FPÖ-Neujahrstreffen in Wels: Stimmung wie in einem Bierzelt und Gegendemonstration!

Strache-Rede: Kanzler Schüssel als "schwarze Witwe" Jugendliche sind "Für die Freundschaft der Völker"

Bier in Krügen, Frankfurter und heißer Leberkäse - dazu die "Alpen Stones" auf der Bühne: In gewohnter Bierzeltstimmung versammelte sich Sonntagvormittag die FPÖ in der Boschhalle auf dem Welser Messegelände in Oberösterreich. Trotz klirrender Jännerkälte hat sich am Eingang eine Gruppe von rund 30 antifaschistischen Jugendlichen versammelt, um sich mit Besuchern der FPÖ-Veranstaltung Schreiduelle über die Absperrung der Polizei hinweg zu liefern.

Mit Jubel und Applaus wurde Parteiobmann Heinz-Christian Strache, flankiert von der freiheitlichen Nationalratsabgeordneten Barbara Rosenkranz und Lutz Weinzinger, dem oberösterreichischen Landesparteiobmann, empfangen - und zwar mit laut aufgedrehtem Song "I need a hero" von Bonnie Tyler. Gedränge herrscht bei der Essensausgabe; beim Stand "Österreicher in Not", wo man spenden kann, schon bedeutend weniger.

"Arbeitet mal was, ist g'scheiter", schreit eine ältere Frau den Demonstranten vor dem Eingang entgegen. "Ja, wir arbeiten sogar am Sonntag", entgegnen die Demonstranten. Die Sozialistische Jugend (SJ) Wels und die beteiligten türkischen Vereine haben es leichter, ihre Botschaften lautstark mit Buh-Rufen zu vertreten: Der ÖGB hat ihnen ein Megafon geliehen, und mit den Trillerpfeifen sind sie ebenso nicht zu überhören.

Auf ihren Transparenten steht "Für die Freundschaft der Völker", "Was bringt uns damals und heute blau - Rassismus und Sozialabbau" und "Patrioten sind Idioten". 20 Polizeibeamte sorgen dafür, dass der Abstand zwischen den Kontrahenten bestehen bleibt. "Uns als Faschisten zu bezeichnen, ist eine große politische Dummheit", befindet ein energischer FPÖ-Besucher aufgebracht angesichts der Jugendlichen zur APA. Der Übergang zwischen Kommunismus und Faschismus sei außerdem ein fließender. "Die kapieren nicht, dass wir gegen die türkische Militärdiktatur sind, die die Kurden unterdrücken", erklärt er kopfschüttelnd.

Gleich beim Eingang in den Saal prangt ein großes Werbeplakat zum FPÖ-Volksbegehren "Österreich bleib frei" mit dem Konterfei von Strache. Die Ziele sind klar: 1. Türkei nicht in EU, 2. Neutralität bewahren und 3. EU-Beitrag sofort senken. In der Halle wirbt "der populärste Volksanwalt, der unangefochtene Ewald Stadler" - so die Moderatorin - für die Freiheitliche Akademie, die nun Spezialkurse für Jugendliche anbiete, wo der Schwerpunkt auf Weltanschauung und Ideologie gelegt werde.

Strache-Rede: "Schwarze Witwe", Chlorophyllmarxisten
Die Europäische Union und die Zuwanderungspolitik der Regierung bekamen in der Rede von FPÖ-Parteiobmann Heinz Christian Strache beim Neujahrstreffen in Wels gehörig Fett ab. Aber ganz in gewohnter Manier auch die Parteiobmänner der "politischen Mitbewerber": Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) sei eine "schwarze Witwe", die nach der Paarung die andere Partei verspeise. Der Grüne Parteichef Alexander Van der Bellen sei vergleichsweise harmlos: "Bellende Hunde beißen nicht", befand Strache.

"Simply the best" von Tina Turner sollte Strache wohl das "Bauchflattern" nehmen, das er bei seiner ersten Rede bei einem Neujahrstreffen verspürte. Angesichts von laut Strache 2.500 Gästen meinte der Parteiobmann zu Beginn seiner einstündigen Rede: "Die FPÖ ist wiedergeboren. Das ist ein kraftvolles Zeichen". Die politischen Mitbewerber würden sich vor der FPÖ fürchten müssen. Die kleine Gruppe von Gegendemonstranten zeige, dass man die FPÖ wieder ernst nehme: "Wir sind wieder wer in Österreich".

