Flughafen Bratislava geht an Airport Wien: Auktion endet mit österreichischem Sieg

Endgültiger Kaufpreis soll bei 299 Mio. Euro liegen Auch Privatisierung von Kosice im Preis inbegriffen

Flughafen Bratislava geht an Airport Wien: Auktion endet mit österreichischem Sieg

Das Bieterkonsortium TwoOne um den börsenotierten Flughafen Wien hat am Mittwoch wie erwartet den Zuschlag für die Übernahme von je 66 Prozent der Anteile an den Flughäfen Bratislava und Kosice bekommen. Der Kaufpreis liegt bei 299 Mio. Euro, weitere 212,7 Mio. Euro fließen als Kapitaleinlage in die beiden Flughäfen. Außerdem wurden bis 2010 Investitionen von 250,7 Mio. Euro zugesichert. Österreichs Politik und Wirtschaft begrüßte den Deal, der noch der Zustimmung der Wettbewerbsbehörden bedarf, als "große Chance für die Region".

Das Konsortium TwoOne, dem neben dem Flughafen Wien auch die Raiffeisen Zentralbank (RZB) und die slowakische Finanzgruppe Penta angehören, war in den beiden Bieterrunden als Höchstbieter hervorgegangen und hatte damit das konkurrierende Bieterkonsortium um den spanischen Abertis-Baukonzern ausgestochen.

"Die Übernahme ist eine große Chance für Bratislava, Wien und die gesamte Region", freute sich Flughafen-Wien-Vorstand Herbert Kaufmann. Die Zahl der Passagiere in dieser Region werde überdurchschnittlich von derzeit 17 Mio. bis 2010 auf 25 Mio. (davon 20 Mio. am Flughafen Wien) und bis 2015 auf 30 Mio. steigen. Getragen werden soll dieses Wachstum vor allem durch Transferpassagiere und die Billigairlines.

Start für Ausbau beider Flughäfen noch 2006
Noch heuer soll mit dem Ausbau der beiden Flughäfen begonnen werden. In Bratislava werden das Terminal erweitert und das Vorfeld und die Piste verbessert und die Parkflächen vergrößert. Weiters soll der Wiener City Airport Train (CAT) nach Bratislava verlängert werden. Baubeginn ist 2007/08, die Inbetriebnahme wird ab 2009 erwartet. In der Zwischenzeit soll es eine Busverbindung ab Sommer/Herbst für die 60 km lange Strecke geben. Derzeit gibt es bereits eine tägliche Postbus-Verbindung nahezu im Stundentakt vom Wiener Südtirolerplatz über den Flughafen Wien nach Bratislava.

Die beiden Flughäfen Bratislava und Kosice wiesen 2005 einen zweistelligen Passagierzuwachs aus. Am Airport Bratislava stieg die Zahl der Passagiere im Vorjahr um beachtliche 48 Prozent auf 1,3 Millionen, in Kosice um 17 Prozent auf knapp 270.000. Am Flughafen Wien wurden im Vorjahr vergleichsweise 15,9 Mio. Passagiere (plus 7,3 Prozent) abgefertigt.

Bratislava 2004 mit Umsatz von 10,5 Mio. Euro
2004 erwirtschaftete der Flughafen Bratislava laut einer Analyse der Raiffeisen Centrobank einen Umsatz von 10,5 Mio. Euro bei einem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von knapp 4,4 Mio. Euro. Das Betriebsergebnis (EBIT) lag - auf Grund hoher Abschreibungen und Wertberichtigungen - nur bei 1,4 Mio. Euro.

Auf dem früheren Militärflughafen Kosice ist die tschechische Fluggesellschaft CSA der größte Carrier, gefolgt von der SkyEurope und der Austrian Airlines (AUA). Auch einige Charterfluggesellschaften fliegen den nahe am Skigebiet der Hohen Tatra gelegenen Flughafen an. In den ersten drei Quartalen 2005 erzielte der Flughafen Kosice mit 188 Mitarbeitern 14,7 Mio. Kronen Gewinn.

AUA spricht von "expansiver Dynamik
Die AUA, die ursprünglich selbst für die beiden Flughäfen bieten wollte, begrüßte den Zuschlag an den Flughafen Wien. "Die expansive Dynamik des Wirtschaftsraums Wien-Bratislava wird damit weiter gestärkt und erfährt eine noch höhere verkehrs- und wirtschaftspolitische Bedeutung", so die AUA.

Der Zuschlag stelle eine "enorme wirtschaftliche Chance" für den Großraum Wien-Bratislava dar, der zu den großen Hoffnungs-Regionen Europas zähle, und mache einen Ausbau der Verkehrsverbindungen von Wien nach Bratislava notwendig, meinte Verkehrsstaatssekretär Helmut Kukacka (V). Der Niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll (V) erwartet durch die Übernahme einen enormen Schub für den "Arbeitsplatz Niederösterreich". Laut einer EU-Studie können durch die Kooperation der Flughäfen Wien und Bratislava bis zu 35.000 neue Arbeitsplätze in der Region Bratislava entstehen. (apa/red)