Fred Vargas Krimi von

Die Nacht des Zorns

Buchtipp der Woche: Kommissar Adamsberg ermittelt wieder - spannend!

Fred Vargas Krimi - Die Nacht des Zorns © Bild: APA/EPA/Verlag

Ist er zu sympathisch, zu schräg und zu erfolgreich, um echt zu sein? Schwer vorstellbar, dass es vergleichbare Typen wie Fred Vargas' Kommissar Adamsberg wirklich gibt. Man möchte es sich wünschen. Denn der Mann mit dem großen Herzen und den kleinen Schrullen löst auch im neuen Krimi "Die Macht des Zorns" der französischen Autorin mit dem Männernamen einen verflixt komplizierten Fall.

Vor allem gefällt die Art und Weise, wie er und seine Kollegen an ein Verbrechen herangehen. Ihre Methoden sind - vorsichtig gesagt - unorthodox. Ihre Fälle im Übrigen ebenso. Denn wie gehabt bei Vargas gibt es neben reichlich Mord und Totschlag auch wieder Übernatürliches. In diesem Fall ist es das Wütende Heer, das aus Untoten bestehen und anscheinend bösen Menschen den Garaus machen soll. Angekündigt wird sein Teufelsritt durch Visionen, die seit Jahrhunderten nur Auserwählte haben - hier ist es eine junge Frau, die nicht nur Adamsbergs Beschützer-Instinkt weckt, sondern noch ganz andere Saiten in ihm zum Klingen bringt.

Ermittlungen in der Normandie und in Paris
Linas Prophezeiungen scheinen sich zu erfüllen und fesseln Adamsberg an einen Ort in der Normandie, an dem er von Amts wegen nichts zu suchen hat. Nebenbei bereitet ihm ein Mord in Paris - seiner eigentlichen Wirkungsstätte - ziemlich viel Verdruss und Probleme. Das Hilfeersuchen seines normannischen Kollegen kommt ihm daher gerade recht. Adamsbergs Brigade teilt sich auf. Der Chef indes versucht in der Provinz zwischen Apfelbäumen und scheinbar unbeweglichen Kühen die Fäden in der Hand zu halten. Wie die Presse vernichtend berichtet, ziemlich erfolglos ...

Tierische Nebenrollen
Und doch verhindert der Kommissar den Mord an weiteren Menschen, darunter an seinem Stellvertreter. Und natürlich kommt er schließlich mit Hilfe seines Teams sowohl den normannischen als auch Pariser Tätern auf die Spur - mit überraschenden Wendungen und tierischem Beiwerk, denn neben den Kühen spielen auch noch eine Taube und ein Hund eine nicht unbedeutende Rolle. Die hat hier auch Zerk, der 2009 in "Der verbotene Ort" erstmals aufgetretene uneheliche Sohn von Adamsberg.

Überlieferte Geschichte als Inspiration
Fred Vargas - längst eine der erfolgreichsten Autorinnen Frankreichs - ist von Haus aus Archäologin und Historikerin, die sich nebenbei auch gern mit Sagen und Legenden beschäftigt. In "Die Nacht des Zorns" beruft sie sich auf eine überlieferte Geschichte aus dem 12. Jahrhundert, die von dem Wütenden Heer berichtet, das als Rächer durch die Normandie gezogen sein soll. Was aber besonders an dem spannenden und gut geschriebenen Buch gefällt, ist der staubtrockene Humor, den man am besten mit einem Glas Wein genießt.

Weiterführende Infos
Fred Vargas: "Die Nacht des Zorns"
Übersetzt von Waltraud Schwarze
Aufbau Verlag
454 Seiten, 23,70 Euro
ISBN: 978-3-351-03380-4