"Gottes Werk und..." von

Kirche geht auch billiger

Zwei Autoren kommen zum Schluss: Die Kirchenfinanzierung lebt vom Staat

Der Wiener Stephansdom bei Bacht © Bild: Thinkstock

Carsten Frerk und Christoph Baumgarten haben sich die Kirchenfinanzierung in Österreich angesehen. Die Ergebnisse, zu denen sie kommen, sind durchaus erstaunlich. Die katholische Kirche soll über ein Vermögen von mindestens 4,5 Milliarden Euro verfügen, weniger als zwei Prozent des Caritas-Budgets trägt die Kirche und nach Meinung der Autoren lassen sich in diesem Bereich 500 Millionen Euro jährlich einsparen. Kein Wunder, dass das nicht allen gefällt. Auf der katholisch-fundamentalistischen Nachrichtenseite Kreuz.net wurden die Autoren als "gottlose Satansjünger" bezeichnet. NEWS.AT traf den "gottlosen" Co-Autor Christoph Baumgarten zum Gespräch.

NEWS.AT: Wie fühlt man sich als gottloser Jünger Satans?

Christoph Baumgarten: Da musste ich selbst zuerst einmal schmunzeln. Da schienen manche mehr über mich zu wissen als ich selbst (lacht). Es war aber erfreulich, dass von offizieller Seite der katholischen Kirche sehr rasch betont wurde, dass das keine offizielle Kirchenposition ist.

NEWS.AT: Bezugnehmend auf das Buch: Die Katholische Kirche hat umfassende Daten offengelegt, als das bislang der Fall war. Seid ihr schon in der Lage gewesen, zu prüfen, was ihr von diesen Zahlen halten könnt?

Christoph Baumgarten: Im Wesentlichen ist das nichts Neues, sondern Dinge, die sich bereits im Buch finden. Es handelte sich aber nur um das Vorjahresbudget der Diözesen, die einen sehr geringen Teil des Gesamtbudgets der Kirche ausmachen. Aber es bestätigt unsere Recherchen über diesen Teil des Kirchenbudgets. Außerdem zeigte sich erstmals, dass die Aufwendungen der Katholischen Kirche für Renovierungen historisch wertvoller Bauten deutlich weniger ausmachen als die oft kolportierten 150 Millionen Euro.

NEWS.AT: Weshalb sind die Diözesen nur ein kleiner Teil der gesamten Kirchenstruktur?

Christoph Baumgarten: Es gibt noch den bischöflichen Stuhl bzw. das Bistum. Für uns ist das der letzte Rest des Feudalstaates in Österreich. Denn das ist quasi die Privatschatulle der Bischöfe. Über diese Mittel kann der Bischof mehr oder weniger freihändig verfügen. Nur vererben kann er es nicht. Es gibt die Ebene der Pfarren und Klöster, die ebenfalls eigenständige Rechtsträger sind. Vor allem manche Klöster wie beispielsweise Admont und Heiligenkreuz sind sehr wohlhabend. Auf der Ebene des Bistums ist Wien sicher am reichsten innerhalb der katholischen Kirche. Der Erzbischof von Wien kann sich durchaus einen fürstlichen Lebensstil leisten, wenn er das denn will.

»Kirchensubvention aus Fremdenbudget«

NEWS.AT: Gab es schon Stellungnahmen der katholischen oder anderer Kirchen zum Buch?

Christoph Baumgarten: Unserer Darstellung wird im Wesentlichen nicht widersprochen. Andererseits wird behauptet unsere Sichtweise sei verkürzt. Mein Eindruck wäre, dass man selbst noch nicht weiß, wie sie damit umgehen sollen.

NEWS.AT: Was war die Motivation für die lange Recherche zu diesem Buch?

Christoph Baumgarten: Wir haben uns schon lange mit der Finanzierung von Kirchenstrukturen beschäftigt. Auffällig war, dass die Kirchen immer damit argumentierten, so viel Gutes im Sozialbereich und Bildungsbereich zu tun. Unser Ziel war es, diese Behauptungen zu hinterfragen. Im Zuge der Recherchen zeigt sich dann, dass Vieles nicht so stimmt wie es behauptet wird.

NEWS.AT: Was waren die wesentlichsten Erkenntnisse des Buches?

