Per Kaiserschnitt oder auf natürlichem Weg? Für viele angehende Mütter eine schwierige Frage. Neueste Forschungsergebnisse könnten die Entscheidung aber erleichtern: Wissenschafter fanden heraus, dass eine operative Geburt die Gehirnentwicklung des Kindes verzögern könnte.
Einer aktuellen Studie zufolge sorgen Vaginalgeburten für die vermehrte Ausschüttung des Proteins UCP2 (Mitochondrial uncoupling protein 2). Dieses verbessert die Entwicklung der Neuronen und deren Netzwerke im Hippocampus. Der Hippocampus wiederum sorgt dafür, dass Gedächtnisinhalte aus dem Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis überführt werden. Der positive Effekt von UCP2 reicht bis ins Erwachsenenalter, da es auch dann noch die Funktionstüchtigkeit des Hippocampus verbessert.
Folgen bis ins Erwachsenenalter
Die Forscher vom Madrider Instituto Cajal sowie der Yale School of Medicine untersuchten an Mäusen, wie sich eine natürliche gegenüber einer operativen Geburt auf das Protein UCP2 auswirkt. Während die Vaginalgeburt die Ausschüttung von UCP2 auslöst, findet dieser Prozess nach einer Sektio-Geburt nur abgeschwächt statt. Wurde das UCP2-Gen ausgeschaltet oder die Funktion des Proteins chemisch unterbunden, so beeinflusste dies die Ausdifferenzierung der Neuronen und Netzwerke im Hippocampus. Die Folgen reichten im Tierversuch bis hin zur Schädigung des Verhaltens im Erwachsenenalter, sofern es mit besagter Gehirnregion in Verbindung stand.
Kaiserschnitt im Trend
"Die Ergebnisse zeigen eine potenziell entscheidende Rolle von UCP2 in der Entwicklung von Netzwerken im Gehirn und daraus folgender Verhaltensweisen", sagt Studienleiter Tamas Horvath. Bewahrheitet sich diese Annahme, wäre das ein brisantes Ergebnis, nehmen doch weltweit Kaiserschnitte, die nicht aus medizinischer Notwendigkeit durchgeführt werden, drastisch zu. "Dieser Trend könnte nachhaltige Folgen auf das menschliche Gehirn haben, die bisher völlig übersehen wurden", so der Mediziner.
Auch Atmung betroffen
"Mäuse liefern bei vielen Krankheitsbildern sowie für die Gehirnentwicklung ein Modell, das mit über 90-prozentiger Treffsicherheit auch beim Menschen zutrifft. Vieles im Nervensystem läuft identisch ab", erklärt die Berliner Genforscherin und Entwicklungsbiologin Carmen Birchmeier-Kohler. Darüber hinaus beeinflusse die Geburtsform auch das Kleinhirn: "Tiere, die nicht durch den normalen Geburtsvorgang geboren wurden, hatten später ein unreifes Atmungszentrum."
Risiko für Fettsucht steigt
Nachteilige Wirkung des Kaiserschnitts auf die Atmung - speziell bei Frühgeborenen - sind auch für die Lunge dokumentiert. Fachexperten erklären diesen Effekt unter anderem durch den Wegfall der Resorption der Lungenflüssigkeit, die bei einer Spontangeburt durch die Wehen begünstigt wird. Weitere Studien deuten darauf hin, dass das Risiko einer späteren Fettsucht bei Kaiserschnitt-Babys größer ist.