Glück im Unglück: Nur drei Verletzte bei einem Deckeneinbruch in Wiener Wohnung!

Sachverständiger: Tram in Holzdecke war angesägt

Es war wie ein Erdbeben, beschrieb der 59-jährige Mieter den Einsturz des Bodens in seiner Wohnung am Neujahrsabend in Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus. Der Mann befand sich mit seiner Frau und der zweijährigen Enkelin im Wohnzimmer, als die Decke des darunter liegenden Lagerraums eines Elektrogeschäfts nachgab. Bei dem Sturz in drei Meter Tiefe wurden sie leicht verletzt. Ein angesägter Tram, der am Montagvormittag als Mitursache des Unfalls genannt wurde, sei schon "vor Jahren" beschädigt worden, sagte Gerald Cech, Leiter der Wiener Baupolizei, am Montagnachmittag der APA.

Der tragende Balken sei nicht - wie zuerst vermutet - bei bei den derzeit laufenden Instandhaltungsarbeiten im Wohnhaus in der Mariahilferstraße 162 beschädigt worden. "Aller Wahrscheinlichkeit nach ist das schon einige Jahre her", erklärte Cech. Die Baupolizei ging am Nachmittag weiterhin davon aus, dass der zur Hälfte angesägte Tram am Einsturz Mitschuld hatte. Alleiniger Auslöser sei dies allerdings nicht. "Im Holz ist kein frischer Schnitt feststellbar gewesen", erklärte Cech. Der Balken habe schon längere Zeit gehalten, "deswegen kann er nicht die einzige Ursache gewesen sein", erklärte Cech. Ein Sachverständiger hatte zuvor Ermüdungserscheinungen der Holzdecke ausgeschlossen.

Wer den Balken wann angesägt hatte, könnte kommende Woche bekannt werden. Bis dahin solle ein Gutachten zum Unfallhergang vorliegen. Erst wenn der Lagerraum ausgeräumt ist, könne man Näheres feststellen, sagte Michael Witzmann vom Dezernat für Sofortmaßnahmen des Magistrats Wien.

Der Sohn des Mieter-Ehepaars war am Sonntag gegen Abend mit seinen beiden Töchtern zu Besuch in das frühe Gründerzeithaus aus der Mitte des 19. Jahrhunderts gekommen. Er und seine schwangere Frau verließen die Wohnung jedoch wieder. Die beiden Mädchen sollten bei den Großeltern übernachten. Auch der zweite, jüngere Sohn der Mieter war in der Wohnung. Er befand sich zum Zeitpunkt des Unfalls um 22.00 Uhr mit der fünfjährigen Enkelin im angrenzenden Schlafzimmer. Die Familie wurde von der Feuerwehr befreit und von der Rettung vorübergehend in das Wilhelminenspital gebracht.

"Seit etwa acht Jahren wohne ich hier", meinte der Mieter zur APA. Nun wolle er auf keinen Fall wieder in das Wohnhaus zurückkehren. Den Grund des Einsturzes will er in Sprüngen im Mauerwerk erkannt haben. "Alles Pfusch", meinte er über die Renovierungsarbeiten. In den kommenden Tagen wird die Familie noch in einem Jugendwohnheim in der Reichsapfelgasse Zuflucht finden. Danach müsse geklärt werden, wer für ein weiteres Ersatzquartier aufkommen könnte, sagte Witzmann. Die Hauseigentümerin wolle der Familie eine Unterkunft anbieten, kündigte er an. (apa)