Frau in Klagenfurt von Fauteuil erschlagen: Neun Monate Haft wegen fahrlässiger Tötung

Aufpasser wurde "mangelnde Intelligenz" bescheinigt Angeklagter müsste davon nur ein Monat absitzen

Jener 23-jährige Klagenfurter, der beim Entsorgen eines Couch-Fauteuils aus dem dritten Stock seiner Wohnung eine 55-Jährige tödlich getroffen hatte, wurde am Landesgericht Klagenfurt schuldig gesprochen. Er wurde zu neun Monaten Haft wegen fahrlässiger Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen verurteilt, davon ein Monat unbedingt. Der Mann erbat sich drei Tage Bedenkzeit, das Urteil ist nicht rechtskräftig.

"Der Tag hat ganz normal angefangen", erinnerte sich der Beschuldigte, dem alles "furchtbar Leid" tat, an den Vorfall im Juli vergangenen Jahres im Klagenfurter Stadtteil Waidmannsdorf. Das Schlafzimmer hätte renoviert werden sollen, im Weg stand jedoch das knapp 21 Kilogramm schwere Möbelstück. "Es war alles so eng und ich wollte mir die Arbeit erleichtern", erklärte er die Entscheidung, für die Entsorgung den Luftweg zu wählen.

Eine verhängnisvolle Entscheidung: Genau in jenem Moment, als der junge Mann das Möbelstück aus dem Fenster warf, verließ eine Pörtschacherin das Haus. Sie wurde von dem Fauteuil am Kopf getroffen und erlag einen Tag später ihren schweren Verletzungen.

Aufpasser "mangelnde Intelligenz" bescheinigt
Als Aufpasser war ein Bekannter des Beschuldigten eingeteilt gewesen. Der Gerichtsgutachter bescheinigte dem Jugendlichen allerdings "mangelnde Intelligenz". Der Bursche könne weder lesen noch schreiben, und sei auch nicht fähig, irgendetwas zu organisieren, hieß es in der Expertise. Diese Beurteilung bezeichnete ein Augenzeuge vor Gericht als "verwunderlich", sei der Helfer doch in der ganzen Straße als "der Hausmeister" bekannt. Diesen Spitznamen habe der Jugendliche erhalten, da ihm der Magistrat eine Anstellung als nächster Hausbesorger in dem Viertel versprochen hätte.

Die Stadtverwaltung musste auch als Argument beim Schlussplädoyer des Verteidigers herhalten. So hatte der selbe Augenzeuge berichtet, dass Möbelwürfe aus dem Fenster in dieser Gegend durchaus üblich seien - auch auf Magistratsbaustellen. Das nützte nichts, Richterin Ute Lambauer war mit Staatsanwalt Emmerich Plach einer Meinung, dass hier präventiv gehandelt werden müsse und eine "sehr große Sorgfaltsverletzung" vorliege. Abgesehen von der Haftstrafe muss der besitz- und arbeitslose Mann 6.000 Euro Schadenersatz zahlen - hauptsächlich für die Begräbniskosten. (apa)