Geschäftemacherei mit den Maturareisen:
Bis zu 45% Stornogebühren ab erstem Tag

Zunehmende Beschwerden beim Konsumentenschutz Drängen der Veranstalter zu übereilter Anmeldung

Geschäftemacherei mit den Maturareisen:
Bis zu 45% Stornogebühren ab erstem Tag

Maturareisen sind ein gewinnbringendes Geschäft. Leider gibt es einige Reiseveranstalter, die das auf Kosten der SchülerInnen für sich nutzen wollen. Und so steigen die Beschwerden bei den AKNÖ-Konsumentenschützern stetig an, weil Reiseunterlagen und genaue Vertragsbedingungen erst im Nachhinein bekannt gegeben werden, enorme Stornogebühren verlangt werden, es keine Bestätigungen für Anzahlungen gibt und es vor Ort immer wieder zu wenig Betten gibt. Damit die Maturareise ungetrübten Urlaubsspaß bietet, empfehlen die AK-Konsumentenschützer, nicht voreilig die erstbeste Reise zu buchen und sich unbedingt alle Reiseunterlagen geben zu lassen.

Sieben Schülerinnen aus dem Bezirk Bruck an der Leitha erlebten eine böse Überraschung: Sie hatten eine Maturareise gebucht, ohne vorher vollständige Unterlagen erhalten zu haben. Aufgrund diverser privater Umstände wollen sie die Reise stornieren. Der Veranstalter erklärte ihnen jedoch, dass bereits ab Buchung eine Stornogebühr von 45 Prozent anfällt. Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen wurden den Schülerinnen jedoch erst nach der Buchung übermittelt. Renate Schiller, Konsumentenschützerin bei der AKNÖ verweist auf die Allgemeinen Reisebedingungen (ARB 92), in denen es fixe Stornosätze gibt, die dann zur Anwendung kommen, wenn keine Stornogebühren in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen oder im Reisevertrag aufscheinen: So sind bis 30 Tage vor Reiseantritt lediglich 10 Prozent an Stornogebühren zu zahlen.

Die AKNÖ-Expertin riet den Mädchen, mittels eingeschriebenen Briefes auf die ARB 92 zu verweisen und darauf zu bestehen, lediglich die gesetzlich vorgeschriebenen 10 Prozent an Stornogebühren zu bezahlen, da ihnen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Veranstalters erst nach der Buchung übermittelt wurden. Die Reaktion des Veranstalters steht noch aus. Schiller sieht die Chancen für die Mädchen durchaus positiv. Denn eine Entscheidung des Handelsgerichts Wien aus dem Vorjahr besagt, dass im Nachhinein ausgehändigte Allgemeine Geschäftsbedingungen rechtsunwirksam sind. Und genau das war ja im Fall der Mädchen passiert.

Drängen zu sofortiger Zusage
Bei fast allen Anfragen beklagen sich die Konsumenten, dass die SchülerInnen bei den Präsentationen in den Schulen von den Veranstaltern zu einer raschen Anmeldung gedrängt werden, häufig ohne vorher mehrere Vergleichsangebote eingeholt zu haben. Dazu Dr. Eva Schreiber, Leiterin der AKNÖ-Konsumentenberatung: "Das ist leider keine Seltenheit. Uns wird immer wieder berichtet, dass im Zuge des Präsentationsgespräches ständig betont wird, wie wichtig es ist, möglichst rasch zu unterschreiben. Zögere man zu lange, dann wäre man nicht direkt im Club untergebracht und damit nicht mitten im Geschehen, oder müsse mit einem 4-Bett Zimmer vorlieb nehmen, da die 2-Bett Zimmer dann bereits ausgebucht wären."

Beschwerden häufen sich
Bei den AKNÖ-Konsumentenschützern steigen die Beschwerden zu Maturareisen stetig an: Wie im Fall der 7 Schülerinnen werden Vertragsbedingungen mit Angabe der Stornosätze oft erst nach Buchung übergeben, vielfach wird zwar die Anzahlung kassiert, die Schüler erhalten allerdings keine Bestätigung über die geleistete Zahlung, im Club selbst sind mitunter nicht genügend Betten vorhanden und die MaturantInnen müssen sich z.B. mit notdürftigen Zusatzbetten begnügen, und das bei einem Reisepreis zwischen 800 und 900 Euro pro Woche. (APA/red)