Christoph Baumgarten: Am überraschendsten war, mit welcher Selbstverständlichkeit, vor allem auf kommunaler Ebene, gefördert wird. Offenbar je nach den herrschenden Mehrheitsverhältnissen. Generell bedeutet eine starke ÖVP eine höhere Kirchenförderung, aber auch in starken SPÖ-Gemeinden kommt das durchaus vor. Beispielsweise in Salzburg. Überraschend ist auch, aus welchen Mitteln Kirchensubvention betrieben wird. In Graz beispielsweise aus dem Fremdenbudget. Oder die Befreiung von der Campingabgabe in Tirol, beziehungsweise Investitionen in Ordensspitäler, die aus den Konjunkturförderprogrammen des Landes Oberösterreich bestritten werden. In Summe haben unsere Recherchen ergeben, dass 80 Prozent des Kirchlichen Apparates nur mit staatlicher Förderung aufrecht zu erhalten sind.

NEWS.AT: Gäbe es da ein Einsparungspotenzial?

Christoph Baumgarten: Der Religionsunterricht wäre für den heimischen Bildungssektor kein großer Verlust. Er kostet etwa 250 Millionen Euro pro Jahr, wovon nicht alles einsparbar ist, aber doch einiges. Aber auch die theologischen Fakultäten an den Unis wären ein Streichposten. Die Weisungsgebundenheit des Personals und die Forschungsschwerpunkte lassen die Frage stellen, was das an einer öffentlichen Universität verloren hat. Auch die konfessionellen pädagogischen Hochschulen ließen sich einsparen. Ein Einsparpotenzial wäre mittelfristig auch bei den konfessionellen Privatschulen denkbar. Bei allem gilt, dass sich die Kirchen das ja selbst finanzieren könnten, wenn es ihnen ein Anliegen ist. Ein Betrag von etwa 500 Millionen Euro und somit eine spürbare Entlastung des öffentlichen Haushaltes wäre insgesamt wohl denkbar. Im gemeinnützigen Bereich ist aber von einer Kostensteigerung auszugehen, dafür nimmt man aktuell einen ausgelagerten Sozialstaat in Kauf. Uns geht es aber weniger um ein Einsparungspotenzial, als darum aufzuzeigen welche Macht durch diese Konstruktion den Konfessionen gegeben wird.


NEWS.AT: Weshalb ist die konfessionelle Sozialarbeit günstiger?

Christoph Baumgarten: Das gilt auch für andere gemeinnützigen Organisationen. Freiwilligenarbeit spart einen Teil der Kosten, aber entscheidend wäre zu erfahren, ob die Freiwilligenarbeit überhaupt die sozialstaatlichen Bereiche der Arbeit umfasst. Auch die Kollektivverträge sind im Allgemeinen in diesen Einrichtungen kostengünstiger als im öffentlichen Dienst. Allerdings trägt die katholische Kirche weniger als zwei Prozent der Aufwendungen der Caritas.

»Größter privater Grundbesitzer Österreichs«

NEWS.AT: Laut euren Recherchen verfügt die katholische Kirche in all ihren Körperschaften über ein Vermögen von zumindest 4,5 Milliarden Euro. Was macht die Kirche mit dem Vermögen?

Christoph Baumgarten: Das ist die unterste Grenze, vermutlich liegt der Betrag noch deutlich höher. Auf Bankkonten veranlagtes Kapital konnten wir beispielsweise gar nicht ermitteln. Mit dem Kapital wird beispielsweise Grund und Boden angekauft und vermutlich auch Zinshäuser. Ohne Überschüsse wäre das nicht möglich.


NEWS.AT: Müssen denn keine Bilanzen erstellt werden, die dann öffentlich einsehbar sind.

Christoph Baumgarten: Die Kirchen sind die einzigen öffentlich-rechtlichen Körperschaften, die nicht bilanzieren müssen. Ursprünglich war das im Kirchenbeitragsgesetz vorgesehen, es ist aber der einzige Punkt dieses Gesetzes, der 1960 geändert wurde.

NEWS.AT: Ist die katholische Kirche der größte private Grundbesitzer Österreichs?

Christoph Baumgarten: In Summe ja. Wenn man alle unabhängigen Rechtsträger zusammenzählt, dann jedenfalls.

NEWS.AT: Euer Buch ist ohne Zweifel ein Sachbuch, das auf großes öffentliches Interesse stößt. Wirklich lukrativ kann die viele Arbeit doch trotzdem nicht sein, oder?

Christoph Baumgarten: Den Hauptteil der Kosten hat der Hauptautor getragen. Wir hoffen, dass in Summe diese Gelder wieder hereinkommen, aber reich werden wir nicht.

