Motor von

Alles dreht sich beim
neuen Ford Focus RS

Er hat nicht nur 350 PS und Allrad an Bord, sondern auch einzigartige "Spaßfunktion"

Ford Focus RS © Bild: Werk

Die Automobilhersteller schrauben die PS-Grenzen für ihre sportlichen Kompaktmodelle in immer schwindelerregendere Höhen. 1976 kam der erste GTI des Klassenprimus VW Golf auf die Straße und brachte dank wenig Gewicht und 110 PS sogar Sportwagenfahrer an den Rand des Nervenzusammenbruchs. Damit ist bei den sportlichen Schrägheckmodellen, die nicht nur Freunde von Amerikanismen gerne "Hot Hatches" nennen, heute natürlich kein Blumentopf zu gewinnen.

Mit seinen wackeren 350 PS ist der neue Ford Focus RS zwar nicht der Herkules in der Klasse der Kompaktkracher, er bringt als Zuwaag’ aber familienfreundliche vier Einstiege und vor allem einen gefinkelten Allradantrieb mit. Der erlaubt im Driftmodus kecke Quertreibereien, und das sogar im stinknormalen Straßenverkehr – was allerdings wenig ratsam ist, doch dazu kommen wir noch.

Ford Focus RS
© Werk

Klar, dass der Focus RS ob dieser Talente und mit seiner nicht gerade unauffälligen Adjustierung – Heckflügel, Diffusor und zwei dicke Auspuffendrohre – nicht unbedingt biedere Familienväter anspricht. Dabei gibt sich zumindest der Innenraum in typischer Focus-Manier, sieht man von den Recaro-Sitzen und der Zusatzinstrumententrilogie für Öltemperatur, Öl- und Ladedruck ab. Dafür gibt es aber, nach alter Väter Sitte, noch eine mechanische Handbremse.

Beim Triebwerk haben die Ford-Leute vom 2,5-Liter-Fünfzylinder des Vorgängers auf den 2,3-Liter-Ecoboost-Vierzylinder aus dem neuen Ford Mustang geswitcht. Allerdings bekam er einen anderen Turbolader beigestellt, der die Leistung eben auf 350 PS hebt. Spätestens wenn man dieses Kleinkraftwerk anwirft und aufs Gaspedal tritt, wird klar, was Hot Hatch bedeutet. Wenn der Lader Druck aufbaut und das kleine Turboloch überwunden ist, schiebt der RS so nachhaltig an, dass man mit dem Schalten kaum nachkommt. Richtig gelesen: Die sechs Gänge werden per Hand eingelegt, was auch ganz seidig funktioniert, nur die Zweite könnte ruhig länger übersetzt sein – da hat man keine 100 km/h drauf und landet schon im Drehzahlbegrenzer.

Ford Focus RS
© Werk

Das war aber erst der Anfang der Leistungsschau, denn es gibt noch die Programme "Sport" und "Track", die sämtliche Talente des RS weiter anspitzen; und, als höchste Eskalationsstufe, den Modus "Drift": Die beiden elektronischen Differenziale verteilen die Kraft nicht nur zwischen vorne und hinten, sondern auch zwischen den Hinterrädern. Schaltet man dann noch das ESP weg, lenkt zackig ein und gibt Vollgas, wandert die ganze Kraft ans kurvenäußere Hinterrad, und der RS dreht Pirouetten. Nur findet das kein Polizist lustig.

Daten

Ford Focus RS

Preis: € 46.950,–
Motor: 4 Zylinder, Turbobenziner, 2261 ccm
Leistung: 350 PS (257 kW)
Spitze: 266 km/h
0–100: 4,8 Sek.
Verbrauch: 10,6 l/100 km
Emission: 246 g CO2/km
Fazit: Natürlich braucht niemand so ein Auto. Wer aber mit Gaspedal, Lenkrad und PS umzugehen versteht, hat seinen Spaß.

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