Diese politischen Mitbewerber, die keine anderen Sorgen als die Homoehe und die Änderung der Bundeshymne hätten, wurden ganz in der Manier des früheren Parteiobmannes Jörg Haider (jetzt BZÖ) mit allen möglichen Bezeichnungen bedacht: Die Parteiobmänner würden ihm wie die "drei heiligen Könige in der modernen Variante" vorkommen, die "statt einem Stern den Halbmond anbeten". "Mini-Metternich" Schüssel diene sich in Brüssel an, damit er nach seiner Kanzlerzeit eine schöne Funktion bekomme. Schüssel missachte die Sorgen der Österreicher, schweige und "grinse eiskalt".

"Ihr größter Hoffnungsträger ist auch ihr größtes Problem", meinte Strache hämisch über Parteiobmann Alfred Gusenbauer (S). "Die SPÖ war schon einmal mit einem Fredl sehr erfolgreich, mit Fred Sinowatz", ätzte der FPÖ-Chef. Über Van der Bellen sagte Strache: "Bellende Hunde beißen nicht. Deshalb heißt er Van der Bellen und nicht Van der Beißen", hatte Strache die Lacher auf seine Seite. Wer grün will, solle besser in die Wälder hinausgehen, denn die Grünen seien wie Wassermelonen innen rot. "Das sind Chlorophyllmarxisten".

Schüssel gelte nun als "schwarze Witwe": "Wer sich einlässt, wird nach der Paarung aufgefressen." Mit einer FPÖ werde dies nicht passieren. Denn: "Die schwarze Witwe soll zu Hause bleiben, wir werden zu den Bürgern gehen. Das ist unsere Koalition". Straches "Braut" sei nun Österreich. Ein zweistelliges Ergebnis - so hoch wie möglich - würde die Partei als dritte Kraft positionieren und eine rot-grüne Koalition verhindern.

Mit dem Volksbegehren könnte die FPÖ wieder stark hervortreten, bei den Nationalratswahlen sei alles möglich. Aber die Parteianhänger müssten alle mit Bescheidenheit und Demut dafür arbeiten, schwörte Strache seinen Gesinnungsgenossen ein. Der Glaube daran könne jedenfalls Berge versetzen. "Die FPÖ ist einfach eine Partei, die man nicht umbringen kann. Sie lebt und sie lebt stärker denn je". Die FPÖ werde wieder gegen die Parteibuchwirtschaft der SPÖ und der ÖVP agieren - das BZÖ blieb unerwähnt - "Wir werden wieder der Stachel im Fleisch der Abgehobenen und Mächtigen im Land sein", versprach Strache.

Für die Ortstafel-Debatte hatte Strache auch noch ein paar Bonmots übrig: Haider sei dabei nur ein "Schaumschläger und in Wirklichkeit nur mehr ein Kätzchen ohne Zähne, das auf dem Schoß von Bundeskanzler Schüssel sitzt und von ihm gestreichelt wird."

Kernthemen seiner Rede waren die Europäische Union und die Zuwanderungspolitik. Seit dem EU-Beitritt habe sich das Transitproblem in Tirol verschärft, die soziale Kälte herrsche vor und die Österreicher hätten zu Recht einen "Grant auf diese abgehobene Kommission". Gusenbauer sei in dieser Frage kein Kritiker, sondern ein Scharlatan, Schüssel gehe schon freiwillig vor Brüssel in die Knie. Alle Parteien - auch das BZÖ, "dieses schwarze Anhängsel, das eigentlich Bosporus zu Österreich heißt" - würden die österreichische Verfassung, die Neutralität und den Staatsvertrag mit der Zustimmung zur EU-Verfassung Geschichte werden lassen.

Auch gegen einen möglichen Beitritt der Türkei zur EU polemisierte Strache wieder vehement: Die Türkei gehöre weder geografisch noch kulturell zu Österreich, die "unsinnigen" Verhandlungen seien sofort zu stoppen. Ansonsten blühe der Union auch das Beitrittsbegehren von Israel, Algerien und Marokko, behauptete Strache. In einem Punkt war sich Strache mit dem BZÖ einig: Arbeitslose müssten für gemeinnützige Arbeiten, wie Schneeschaufeln herangezogen werden, arbeitslose Ausländer müssten abgeschoben werden können. "Eine Minuszuwanderung ist das Gebot unserer Zeit".

Der am Samstag wiedergewählte Landesparteiobmann Lutz Weinzinger stimmte vor der Rede von Strache das Publikum auf den Anti-Eu-Kurs ein: Die EU sei eine "unheilige Allianz" des Sozialismus und Kapitalismus. Die Österreicher und auch die Europäer würden auf eine Kraft warten, und zwar auf die FPÖ. Die Freiheitlichen seien der "Garant für ein abendländisches, deutschstämmiges Österreich".

(apa/red)