Gemeinsamer Appell: Erdogan & Zapatero mahnen zu Besonnenheit in Cartoon-Krise

Douste-Blazy ruft arabische Länder zu Mäßigung auf Vorstoß von EU-Vorsitzland Österreich gefordert

Im Konflikt um den Abdruck von Karikaturen des islamischen Religionsstifters Mohammed haben der spanische Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero und sein türkischer Amtskollege Recep Tayyip Erdogan gemeinsam zu Besonnenheit aufgerufen.

"Wir werden alle Verlierer sein, wenn es uns nicht gelingt, die Situation sofort zu entschärfen, die in ihrem Sog nur einen Pfad von Misstrauen und Missverständnis zwischen beiden Seiten hinterlassen kann", schreiben die beiden Regierungschefs in einem Artikel für die englischsprachige Zeitung "International Herald Tribune". Es sei notwendig, Ruhe und Respekt einzumahnen und die Stimme der Vernunft zu hören.

Meinungsfreiheit sei ein Eckpfeiler des demokratischen Systems und werde niemals aufgeben, hieß es in dem Beitrag. Aber es gebe keine Rechte ohne Verantwortung und Respekt für verschiedene Empfindungen. "Die Veröffentlichung der Karikaturen mag ganz und gar legal sein, aber sie ist nicht gleichgültig und sollte folglich von einem moralischen und politischen Standpunkt abgelehnt werden." Ein gerechteres internationales System könne nur über den größtmöglichen Respekt für den Glauben beider Seiten erreicht werden. Bereits im November 2005 hatten Zapatero und Erdogan eine Initiative zur besseren Verständigung zwischen dem Westen und der islamischen Welt ins Leben gerufen. Ziel der "Allianz der Zivilisationen" ist es, extremistischen Tendenzen vorzubeugen.

Frankreich ruft zur Mäßigung auf
Frankreich hat die arabischen Länder im Streit um die Karikaturen zur Mäßigung aufgerufen. "Ich appelliere an alle arabischen Länder, mit Mäßigung zu sprechen", sagte Außenminister Philippe Douste-Blazy im Rundfunk. "Beruhigen wir die Gemüter. Es reicht mit dem Hass und der Intoleranz." Er fügte hinzu: "Der Dialog der Kulturen, Zivilisationen und Religionen ist der große Kampf des 21. Jahrhunderts." Es dürfe keinen Religionskrieg geben, sagte Douste-Blazy. "Es gibt keine Religion auf der Welt, die sagt, dass man töten oder Flaggen verbrennen muss. Es gibt Leute, die mit der Religion Politik machen wollen. Das sind Fanatiker." Manche glaubten sich im "Krieg der Zivilisationen". Andere wie "die Syrer und die Bin Ladens reiben sich die Hände", sagte Douste-Blazy. Doch es sei auch ein Skandal, dass manche Leute jeden muslimischen Gläubigen für einen potenziellen Terroristen hielten.

"Nicht weiter Öl ins Feuer gießen"
Zurückhaltung, Sensibilität und Respekt vor religiösen Gefühlen "von allen Seiten" hat am Montag der Präsident der Ägyptischen Gemeinde in Österreich, Soleiman Ali, gefordert. Außerdem solle die österreichische EU-Ratspräsidentschaft eine Vermittlungsinitiative starten. "Wir dürfen nicht zulassen, dass weiter Öl ins Feuer gegossen wird", so Ali.

Der Präsident der Ägyptischen Gemeinde Österreichs wünscht sich nun einen Vorstoß der EU. Das Vorsitzland Österreich habe diesbezüglich mit seiner "jahrzehntelangen, erfolgreichen Integration der unterschiedlichen Religionsgemeinschaften und Kirchen" genügend Erfahrung und liefere so die Grundlage für eine Vermittlungsinitiative.

(apa/red)