»Abschaffung der theologischen Fakultäten«

NEWS.AT: Sie sind ja auch Unterstützer des Kirchenprivilegien-Volksbegehrens, wie geht es dem Volksbegehren?

Christoph Baumgarten: Bis Jahresende ist noch Zeit, aktuell fehlen noch 200 bis 300 Unterstützungsunterschriften. Meine Hoffnung ist, dass das Buch hier nochmals einen Schub gibt, damit die Unterschriften zusammenkommen. Manche Forderungen aus dem Buch finden sich auch im Volksbegehren, beispielsweise die Abschaffung der theologischen Fakultäten, die Frage des Religionsunterrichts, oder der Gratis-Sendezeit für Religionsgemeinschaften im ORF.

NEWS.AT: Weltweit zeigen zahlreiche Befragungen, dass der Anteil der Atheisten an der Bevölkerung deutlich im Steigen begriffen ist. Auch in Österreich macht sich das immer mehr bemerkbar. Wie ist es da erklärbar, dass das Kirchenprivilegien-Volksbegehren sich so schwer tut auf 8.000 Unterstützungserklärungen zu kommen?

Christoph Baumgarten: Ein Grund ist sicherlich, dass das mediale Interesse am Volksbegehren nicht sehr groß war. Viele Menschen haben die Grundeinstellung, dass sie zwar mit der Kirche nicht mehr können, aber davon ausgehen, dass diese im Sozial- und Bildungsbereich sehr viel Gutes tun würden. Außerdem ist die atheistische und laizistische Szene in Österreich gerade dabei sich neu zu organisieren und dabei entstehen Reibungsverluste.

Das Buch „Gottes Werk und unser Beitrag“ – Kirchenfinanzierung in Österreich ist im Czernin Verlag erschienen.

Kommentare

Man kann nicht immer alles glauben.Außer man erfährt es am eigenen Leibe , wie die Kirche mit einem umspringt.Fazit: Ein gut gehender Betrieb auf Kirchengrund aufgebaut mit einem Pachtvertrag von 99 Jahren.Der Betriebsinhaber verstirbt.Die Kirche kündigt den Pachtvertrag - ruiniert den Betrieb.Die Familie muß wegziehen. Die Kirche verkauft Haus mit anschliessenden Betriebgebäude.Da im Wald gelegen alles aus Holz.Frau des Verstorbenen wird zur Bezahlung des abtragens der Gebäude und deren Abtransport herangezogen.!.) Nicht einhaltung des Pachtvertrages , 2.) Keine Spur von christlicher Nächstenliebe , sondern reine Profitgier. Nun ist die herrliche Parkanlage mit hunderten von Blumen wieder verwildertes Forstgebiet.
Die Kirche ist ein Finazimperium geworden- mit dem Deckmantel Gottes. Schade. Ich glaube an Gott aber nicht mehr an diese Kirche voll von Phariseern.

Sanjit F Seiei

Wenn der Glauben per se angegriffen wird, dann rücken die verschiedensten Glaubensbrüder in panischer Angst zusammen. Alleine diese historische Glanzleistung müssten sie uns Atheisten doch anerkennend zusprechen. Daher spielt es keine Rolle ob sie sich relativierend als evangelischen, muslimischen oder Anhänger des römisch imperialen Götterkults bezeichnen, Herr Dantine, Ihre Beweggründe sind klar

Michael Dantine

Ich frage mich, was mit diesem Buch wirklich bezweckt werden soll? Schliessung der theologischen Fakultäten, Streichung des Religionsunterrichtes, ...... was will man da? Soll die religiöse Erziehung abgeschafft werden, sollen keine Theologen/Pfarrer mehr ausgebildet werden dürfen, soll die Kirche abgeschafft werden, soll ........... ja, was eigentlich? Das geht aus diesem Interview nicht hervor!
Und ehrlich, ich glaube nicht sehr viel davon, was hier steht!
Und noch etwas: Wenn Sie von der KATHOLISCHEN Kirche reden und schreiben, dann sagen Sie das auch! Es gibt einen passus, in dem von "konfessionellen Privatschulen" gesprochen wird - also auch von nichtkatholischen?
Ich halte das Buch vielleicht für eine Denkarbeit, aber keinesfalls für Fachliteratur! Da will sich wer wichtig machen, sonst gar nichts! Alleine schon der Hinweis, dass die Restaurierungskosten nicht so hoch sind - sollen sich die Herren einmal überlegen, was diese Arbeiten kosten! Usw.
Diese Überlegungen trifft ein evangelischer Christ, der versucht, mitzudenken!

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