Frenkie Schinkels von

"Die nackte Wahrheit"

Unterhaltsamer Rückblick auf bewegte Lebensgeschichte des Stehaufmanderls

Frenkie Schinkels macht Liegestütze. © Bild: NEWS/Roman Zach-Kiesling

Publikumsliebling, Sprücheklopfer, "grader Michl" und stets geölte "Gut-Drauf-Maschine" - das ist Frenkie Schinkels, wie man ihn aus dem Fernsehen kennt. "Die nackte Wahrheit" ist freilich vielschichtiger, wie der sechsfache Fußball-Teamspieler in seiner gleichnamigen Lebensgeschichte anlässlich seines 50. Geburtstags auf durchaus unterhaltsamen 238 Seiten erzählt.

Dem Profi-Fußball hat Schinkels, der 2010 zuletzt die Vienna trainierte, bereits seit längerem den Rücken gekehrt, doch das Publikum braucht der gebürtige Niederländer nach wie vor. Und er findet es als Fußball-Analytiker, Dancing Star - und nun als Autor. Das gemeinsam mit den Journalisten Klaus Pfeiffer und Martin Huber verfasste Buch ist am Montag erschienen und gewährt Einblicke in ein Leben, das für Schinkels sportliche Höhepunkte ebenso bereit hielt wie private Tiefschläge.

Schinkels Leben gleicht einer Achterbahnfahrt

Er erzählt vom schwierigen Verhältnis zu seiner depressiven, alkoholkranken Mutter, von der "Flucht" mit 16 nach Schweden, von fragwürdigen Freunden oder dem "Nebenerwerbsjob" als Lederjackenhändler. Mit 22 kommt Schinkels nach Österreich, wo die Karriere in Schwung kommt, er u.a. beim Sportclub und der Austria gutes Geld verdient. Doch in monetären Dingen hat er kein glückliches Händchen, auch das 1993 in St. Pölten eröffnete Cafe entpuppt sich als Schuldenfalle. Als seine erste Frau Esther 1995 bei einem Autounfall ums Leben kommt, steht er mit vier Kindern vor einem Trümmerhaufen.

Doch Schinkels erweist sich als Kämpfernatur, die nach dem Ende der aktiven Karriere auch als Trainer im Unterhaus arbeitet und schließlich an der Seite von Peter Stöger mit der Austria sogar den Meistertitel holt. Auch diese Phase lässt Schinkels Revue passieren, und findet dazwischen Platz, um von den Verlockungen der fleischlichen Lust, seinem unehelichen Kind, dem Rotwein in der Trinkflasche auf der Trainerbank und der Treue zu seiner zweiten Frau Ramona zu erzählen. Langeweile kommt bei der Lektüre auch dank zahlreicher Schwarzweißfotos nicht auf, dafür bürgt Schinkels. Oder wie er rückblickend selbst sagt: "Ich konnte schon damals Geschichten erzählen, die erinnerten an Harry Potter."

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