Gerhard Dörfler von

"Großen Frieden herbeigeführt"

Die kleine Welt des Kärntner Landeshauptmanns

Gerhard Dörfler - "Großen Frieden herbeigeführt" © Bild: Ricardo Herrgott

Die Fahrt durch Kärnten führt vorbei an Jörg Haiders Unfallstelle, an der Abzweigung zum Bärental, an zweisprachigen Ortstafeln, an Vorzeigebetrieben. Gerhard Dörfler (FPK) erzählt, wie er sich nächtelang in den Konflikt der Volksgruppen eingelesen hat; wie er durchs Land getingelt ist, um die Leute persönlich von der Ortstafellösung zu überzeugen; über seine Freundschaft zu Slowenen-Vertretern. So soll sich Österreich an ihn erinnern: als Landesvater, der Kärnten die Versöhnung gebracht hat – und nicht als Landeshauptmann, den die Trümmer des Systems Haider mit in den Abgrund gerissen haben.

Sein Mantra: "Ich habe mit diesen Dingen nichts zu tun." Diese Dinge, das sind die Causa Birnbacher, die Causa Scheuch, die Causa Hypo und alle anderen Causen, die ein verheerendes Bild der politischen Zustände im Land zeichnen. Politische Verantwortung? In Kärnten offenbar etwas für Weicheier. Beim Mittagessen im slowenischen Kranjska Gora beschreibt Dörfler den typischen Kärntner: "Lebensfroh, kann aber schnell Sorgenfalten bekommen." Kontaktfreudig, zieht sich aber auch gern zurück. Geprägt durch italienische und slowenische Einflüsse. Ein Oberer Drautaler sei zurückgezogener als ein Lavanttaler. Die Stärken des Landes seien die Natur, die Neugier der Menschen. "Wir haben uns vom Land der Schuhfabriken und des Tourismus auch zu einem Forschungsland entwickelt." Kärnten habe sich verändert: Früher habe es fast eine Feindseligkeit der slowenischen Sprache gegenüber gegeben, gibt Dörfler zu. Heute gehen mehr Schüler in zweisprachige Schulen als je zuvor, sagt er.

Wir sind ein politisch anderes Land

An Schwächen fällt dem Landeshauptmann ein, "dass sich die Lebensräume in die Stadt verlagern und bäuerliche Traditionen entwurzelt werden". Ja, aber war da nicht noch was? Zum Beispiel, dass Kärnten in der Wahrnehmung der Österreicher als das korrupteste Bundesland gilt? "Das ist eine falsche Wahrnehmung." Volksbanken, Kommunalkredit, Tetron, Skylink, Bawag – die großen Skandale der Republik hätten in Wien stattgefunden, sagt Dörfler. "Ich würde deswegen aber Wien nicht pauschal schlechtmachen. Ein grauslicher Skandal wird dazu hergenommen, ein ganzes Land zu beflegeln." Immerhin ein Land, in dem – laut Umfrage – Österreichs korrupteste Partei den Landeshauptmann stellt.

"In der Causa Birnbacher mussten ÖVP-Spitzenpolitiker den Hut nehmen. Ich lasse mir diesen Skandal nicht unterjubeln. Ich hatte mit dieser Sache nie etwas zu tun, deshalb bin ich weder zu einem U-Ausschuss oder als Zeuge im Rahmen dieses Skandals geladen gewesen." Er gehe daher zu 100 Prozent davon aus, dass er selbst nie angeklagt werde. Und außerdem gebe es bei der Kärntner SPÖ auch einiges aufzuklären. Über die eigene Partei will Dörfler gar nicht erst reden. Verständlich, das FPK-Regierungsteam ist fast zur Gänze im Visier der Ermittler. Dörfler wehrt ab: "Ich vertraue der Justiz, aber es fällt zumindest auf." Der Landeshauptmann will lieber über seine Politik reden.

Gut. Wie will er das Vertrauen der verunsicherten Investoren wiederherstellen? "Das ist das Märchen des Jahrhunderts. Internationale Investoren investieren wie noch nie in Kärnten." Und die Hoteliersvereinigung, die sich Sorgen um das Image Kärntens macht? "Die Hoteliersvereinigung soll Betten füllen, nicht Politik machen." Alles politisch motiviert, sagt Dörfler. Also alle gegen Kärnten. Warum das? "Wir sind halt ein politisch anderes Land." Das dritte Lager, also FPÖ, dann BZÖ, heute FPK, ist hier am stärksten. "Weil Jörg Haider in Kärnten erst echte Demokratie und Meinungsfreiheit eingeführt hat", erklärt Dörfler. Die SPÖ habe früher alles beherrscht, ohne Parteibuch kein Job, keine Wohnung. "Haider hat den Menschen in Kärnten die Würde wiedergegeben." Das österreichische System, Postenschacher und Parteibuchwirtschaft, das gebe es in Kärnten nicht mehr.

Dass FPÖ- Chef Heinz-Christian Strache heute sagt, Haider sei Teil just dieses Systems geworden, will Dörfler nicht kommentieren. Und er weist zurück, dass es ein "System Haider" gegeben habe. "Jörg Haider hatte nie die absolute Mehrheit. ÖVP und SPÖ haben mitregiert." Hypo, Seebühne, Stadion, Ermittlungen wegen Parteienfinanzierung: Also gar ein System Kärnten? Dörfler wird laut: "Das muss ich scharf zurückweisen! Es gibt leider wirtschaftliche und politische Betriebsunfälle. Aber es sagt ja wegen dem Begas- Skandal auch keiner, ganz Burgenland ist korrupt."

