Gerhard Zeiler von

"Mir geht es nicht ums Geld"

Der mächtigste Medienchef Europas spricht über seine Zukunft und jene des ORF

Gerhard Zeiler - "Mir geht es nicht ums Geld" © Bild: NEWS/Ricardo Herrgott

Der scheidende Chef der RTL Group, Gerhard Zeiler, ist in den USA ein begehrter Mann. Nachdem er im vergangenen Jahr als erster nicht amerikanischer TV-Manager den renommierten Brandon Tartikoff Award verliehen bekam, erhält er in diesen Tagen als „Executive of the Year“ den in der US-Medienbranche ebenfalls sehr prestigeträchtigen CORE Award. Kein Wunder, dass der Medienriese Time Warner Gerhard Zeiler nun zum Chef von Turner Broadcasting System International machte. Mit NEWS sprach Zeiler über seinen Wechsel, den Erfolg bei RTL und über den Mut, den Menschen an der Spitze brauchen.

NEWS: Gleich zu Beginn: Warum wechseln Sie zu TBS International?
Gerhard Zeiler: In den letzten Monaten überschlagen sich dazu die Gerüchte, dabei ist die Antwort einfach: Nach mehr als 13 Jahren RTL und mehr als neun Jahren als Chef der RTL Group wollte ich noch einmal eine Veränderung. Ich bin Mitte fünfzig, und da ist wahrscheinlich die letzte Gelegenheit, etwas Neues zu starten. Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen. Ich habe drei Monate lang darüber nachgedacht, und nach den Weihnachtsferien habe ich mich entschieden, diesen Sprung zu machen.

NEWS: Anfang März verkündeten Sie, dass die RTL Group das zweitbeste Ergebnis in der Geschichte des Unternehmens erwirtschaftet hat. Macht es Sie nicht wehmütig, dieses Baby aufzugeben und zu Turner zu wechseln?
Zeiler: In einem schwierigen Umfeld konnten wir 2011 den Umsatz um 4,2 Prozent auf 5,77 Milliarden Euro steigern. Gleichzeitig habe ich zu den Leuten, mit denen ich in den vergangenen 13 Jahren in der RTL Group zusammengearbeitet habe, eine besondere Beziehung gehabt. Das zu verlassen ist nicht so einfach. Da ist man natürlich wehmütig. Aber Wehmut war bei meiner Entscheidung nicht der bestimmende Faktor.

Ich wollte noch einmal einen Neustart.

NEWS: Wollte Bertelsmann Sie nicht halten?
Zeiler: Natürlich, aber ich wollte eine Veränderung. Ich wollte noch einmal einen Neustart.

NEWS: Hat man Ihnen keine bessere Gage geboten?
Zeiler: Mir ging es bei dieser Entscheidung in keiner Weise um Geld, sondern um die Herausforderung.

NEWS: Vergangenes Jahr haben Sie Gespräche mit dem ORF geführt und sich sogar für deutlich weniger Geld für den Job als Generaldirektor angeboten. War man bei Bertelsmann nicht verstimmt darüber, dass Sie sich für diesen Job interessieren?
Zeiler: Bei Bertelsmann hat niemand geglaubt, dass ich ernsthaft darüber nachdenke, zum ORF zu gehen.

NEWS: Und haben Sie darüber nachgedacht?
Zeiler: Einen kurzen Moment habe ich mit dem Gedanken gespielt. Ich habe acht Jahre beim ORF verbracht, und es war eine schöne Zeit. Doch wenn ich Entscheidungen fälle, müssen Kopf und Bauch übereinstimmen, und mir war bald klar, dass das nicht der Fall ist.

NEWS: Waren die Widerstände aus Österreich zu groß?
Zeiler: Nach einigen Gesprächen war klar, dass das nicht infrage kommt.

NEWS: Wäre ein Generaldirektor Zeiler gar die letzte Chance für den ORF gewesen?
Zeiler: Da ich nicht an Überheblichkeit leide, kann ich diese Frage nur mit Nein beantworten. Ich habe immer gesagt, dass es nicht an meiner Person liegt. Es gibt einige, um nicht zu sagen viele, die den ORF genauso gut führen könnten.

NEWS: Ihrer Meinung aber nicht unbedingt die aktuelle Führung?
Zeiler: Das würde ich bejahen.

NEWS: Kathrin Zechner ist neu in der ORF-Führung, und sie hat lange mit Ihnen zusammengearbeitet. War ihre Berufung ein wichtiger Schritt für den ORF?
Zeiler: Ich glaube, dass Kathrin Zechner alle Voraussetzungen mitbringt, einen erstklassigen Job zu machen. Wie sich das auf das Gesamtunternehmen auswirkt lässt sich nicht vorhersagen. Es hätten wahrlich schlechtere Personalentscheidungen getroffen werden können, als Kathi Zechner zu installieren.

Ich war immer Anhänger des öffentlichen-rechtlichen Rundfunks.

NEWS: Gibt es im ORF einen zu großen politischen Einfluss? Gab es den nicht immer – schließlich kamen Sie sogar als Kanzlersekretär führend in den ORF?
Zeiler: Der Generaldirektor hat entweder die Courage, sein Unternehmen so unabhängig wie möglich zu führen, oder er hat sie nicht. Da gab es bei den ORF-Generalintendanten schon immer große Unterschiede. Es gäbe zudem zahlreiche Möglichkeiten, den ORF der politischen Einflussnahme zu entziehen. Bei der BBC in Großbritannien hat man das mit einem sehr starken Aufsichtsrat gelöst.

NEWS: Ist es womöglich ein erklärlicher Geburtsfehler des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, hier immer wieder einem parteipolitischen Einfluss ausgesetzt zu sein?
Zeiler: Einerseits ist es ein Geburtsfehler und ein Nachteil. Andererseits hat das öffentlich-rechtliche Fernsehen einen gesellschaftlichen Auftrag und kann Dinge auf den Weg bringen, die ein kommerzieller Sender niemals machen könnte. Ich war immer ein Anhänger des dualen Systems und des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Ich habe den ORF schließlich vier Jahre lang geführt. Aber die Menschen an der Spitzee müssen den Mut haben, für ihre Ziele einzustehen und sich notfalls auch abwählen zu lassen.

Was Gerhard Zeiler über seinen Wechsel zu TBS International, die Zukunft von RTL und die europäische Politik zu sagen hat, lesen Sie im NEWS 16/2012!

Kommentare

Ivoir

\"Mir geht es nicht ums Geld\" Hahahahahaha, uiuiui, eieieiei, Hahahahaha der war echt gut und ein guter Beweis für wie dämlich diese Leute uns Österreicher halten.
und gleich noch einen:
>Ich war immer Anhänger des öffentlichen-rechtlichen Rundfunks<
Und auch wenn es schon sehr Spitz ist, schreibt man Spitze(e) mit einem e.

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