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2012 ein Gelsenjahr?

Experte rät: Ruhig und unauffällig verhalten. Was uns erwartet und wie man sich schützt.

Gelsen - 2012 ein Gelsenjahr? © Bild: Thinkstock/iStockphoto

Nichts als Regen, und jetzt - endlich - kehrt in Österreich der Sommer ein. Doch mit dem schönen Wetter steht auch die Gelsensaison vor der Tür. Wird 2012 ein Gelsenjahr? Der Stechmückenexperte Bernhard Seidel steht Rede und Antwort.

"Die subjektive Wahrnehmung wird extrem sein", so Seidel. Denn beim schönen Wetter würden die Menschen vermehrt vor die Tür gehen und ihre Freizeit im Freien verbringen. "Wenn es kalt bliebe, würde man die Gelsen nicht bemerken." Wirkliche Plagen durch Stechmücken werden laut Seidel durch Witterungsphänomene hervorgerufen. Daher lässt sich noch nicht abschätzen, ob 2012 ein starkes Gelsenjahr wird. "Wenn es heiß bleibt und wir einen trockenen Juni und Juli haben, wird nicht viel passieren."

40 verschiedene Arten in Österreich
"Derzeit gibt es aber nicht mehr Mücken als sonst", sagte der Biologe. Laut der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) gibt es in Österreich derzeit ungefähr 40 verschieden Gelsen-Arten. Differenziert wird insbesondere zwischen Überschwemmungs- und Haus-Gelsen. Erstere werden insbesondere bei Hochwasser und Überflutungen ausgebrütet. "Eine Massenentwicklung wird es lokal sicherlich geben. Partiell betroffen ist beispielsweise der Donauraum", sagte Seidel. Hier würden die Gelsen dann auch als Plage verspürt. "Das große Schwirren steht derzeit aber nicht großflächig an."

Blutsaugende Hausgenossen
Haus-Gelsen wiederum bilden kontinuierlich eine Generation nach der anderen. "Heuer starteten sie etwas früher. Erste Generationen gibt es normalerweise, wenn die Pfingstrosen blühen, in diesem Jahr waren sie aber schon deutlich vor Pfingsten da." Mittlerweile seien die Haus-Gelsen in der dritten, vierten Generation. "Sie sind jetzt auch im Naturbereich extrem auf dem Vormarsch", so der Forscher. Allerdings seien sie im Freiland nicht so bissig und würden eher auf Vögel und Kaninchen gehen. "Aber gerade bei Wetterumschwüngen sind sei gerne dazu bereit, in Häuser einzudringen."

Ruhig und unauffällig verhalten
"Bloß keine Aufmerksamkeit auf sich lenken" lautet nach dem Experten das oberste Gebot, um sich vor den lästigen Viechern zu schützen. "Wenn jemand ständig in Bewegung ist, werden sie auf einen aufmerksam." Man solle "ruhig sein im Sinne von Relaxen. Lege ich mich hell angezogen in die Sonne, bin ich für die Mücke nicht erkennbar", sagte Seidel. Lange und helle Kleidung bietet einen guten Schutz, auch der Kopf soll bedeckt sein, denn "auch eine Glatze kann gebissen werden". Auch Parfüms sollen vermieden werden.

Keine Gelsenstecker
Um das Haus vor den lästigen Plagegeistern zu schützen, eignen sich laut Seidel Tüllvorhänge sehr gut. Von Gelsensteckern rät er ab: Die giftigen Dosen können Allergien auslösen. Das Licht beim Lüften eines Raumes auszuschalten, bezeichnete Seidel als "großen Fehler. Gelsen orientieren sich nicht am Licht, sondern am CO2, der Atemluft". Sollte man dennoch gestochen werden, "lindert Speichel oder auch Franzbranntwein den Juckreiz". Denn letztendlich gilt: "Wenn eine Mücke die Blutmahlzeit braucht, dann holt sie sich diese auch."

Nachhaltige Konzepte gefordert
Der Stechmückenforscher setzt sich seit Jahren dafür ein, dass bei fluss- und wasserbaulichen Vorhaben auf die Gelsenentwicklung Rücksicht genommen werden soll. Nachhaltige, hygienische Konzepte seien notwendig. "Wenn man sich dieser Problematik nicht endlich stellt, wird die Ökologie im Ernstfall ordentlich Schaden nehmen", warnte der Experte.

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