Gerhard Berger gibt Vollgas: Motorsport-legende feuert Breitseite gegen Politiker

"trend": Ex-F1-Star gegen Tempo-160-Regelung Riesenlob für Mateschitz und sein Red Bull-Team

Mit der Politik hart ins Gericht geht Österreichs ehemaliger Formel-1-Hero Gerhard Berger in einem Interview der aktuellen Ausgabe des Wirtschaftsmagazins "trend": "Die Politiker sagen, dass es in Tirol aufgrund der Umweltproblematik keinen Platz mehr für das Frachtgewerbe geben kann. Sie schaffen aber auch keinen Ersatz für die daran geknüpften tausenden Arbeitsplätze." Und weiter: "Den Politikern ist ihre eigene Zukunft wichtiger als die Lösung von Sachproblemen, sie kümmern sich viel zu wenig um die heimischen Arbeitsplätze."

Der Inhaber eines 350 Mann starken Speditionsunternehmens kommt zu dem Schluss: "Mit der derzeitigen Kostenstruktur kann man in Österreich derzeit eigentlich keinen eigenen LKW mehr haben. Man kann nur überleben, wenn man Tankstellen oder andere Möglichkeiten zur Quersubventionierung dabei hat." Sein Unternehmen, so Berger, sei "in den letzten Jahren in Schieflage" gewesen, jetzt aber habe man den Turnaround geschafft.

Der zehnfache Grand-Prix-Sieger hält die vorgesehene Tempo-160-Regelung für unnotwendig: "Ich habe es für einen Blödsinn gehalten, Tempo 130 einzuführen, jetzt halte ich es genau so für einen Blödsinn, es wieder auszuführen." Seine Alternative: Man könne doch "die Polizei anweisen, zu bestimmten Zeiten, in der Nacht, Temposünder weniger hart zu bestrafen. Eine Kulanzlösung, eine weichere Lösung praktizieren."

Seinen noch immer vorhandenen Marktwert wird Berger, bis 2003 Rennsportdirektor bei BMW, demnächst wieder einsetzen, erklärt er im "trend"-Interview, und zwar "für die Hypo-Alpe-Adria. Die machen einen Börsegang und ich begleite sie dabei." Auf die Frage, ob er glaube, noch ein Idol zu sein, sagt Berger: "Ich weiß es nicht. Ich pflege es nicht sehr. Ich will nicht überall meinen Senf dazugeben."

Lob für Mateschitz und Red Bull-Team
Für das Engagement von Red-Bull-Erfinder Dietrich Mateschitz in der Formel eins findet er nur Lob. "Er hat ein perfektes erstes Jahr hingelegt, trifft richtige Entscheidungen fürs nächste und auch fürs übernächste Jahr." "Ab 2007", so glaubt Berger, spiele Mateschitz "in einer Liga, wo er auch schon Rennen gewinnen kann." Das Team sei insgesamt eine große Bereicherung im F-1-Zirkus: "Er hat die nötige Lockerheit ins Spiel gebracht, gegen die Abgeschlecktheit von manchen anderen Teams eine Wohltat."

Vieles am Formel-eins Rennsport missfällt ihm dagegen. Es gebe zu reiche Teams, "die den Gegner schon allein durch ihre finanzielle Stärke in Schach halten." Er verlangt: "die Budgets (der Teams, Anm.) müssen unbedingt runter", denn: "der Markt ist heute nicht mehr in der Lage, die Gelder einzuspielen, die ein Top-Team braucht."

Aufgrund der Krise in der Autobranche sieht er auch die Gefahr, dass "der eine oder andere Hersteller (aus der F 1, Anm.) wegkippt"; insgesamt glaubt er, dass in der Formel eins zu hoch gerüstet wurde: "Man muss das Zuviel an Technik wieder rausnehmen, die Technik ist zu dominant." Der Grund: "Der Fan will wissen, wer der beste Fahrer ist, will Überholmanöver sehen, will sehen, wie sich Persönlichkeiten in der Gefahr benehmen und wie sie das Risiko handhaben."

Noch mehr Infos finden Sie in der aktuellen Ausgabe von "trend"!