Aus unklaren Motiven hat ein etwa 30-jähriger Mann einen Familienvater in einer Pariser Vorschule als Geisel genommen. Das Opfer blieb stundenlang in Gewalt des Verwirrten und wurde dann unverletzt an die Polizei übergeben.
Die Geiselnahme hatte kurz nach 7.00 Uhr in einer Vorschule in Vitry-sur-Seine bei Paris begonnen, die während der Sommerferien als Freizeitzentrum genutzt wird.
Ein Familienvater wollte sein Kind dort abliefern und wurde dabei als Geisel genommen. Anders als zunächst von den Behörden angegeben, befanden sich aber keine Kinder in der Gewalt des Geiselnehmers, auch nicht "kurzzeitig", wie in Justizkreisen hervorgehoben wurde. Zu Beginn der Geiselnahme befanden sich zwar zwei Betreuer, ein Mitarbeiter des Servicepersonals, zwei Eltern und drei Kinder in der Vorschule. Sie konnten aber das Gelände sofort verlassen. Lediglich der Familienvater wurde als Geisel genommen.
Vier Stunden Ungewissheit
Elitepolizisten der Einheit Raid konnten nach rund vier Stunden die Geisel unverletzt befreien. Danach gingen die Verhandlungen mit dem Täter weiter, der zwei Faustfeuerwaffen bei sich hatte und sich in dem Schulgebäude verschanzt hielt. Gegen 12.00 Uhr konnte dann der Präfekt des Departements Val-de-Marne, Pierre Dartout, die Festnahme des Geiselnehmers vermelden: "Er ist aus dem Gebäude gekommen und wurde von Raid-Polizisten festgenommen. Er ist nicht verletzt."
Kein klares Motiv
Unklar war zunächst das Motiv des Geiselnehmers. Der etwa 30-jährige Mann, der mit einem grünen Overall bekleidet war, habe "wirres Zeug" geredet und den Wunsch zu sterben zum Ausdruck gebracht, wie es in den Justizkreisen hieß. Er habe sich seiner Geisel gegenüber aber nicht bedrohlich gezeigt.
Das Gebiet rund um die Vorschule der rund 80.000 Einwohner zählenden Vorstadt südlich von Paris war während der Geiselnahme stundenlang abgesperrt. Etwa 100 Anrainer des Viertels wurden andernorts in Sicherheit gebracht.