Friedliche Demo: 300 Muslime protestieren in Klagenfurt gegen Mohammed-Karikaturen

Dank an Österreich für Anerkennung des Islam Glaubensgemeinschaft würdigt Regierungshaltung

Mit Transparenten und Sprechchören protestierten in Klagenfurt Hunderte Muslime gegen die Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen in zahlreichen westlichen Zeitungen. Die Kundgebung verlief lautstark, aber friedlich, dazu gab es auf Transparenten ausdrücklichen Dank an Österreich für die Anerkennung des Islam als Religionsgemeinschaft.

Mehr als 300 Menschen, überwiegend Männer, aber auch Frauen mit kleinen Kindern, zogen mit einem Meer von Transparenten durch die Klagenfurter Innenstadt. Der Demonstrationszug wurde von einem Großaufgebot an Polizei gesichert, die Teilnehmer marschierten auch an der Kärntner Landesregierung vorbei, zu Zwischenfällen kam es nicht.

Auf den Transparenten war etwa die Parole "Ja zur Meinungsfreiheit - Nein zur Provokation" zu lesen. Ein anderes trug die Aufschrift: "Euch Eure - uns unsere Religion". Die Demonstranten skandierten "Inshallah" (So Gott will, Anm.) und schwenkten grüne Fahnen. Die Organisatoren der Kundgebung hatten schon im Vorfeld klar gemacht, dass sie gewalttätige Proteste gegen die Karikaturen, wie sie etwa in Teheran oder Islamabad stattgefunden haben, strikt ablehnen. So betonte Mabrouk Hassam, einer der Vorsteher des islamischen Zentrums im Klagenfurter Stadtteil St. Ruprecht: "Freiheit ja, aber die Religion muss davon ausgenommen sein." Man sei gegen das auf die Tötung der Zeichner ausgesetzte Kopfgeld, aber die Zeichnungen seien "nicht in Ordnung" gewesen.

Lob für Regierung
Die Muslime in Österreich haben die Haltung der österreichischen Regierung im weltweiten Streit um die Mohammed-Karikaturen gelobt. "Die äußerst ausgewogenen Wortmeldungen" von Bundespräsident Heinz Fischer und das "Engagement der österreichischen Regierung", insbesondere von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) und Außenministerin Ursula Plassnik (V) seien zu würdigen, heißt es in einer Aussendung der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich.

Nach innen und außen seien in Österreich diplomatische Wege zur Bewältigung der Krise in ständiger Beratung mit der Islamischen Glaubensgemeinschaft gesucht worden. "Dafür sprechen wir unseren besonderen Dank und unsere Anerkennung aus", wurde in der Aussendung betont, die anlässlich einer Sitzung der Vertreter von in Österreich beheimateten großen muslimischen Vereinen veröffentlicht wurde.

Bei dem Treffen wurde der Wunsch unterstrichen, "die große Einhelligkeit der Muslime in der Frage des Karikaturenstreits auch nach außen verstärkt zu kommunizieren und ihr damit zusätzliches Gewicht zu verleihen". Zugleich wurde betont, dass sich die österreichischen Muslime zum Dialog als am besten geeigneten Lösungsmodell bei auftretenden Konflikten bekennen. Zukünftig sollte man beizeiten die Betroffenen ehrlich zu Wort kommen zu lassen und gemeinsame Wege aus einer eventuellen Krise zu suchen.

Nationalratspräsident Andreas Khol (V) unterstrich bei einem Besuch in einer Moschee im 15. Wiener Gemeindebezirk, der Islam habe sich in Österreich zu einer der "wichtigen und großen Glaubensgemeinschaften" entwickelt. "Er ist für unseren Staat nicht die Religion eines weit entfernten Gebietes oder von Fremden, sondern die im ganzen Land verbreitete Religion von Österreicherinnen und Österreichern und von anderen Menschen", betonte Khol, der darauf hinwies, dass der Islam seit 1912 in Österreich gesetzlich anerkannt ist.

Der Nationalratspräsident gab seiner Überzeugung Ausdruck, dass sich die Muslime "als Teil der österreichischen Gesellschaft" empfinden und "für ein friedliches Miteinander aller religiösen Gruppen" eintreten. Die Muslime würden Gewalt verurteilen, insbesondere alle terroristischen und extremen Gewaltakte auf der Welt. Sie bekämpften aktiv den Rassismus und Extremismus. "Der Islam erlaubt es nicht, andere religiöse Überzeugungen, Symbole und Werte zu verhöhnen", sagte Khol laut Parlamentskorrespondenz.

(apa/red)