Charity-Event von

Gery Keszler:
"Der Life Ball wird erwachsen"

"Es war mein Wunsch, den Life Ball in eine neue Dekade zu führen"

© Video: APA

Für Gery Keszler war es kein Jahr der Pause. Während die Party-Gäste auf den Life Ball 2016 verzichten mussten, kreierte das Team hinter Keszler ein neues Konzept. "Der Life Ball wird erwachsen", resümiert er.

"Viele sagen, wir hatte ja eh ein Jahr Pause. In Wahrheit war es wahnsinnig anstrengend", sagte Keszler zur APA. Als der Life Ball in den 1990er-Jahren das erste Mal über die Bühne ging, "war er da, um ein Tabu zu brechen, er war sehr provokant", sagte der Gründer des Aids-Charity-Events. In den darauffolgenden Jahren sei das Event gewachsen und "sehr mainstreamig" geworden. Der Vorteil: Der Ball wurde breiter akzeptiert und "hat Tür und Tor geöffnet, wirtschaftlich, inhaltlich und auch medial".

»Mir ist klar geworden, dass wir viel zu komplex und zu mannigfaltig die unterschiedlichen Problematiken zu HIV öffentlich kommuniziert haben«

Aber das Event hat auch einen Mainstream zugelassen, der "für mich nicht immer positiv war". Es habe sich eine gewisse Dekadenz eingeschlichen. Keszler übte auch an seiner Person und der Art, wie er die wichtige Botschaft des Aids-Charity-Events umgesetzt hat, Kritik. "Mir ist klar geworden, dass wir viel zu komplex und zu mannigfaltig die unterschiedlichen Problematiken zu HIV öffentlich kommuniziert haben", sagte er. "Es war eine kreative, aber auch eine inhaltliche Überdosis." Keszler: "Es war mein Wunsch, den Life Ball in eine neue Dekade zu führen."

Denn obwohl der Life Ball vor beinahe 25 Jahren ins Leben gerufen wurde, gibt es immer noch einen Wissensmangel, was die Infektion mit HIV, Immunstatus und Tests betrifft. "Die Leute wissen gar nichts über Testungen, und wir reden mit ihnen bereits über Generika und Mutter-Kind-Übertragung." Nach Keszlers Rede am Life Ball im Vorjahr, in der er erstmals über seine eigene Infektion sprach, haben sich HIV-Anonymtests in den darauffolgenden zwei Monaten verdreifacht.

Wiedergeburt des Life Balls im Jahr 2017

Und genau da möchten Keszler und sein Team nun ansetzen. Das Bewusstmachen von HIV-Tests wird bei der Wiedergeburt des Life Balls 2017 den Schwerpunkt bilden. Und dabei "versuchen wir, eine klarere Sprache zu finden", sagte Keszler. Nicht nur bei der Präsentation des Konzeptes Dienstagabend im Wiener Planetarium konnten die Gäste einen Gratis-HIV-Test machen, auch am Life Ball am 10. Juni wird es eine mobile Teststation geben. Im Vorfeld wird mit der Social-Media-Kampagne "Know your status" die Angst davor genommen. Burlesquetänzerin Dita von Teese und Sängerin Conchita Wurst haben bereits bei der Kampagne mitgemacht und sich testen lassen. Die Aktion beginnt am 1. Dezember 2016, am Welt-Aids-Tag, und läuft bis 1. Dezember 2017. Dazwischen liegt der Life Ball als Höhepunkt, in dessen Eröffnungsshow dieses Thema miteinfließen wird.

»Es ist mir wichtig, dass in Wien dieser Ball erhalten bleibt. Die Vielfältigkeit, der Respekt für Menschen, die anders lieben oder glauben«

"Es ist mir wichtig, dass in Wien dieser Ball erhalten bleibt. Die Vielfältigkeit, der Respekt für Menschen, die anders lieben oder glauben - für diese Werte stehen wir, und das braucht Wien, dafür werden nun die Weichen gestellt", sagte Keszler.

Aus "Aids Life" wird Dachmarke "Life Plus"

Um das Aids-Charity-Event noch internationaler aufstellen zu können, wurde eine neue Dachmarke gegründet. Aus dem Trägerverein "Aids Life" wird "Life Plus", dessen zentrales Element weiterhin der Life Ball bleiben wird. Die "Style Bible" wird in Zukunft "Life Bible" heißen und auch kommendes Jahr im Jänner das kreative Thema des Balls 2017 präsentieren. Es wird weiterhin im Vorfeld des Balls ein Konzert geben, das zukünftig "Life Celebration Concert" heißen wird.

Neu ist der "Life Ball Junior", der erstmals am Tag nach dem Life Ball im Wiener Rathaus stattfinden wird. Von 16.00 bis 22.00 Uhr ist die Eventlocation für 13- bis 18-Jährige geöffnet, die im Rahmen einer Schnitzeljagd mehr zum Thema HIV/Aids erfahren werden. "Gerade in der Jugend gibt es eine Verharmlosung von HIV", sagte Keszler, der das Jugendevent gemeinsam mit dem Wiener Stadtschulrat, dem Bildungs- und Gesundheitsministerium veranstaltet.

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