Flüchtiger Häftling entführte Baby: Nach Kidnapping bei Unfall in Salzburg getötet

Der 15 Monate alte Sohn schwebt in Lebensgefahr Im Pongau mit Auto gegen Tunnelportal gefahren

Jener 15 Monate alte Bub aus Kärnten, der am Samstag von seinem Vater entführt und bei einem Autounfall in Schwarzach im Salzburger Pongau schwer verletzt worden war, befindet sich weiterhin in Lebensgefahr. Das sagte der Dienst habende Arzt der Kinderintensivstation des St.-Johanns-Spitals in der Stadt Salzburg, Peter Marchet, am Sonntagvormittag auf Anfrage der APA.

"Der Zustand des Kindes ist auf niedrigem Niveau stabil", erklärte der Mediziner. Der kleine Lucien werde noch länger im künstlichen Tiefschlaf bleiben müssen, hieß es. Die 23-jährige Mutter des Kindes wurde am Freitagabend in einem Polizeiauto von Kärnten nach Salzburg gebracht und übernachtete in einem Elternzimmer des Spitals. Dort erhielt sie auch eine psychologische Betreuung.

Der Bub, der bei dem Unfall im Schönbergtunnel schwere Kopf- und innere Verletzungen erlitten hatte, wurde noch gestern am Abend vom Krankenhaus Schwarzach in die Kinderintensivstation nach Salzburg überstellt. Er war laut Polizei im Kindersitz, der sich am Beifahrersitz des Wagens befand, angeschnallt.

Die Kindesentführung endete mit dem Unfalltod des 43-jährigen Kindesvaters. Der Steirer aus Bruck/Mur fuhr mit seinem Sohn nach einem Streit mit der Kindesmutter von Klagenfurt nach Salzburg. Eine Großfahndung wurde ausgelöst. Als der Mann von einer Streife bemerkt wurde, fuhr er davon und krachte mit dem Auto gegen die Nischenwand des Tunnels. Er starb noch an der Unfallstelle.

Der Steirer war im Sommer vergangenen Jahres von einem Hafturlaub nicht mehr in die Strafanstalt Graz-Karlau zurückgekehrt, wo er wegen Betrugsdelikten eine Haftstrafe verbüßte. Am Samstag in der Früh holte er den kleinen Lucien bei dessen Mutter in ihrer Wohnung ab. Dass der Mann, der den Tag mit seinem Sohn verbringen wollte, aus dem Hafturlaub nicht zurückgekehrt war, dürfte sie nicht gewusst haben.

Nach einem Streit mit der Kindesmutter, der via Telefon und SMS ausgetragen worden war, kündigte der Steirer an, er wolle mit dem Kind "verschwinden". Die besorgte Frau alarmierte daraufhin die Polizei. Am Samstagnachmittag fiel er in Schwarzach im Pongau einer Zivilstreife auf. "Er dürfte das bemerkt haben und ist davongefahren", berichtete der Kärntner Polizeibeamter Peter Biedermann. Kurz darauf raste der 43-Jährige vermutlich in selbstmörderischer Absicht mit hoher Geschwindigkeit ungebremst gegen eine Tunnelnische.

(apa)