Gehrer im Vertrauenstief: "Saliera"-Klau
und PISA-Ergebnisse nagen an ihrem Image

'Gusenbauers beste Ministerin' oder 'Säule der ÖVP'? NEWS: Klimt-Erbin attackiert die Bildungsministerin. <br>UMFRAGE: Besitzen Sie noch Vertrauen in Gehrer?

Gehrer im Vertrauenstief: "Saliera"-Klau
und PISA-Ergebnisse nagen an ihrem Image

Die Popularität von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) befindet sich seit drei Jahren im Sturzflug. Lag ihr Wert im APA/OGM-Vertrauensindex am Beginn der Legislaturperiode im März 2003 noch bei plus 30 Prozent, landete sie Ende 2005 bei minus 30 Prozent. Diese Werte sind aus Sicht von OGM-Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer ein Spiegelbild des "politischen Sündenregisters" der Ministerin.

Erstmals in den Minusbereich rutschten Gehrers Vertrauenswerte nach dem Diebstahl der Saliera im Mai 2003 und den Lehrerstreiks im Mai und Juni dieses Jahres. Nach ihrem legendären Ausspruch im Sommer 2003 - die heutige Generation "rausche von Party zu Party", statt Kinder in die Welt zu setzen - erreichte die Ministerin auf der Vertrauensskala nur noch minus 15 Prozent.

"Verbesserung" auf minus 2 Prozent
Im Jahr 2004 verbesserten sich zunächst die Vertrauenswerte wieder. So erreichte Gehrer im September 2004 minus 2 Prozent. Nach der Veröffentlichung der für das österreichische Schulwesen wenig schmeichelhaften PISA-Studie ging es wieder steil bergab. Im Dezember erreichte Gehrers Vertrauenswert minus 25, im März 2005 minus 28 Prozent. Der absolute Tiefpunkt wurde - nach dem EuGH-Urteil über den freien Hochschulzugang - im August 2005 mit minus 36 Prozent erreicht.

Bachmayer ist überzeugt, dass "es weitergehen wird mit der Gehrer". Die Opposition werde bis zum Wahltag mit ihrer Kritik an Gehrer nicht locker lassen. "Gehrer ist der größte Schatten im Wahlkampf Schüssels." Und in Abwandlung eines Ausspruchs von Jörg Haider, der als Oppositionspolitiker in den 90er Jahren den damaligen SPÖ-Innenminister Franz Löschnak als seinen besten Minister in der Großen Koalition bezeichnet hatte, könne "Gehrer die beste Ministerin von Gusenbauer in der Regierung" genannt werden, meinte Bachmayer im Gespräch mit der APA.

"Tragende Säule der Volkspartei"
Bildungsministerin Gehrer (V) hat die eigene Partei nach wie vor hinter sich. Klubobmann Wilhelm Molterer verteidigt sie vor der kommenden Sondersitzung des Nationalrates in einem Interview. Sie ist eine der tollsten Politikerinnen, die ich kenne." Daher werde die ÖVP "selbstverständlich" mit Gehrer in die kommenden Nationalratswahlen gehen.

Der SPÖ wirft Molterer in den "Salzburger Nachrichten" vor, Gehrer "zerstören" zu wollen. "So wie sie es bei Grasser versucht hat. Gehrer wird von der SPÖ kritisiert, weil sie keine rote Bildungspolitik macht, weil sie gegen die Gesamtschule ist, weil sie gegen das Aufsteigen mit mehreren Fünfern ist, weil sie gegen die Abschaffung der Noten ist. Das ist der Grund, warum sie von der SPÖ mit allen Mitteln bekämpft wird."

Cap: Bildungsministerin hat sich selbst disqualifiziert
Für SPÖ-Klubobmann Josef Cap ist Gehrer gescheitert. Wenn ÖVP-Klubchef Wilhelm Molterer die Ministerin als "tragende Säule der Volkspartei" bezeichnet, sage Molterer damit mehr über den Zustand der ÖVP aus, "als ihm wahrscheinlich lieb ist", so Cap.

"Bildungsministerin Gehrer hat sich durch ihr Versagen in der Unterrichtspolitik, der Unipolitik und durch ihr Verhalten bei den Klimt-Bildern sowie in der Causa Saliera bzw. Seipel selbst für ihre Funktion disqualifiziert", erklärte Cap. Der Versuch, die Schuld für das Scheitern Gehrers und deren desaströse Umfragewerte der SPÖ zu geben, zeuge nur von der "Ignoranz und Überheblichkeit" des ÖVP-Klubobmannes, "der glaubt das Offensichtliche leugnen zu können".

(apa/red)