Bei uns wird aufgedeckt

Also hat der Schriftsteller Peter Turrini Recht, wenn er sagt, in Kärnten gebe es nicht mehr Gauner als anderswo, spezifisch sei nur der Umgang mit den Gaunereien? Der Landeshauptmann will wieder nicht verstehen: "Stimmt, bei uns wird nicht zugedeckt, sondern aufgedeckt." Turrini dürfte freilich das Gegenteil gemeint haben – etwa, dass Uwe Scheuch trotz erstinstanzlichen Urteils zunächst im Amt blieb. Dörfler: "Das ist ein Fall Scheuch, kein Fall Kärnten." Und die höchste Pro-Kopf- Verschuldung aller Bundesländer? "Stimmt nicht“, behauptet Dörfler. Nehme man die Verschuldung der Gemeinden dazu, sei Kärnten im hinteren Mittelfeld. „Wir mussten das Land ja auch umbauen."
Dörfler verweist auf seine Leistungen in der Verkehrspolitik, der Kinderbetreuung, der Nachbarschaftspolitik. "Ich bin überzeugt, dass der parteiübergreifende Landespapa Gerhard Dörfler auch in Zukunft die Unterstützung der Menschen hat." Fragen will er sie aber sicherheitshalber nicht. Neuwahlen gehen sich heuer nicht mehr aus, sagt Dörfler. Die Opposition sieht das anders.

Kärnten – kann man dieses Land eigentlich verstehen? "Kärnten hat eine besondere Geschichte, es gab viel Misstrauen auf allen Seiten. Die Lösung der Ortstafelfrage ist mein historischer Beitrag zur Veränderung. Wenn ich heute viele Rückmeldungen auch aus der slowenischsprachigen Bevölkerung bekomme, dann weiß ich, dass ich den großen Frieden im Land herbeigeführt habe." Von außen sieht es allerdings so aus, als würden in Kärnten gerade die Fetzen fliegen.

Weitere politisch brisante Themen finden Sie in der aktuellen Ausgabe von NEWS (33/12)!

Kommentare

Wie stand es doch da oben? Da stand "Die Welt von Dörfler". Ich erlaube mir zu ergänzen" .. ist ziemlich beschränk"t. Dies hat ihm auch die Staatsanwaltschaft Klagenfurt mit derAussage, dass er gewisse Zusammenhänge nicht begreifen kann, bestätigt!.

auwehäfn

dörfler sie sind ein komiker !\"bei uns wird aufgedeckt \" ja aber bei euren feiern im klagenfurter rathaus und diversen parteifeiern und das auf kosten des steuerzahlers !!!

Diese Art von Politker ..... ....wollen doch nur am Geldtrog bleiben...álles andere ist diesen Menschen egal. Hauptsache Macht und Geld. Diese Politk wird sich solange solche a....cher dort sich nie änder. die Scheuch brüder sind das beste bespiel dafür. kurze hände und krätzen am arsch solls alle bekommen damit sie sich net kratzen können.

oh mein gott das ist realitätsverweigerung par excellence. der mann gehört sofort entmündigt!

Flocke01 melden

Freiwilliges Exil bin mit einem Kärntner in Wien verheiratet, der froh ist, nicht mehr dort leben zu müssen. Und er ist nicht der einzige! Und jetzt geh ich mich übergeben......

kickoff melden

@Flocke01 Ich verstehe Sie wenn Sie sich übergeben gehen. Bei dem Ehemann, einen offensichtlichen Heimatverräter, der seine Einstellungen wechselt wie das berühmte Chamäleon, also so wie der Wind gerade pfeift, würde ich vom "Speiben" auch nicht mehr aufhören!

auwehäfn
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kickoff ! bin 10000 km von meinem geliebten kärntnerland entfernt !aber wenn die braune bande so weitermacht muß ich meinen wunderbaren von vielen geliebten kärntnerdialeckt wohl unterdrücken !!! hoffentlich kommen sie bei deren untaten wie ich auch speiben !!!m.f.g.

auwehäfn
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Re: Freiwilliges Exil Ps :sorry fehler ! auch zu speiben !!!

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@auwehäfn Warum unterdrücken? ich bin auch Kärntner. Ich habe mit den Falotten, die derzeit an der Regierung sind nichts zu tun. Ich habe Sie nicht gewählt muss sie aber ertragen, weil das in einer Demokratie halt so ist. Deshalb unterdrücke ich weder meinen Dialekt noch meine Herkunft. Ich bin keiner der Falotten, also warum sollte ich nur irgendetwas unterdrücken?

Das ist wahre Realsatire... Es gehört vermutlich ein IQ eines hölzernen Stuhlbeins dazu, wenn man den Quatsch noch glaubt. Dieses Land ist einem korrupten Sumpf umgewandelt worden, in dem man dem Landesherrn huldigen musste, privat weiterzukommen.

Ein System das im Mittelalter angesiedelt war und im Jahr 2008 und später! Und die Verweigerung der Neuwahl zeigt welche Geisteshaltung hier gelebt wird!

So viel könnte ich gar nicht fressen, wie ich kotzen könnte bei solchen Meldungen!

auwehäfn

früher wahr er ein ortstafel versetzer! heute ein zu bemitleidender schwätzer !siehe bild :vom volk allein gelassen und parteifreune im verhandlugssaal ,eigentlich ein armer mann der friede sei nicht von sondern mit ihm !!!

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