Frust im Basketball: Schrittwieser als Nationalteam-Trainer zurückgetreten

Wegen mangelnden Professionalismus in Bundesliga Schwere Vorwürfe gegen "Tellerrand-Lobbyisten"

Michael Schrittwieser hat am Montagabend in einem offenen Brief an Basketball-Verbandspräsident Martin Bartenstein seinen Rücktritt als Trainer des Herren-Nationalteams bekannt gegeben. Der 38-Jährige begründete den Schritt mit mangelndem Professionalismus in der heimischen Bundesliga.

Es sei nicht möglich, das Team auf die nächste Leistungsstufe zu bringen, da Personen "mit mäßigem Basketball-Know-how" dies verhindern, erklärte Schrittwieser. Der Steirer, der seit 1993 auch Headcoach beim Bundesligisten Kapfenberg (vier Mal Meister von 2001 bis 2004) ist, hatte seit Jänner 2001 das ÖBV-Team betreut.

"Ich bedaure es, Ihnen mitteilen zu müssen, dass ich entgegen meiner ursprünglichen Zusage, für die Betreuung der österreichischen Basketball-Nationalmannschaft unter den gegebenen Umständen nicht mehr zur Verfügung stehe", hieß es in dem Schreiben von Schrittwieser, der das Team in 28 Länderspielen zu 13 Siegen geführt hatte. Zuletzt waren die ÖBV-Herren im September 2005 erst in der Relegation um den Aufstieg in die Division A an Mazedonien gescheitert.

"Wir haben in den vergangenen fünf Jahren sehr viel erreicht, nicht nur die Nationalmannschaft wieder salonfähig gemacht, sondern auch ein junges Team mit Zukunft geformt, das zum richtigen Zeitpunkt auch jene Resultate erzielt hat, die wir uns alle erhofft haben", erklärte Schrittwieser.

Es hätte eines "kollektiven Schulterschlusses" aller Beteiligten bedurft, um den nächsten Schritt zu machen und die Nationalmannschaft auf den nächsten Level zu bringen, meinte Schrittwieser. Das scheine ihm aber zurzeit nicht möglich, da "mehr denn je zuvor Personen (mit mäßigem Basketball-Know-how) und deren Eigeninteressen im Vordergrund stehen, und nicht die Gesamtentwicklung unseres Sports." (apa/red)