bekommt die Steuern dafür!!!!! um wieder alles zu verspekulieren!
WIE WEIT HABEN WIR ES WOHL GEBRACHT?!?!?!?
Jetzt sind wir im 21Jahrhundert und die Menscheit ist um nix Gscheiter geworden!!!
Aber leider liest dies niemand was hier geschrieben wird . Weil ihen das völlig egal ist wie sich das VOLK aufregt!!!!!!!!!!!!!!!!

_nein melden

Es ist wirklich Zeit für einen Austritt! Aber nicht von Griechenland, sondern von Österreich, Deutschland und den Skandinaviern. Die verbleibende EU, meinetwegen unter Führung des sozialistischen Frankreichs sollen dann schauen was sie mit ihrem Glückshafen anfangen.

christian95 melden

Da stimmt doch etwas nicht!!!! Europa schickt fast 400 Mrd. nach Griechenland, aber die Griechen sehen davon keinen Cent, haben so wie Spanien, Portugal, Italien und auch die Geberländer wie Österreich eine Rekordarbeitslosigkeit.

Früher wurden die Mrd. im eigenen Land investiert und damit Wohlstand und Arbeitsplätze geschaffen......

Wahltag ist Zahltag!

pusher23 melden

Re: Es ist wirklich Zeit für einen Austritt! Das denke ich auch, raus aus dem sinkenden Schiff oder mit untergehen. Aber solange wir solche Politiker wählen wird sich nichts ändern - und somit ganz klar: Untergang!

higgs70
higgs70 melden

Re: Es ist wirklich Zeit für einen Austritt! naja, ich war nie ein Fan dieser EU und den Wunsch nach Autonomie teile ich. Nur bin ich realistisch genug zu sehen, dass die Wahrscheinlichkeit hierfür äußerst gering ist und mir ein Zerfall der Eurozone und das damit verbundene Chaos keine hoffnungsvolle Lösung zu sein scheint. Und die Aufteilung von Nord-und Südeuro ist für mich genauso von Übel, weil wir auch dort der Schwanz sein werden, der mit dem Hund nicht wedeln kann.
Wir stehen mit dem Rücken zur Wand und dass wir heil und ohne allzugroßen Schaden zu nehmen aus der Sache rauskommen bezweifle ich ehrlich gesagt immer mehr..

Leo_56 melden

Re: Es ist wirklich Zeit für einen Austritt! Bevor die Sachen billiger werden kann der Bürger verecken,hauptsache die Ölmulti machen Milliarden(und das schreiben sie auch noch aufs Titelblatt....kotz) gewinne und der Staat bekommt die Steuern dafür!!!!! um wieder alles zu verspekulieren!
WIE WEIT HABEN WIR ES WOHL GEBRACHT?!?!?!?
Jetzt sind wir im 21Jahrhundert und die Menscheit ist um nix Gscheiter geworden!!!
Aber leider liest dies niemand was hier geschrieben wird . Weil ihen das völlig egal ist wie sich das VOLK aufregt!!!!!!!!!!!!!!!!

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