Geschlechtskrankheiten von

Syphilis, Tripper & Co.

Sexuell übertragbare Krankheiten auf dem Vormarsch? NEWS.AT fragt nach.

Geschlechtskrankheiten - Syphilis, Tripper & Co. © Bild: Corbis

Die gute Nachricht: Geschlechtskrankheiten holt man sich nicht auf schmutzigen Toiletten. Oder zumindest nur in den allerseltensten Fällen. Die schlechte Nachricht: Laut Medienberichten sind Syphilis, Tripper und Co. wieder auf dem Vormarsch. Wie steht es heute tatsächlich um sexuell übertragbare Krankheiten? Was ist so heimtückisch an ihnen? Und wie kann man sich schützen? NEWS.AT fragte nach.

Was die Medien verlautbaren, bestätigt die österreichische Statistik meldepflichtiger Infektionskrankheiten. Tripper - in der Fachsprache Gonorrhoe genannt - ist wieder auf dem Vormarsch. Vor 20 Jahren etwa wurden in Österreich 1.661 Fälle gemeldet. 1.160 davon allein in Wien. Bis zum Jahr 2000 hat sich die Zahl auf rund 400 Fälle pro Jahr eingependelt. Danach ging es wieder abrupt bergauf. Knappe 1.000 Fälle im Jahr 2002. Dann ein zwischenzeitlicher Rückgang. Letztstand: 1.454 Fälle im Jahr 2011.

Wien besonders stark betroffen
Auch bei Lues - im Volksmund Syphilis genannt - ist ein Anstieg zu vermerken. Während zwischen 1990 und 2000 jährlich rund 200 Fälle gemeldet wurden, waren es im Jahr 2002 bereits über 400. Die meisten Erkrankungen seit 1990 wurden im Jahr 2009 verzeichnet. Damals waren es 575 Fälle. 439 davon in Wien.

Übertragung
Gonorrhoe (Tripper) und Lues (Syphilis) zählen zu den klassischen Geschlechtskrankheiten, so Prof. Herbert Kiss von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde am AKH Wien. Übertragen werden sie - neben dem Geschlechtsverkehr - auch durch Hautkontakt. Gonorrhoe kann bereits bei der Geburt von der Mutter ans Kind weitergegeben werden. Ebenso wie Chlamydien und Herpes genitalis. Auch sie zählen zu den sexuell übertragbaren Krankheiten, sind im Gegensatz zu Syphilis und Tripper in Österreich aber nicht meldepflichtig.

Symptome
Gonorrhoe und Chlamydien zeichnen sich durch eine ähnliche Symptomatik aus. Bei Frauen kann es zu einer eitrigen Entzündung des Gebärmutterhalses und in weiterer Folge zu eitrigem Ausfluss kommen. Beide Krankheiten können aber auch völlig symptomfrei verlaufen. Wird Gonorrhoe nicht behandelt - was bei einem symptomfreien Verlauf nicht unwahrscheinlich ist - kann sie zu einer systemischen Infektion führen. Mit anderen Worten: Die Bakterien breiten sich im ganzen Körper aus.

Gefahr: Sterilität
Noch heimtückischer sind Chlamydien. Sie können über den Gebärmutterhals bis in die Eierstöcke aufsteigen. Durch die Entzündung kommt es zu Vernarbungen der Eileiter. Je öfter frau sich infiziert, desto stärker wird das Gewebe der Eileiter in Mitleidenschaft gezogen. Bis es schließlich so stark vernarbt ist, dass sich die Eizelle ihren Weg zur Gebärmutter nicht mehr bahnen und die Frau nicht mehr schwanger werden kann.

Bakterien-Ping-Pong
Verläuft die Erkrankung symptomfrei, ist es möglich, dass die Bakterien - wie beim Ping-Pong-Spiel - von Partnern zu Partner und wieder retour gegeben werden. Durch die wiederholte Infektion mit Chlamydien wiederum steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Frau schließlich ihre Zeugungsfähigkeit verliert. Prof. Kiss allerdings entwarnt: "Tatsächlich kommt es weit seltener zur Sterilität der Frau, als früher angenommen wurde."

Befall des Gehirns
Erstes Anzeichen von Syphilis ist eine gerötete Schwellung, nicht größer als ein Zentimeter, im Genitalbereich. Wird die Erkrankung nicht rechtzeitig diagnostiziert und behandelt, können sich die Krankheitserreger im gesamten Körper ausbreiten. Auch im Gehirn. Je nachdem, wo sie sich ansiedeln, kommt es Prof. Kiss zufolge zu Ausfällen. Befallen die Erreger beispielsweise das Ohr, kann dies zu Taubheit führen.

Grauenhafte Schmerzen
Bestimmt nicht unbemerkt bleibt die Erstinfektion mit Herpes genitalis. "Beim ersten Mal leidet der Patient höllische Schmerzen", so Prof. Kiss. "Die Haut ist gerötet und es bildet sich ein Bläschen." Das Gemeine an der viralen Erkrankung: Wenn sie einmal aufgetreten ist, kann sie immer wieder auftreten. "Das Virus befindet sich im Körper, und sobald das Immunsystem geschwächt ist, tritt wieder ein Bläschen auf." Die sogenannte Rezitativinfektion ist in der Regel aber weit weniger schmerzhaft als die Erstinfektion. Unter Umständen kann sie sogar völlig unbemerkt bleiben."

Schutz
Während Gonorrhoe, Lues und Chlamydien mit Antibiotika behandelt werden, geht man gegen Herpes genitalis mit virushemmenden Mitteln vor. Noch ratsamer allerdings ist es, es gleich gar nicht zu einer Infektion kommen zu lassen: "Der beste Schutz ist das Kondom ", so Prof. Kiss, "wenngleich es auch nicht zu 100 Prozent schützt." Der Experte rät daher: "Noch besser als das Kondom schützen schließlich das Wissen um die Krankheiten und beiderseitige Vorsicht."

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