Fischer und Roiss von

„Überzeugende Politiker“

Grün-Pionier und OMV-Boss Gerhard Roiss im Interview über Energie und Politik

Fischer und Roiss - „Überzeugende Politiker“ © Bild: NEWS/Marcus E. Deak

Für einen Gast dieses Formats verlief der Besuch erstaunlich unaufgeregt. Immerhin empfing OMV-Chef Gerhard Roiss dieser Tage einen seiner hochkarätigsten Berater: Joschka Fischer. Der Pionier unter den Grün-Politikern hatte es vom linksradikalen Straßenschlachtenbummler und Steinewerfer zum angesehenen Außenminister Deutschlands gebracht. Heute ist Fischer als Berater ein wertvoller Mitstreiter für Großkonzerne wie die OMV, den größten Gas- und Ölkonzern im mitteleuropäischen Raum. NEWS traf die beiden Führungspersönlichkeiten Fischer und Roiss zum Doppelinterview über die Energiewende, die Zukunft Europas und natürlich die aktuelle Politik.

NEWS: Ein wenig neidisch, dass es nicht in Ihrer Ära gelungen ist, die Atomkraftwerke abzuschalten?
Joschka Fischer: Ganz im Gegenteil. Das ist keine Frage der Ehre, sondern der Wirkung. Die Begründung, warum abgeschaltet wurde, ist zwar fragwürdig. Frau Merkel wollte eine Landtagswahl retten, die nicht zu retten war. Aber in der Geschichte gibt es genügend Beispiele, dass auch kuriose oder schlechte Motive zur richtigen Wirkung führten. Es ist mir nach wie vor ein Rätsel, warum, aber ein Jahr ist vertan worden. Nun wird die Energiewende richtig angeschoben. Das ist gut und wird für Europa Konsequenzen haben. Deutschland wird ein Referenzmarkt. Dies ist eine große Chance. Das hatte ich uns fast nicht zugetraut.

NEWS: Wird die Energie, der Strom, dadurch teurer werden?
Gerhard Roiss: Die Frage ist, in welcher Schnelligkeit wir uns den Umstieg zur erneuerbaren Energie leisten wollen. In diesem Zusammenhang ist Gas der entscheidende Energieträger. Hier brauchten wir eine klare Linie für ganz Europa. Wir müssen uns positionieren und eine gemeinsame EU-Gas- Strategie verfolgen.

NEWS: Die Politik gibt Verantwortung ab: Haben wir weniger charismatische Politiker, denen es mehr um die Wiederwahl als um Standpunkte geht?
Fischer: Ja, was soll ich dazu sagen? Ich habe mir geschworen, nie so zu werden wie Helmut Schmidt und über die Jungen zu schimpfen.

Bei Sonnenschein braucht man keine charismatischen Figuren.

NEWS: Ist es so schlimm, dass Sie nur schweigen können?

Fischer: Sie dürfen nicht vergessen, die großen charismatischen Figuren bildeten sich in harten Zeiten heran. Gerade Österreich war in der Vergangenheit reich an solchen Figuren. Sie hatten überzeugende Politiker. Ein kleines Land hat sehr stark von der Qualität und den individuellen Charakteren gelebt. Was ich nicht verstanden habe, Wolfgang Schüssel möge es mir verzeihen, warum ein großartiger österreichischer Kommissar, Herr Franz Fischler, damals abgelöst wurde. Auch jenseits des Fachs, das er zu vertreten hatte, war er ein echtes Schwergewicht. Er ist nun wirklich ein Schwarzer, und ich bin ein Grüner. Aber er war eine überzeugende Figur aus meiner Sicht.

NEWS: Warum waren die Politiker früher charismatischer?

Fischer: Diese Figuren entstanden im Nachlauf zur großen Katastrophe in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Selbst meine Generation ist noch der Nachlauf dieser Generation. Wir sind in den Ruinen aufgewachsen, haben da gespielt, wurden geprägt vom Kalten Krieg. Und wir haben uns an diesen Persönlichkeiten orientiert. Auch in der Ablehnung war es immer die Orientierung an diesen Figuren. Das ist heute anders. Schauen Sie da raus (zeigt auf Wien): Was war Österreich noch in den 1970er- Jahren? Heute ist das eine unglaublich reiche Demokratie. Ich kann mich noch erinnern, wie Wien früher, in den 70ern, ausgesehen hat. Dann wurde gewaltig investiert. Das meine ich gar nicht kritisch. Es ist wunderbar, aber es ist natürlich nicht mehr diese Herausforderung, die es früher gab. Ich fürchte allerdings, wir sind gerade dabei, solche Herausforderungen vorwiegend für Europa erneut zu produzieren. Insofern: Jeder Zeit ihre Politiker.

NEWS: Sind die Zeiten gut, müssen es die Politiker nicht sein?
Fischer: Wenn die Sonne scheint, brauchen Sie keinen charismatischen Fremdenführer. Dann finden Sie alles toll.

Bin Anhänger höherer Ernergiepreise

NEWS: Entscheidet die Energiewende in Wahrheit nicht auch über die Zukunft der Industrie und damit über Arbeitsplätze?
Fischer: Da würde ich jetzt gerne einen leichten Disput beginnen. Die Energiehochpreispolitik hat uns nicht geschadet. Nehmen wir die Automobilindustrie. Nach den Ölpreisschocks in den 70er- und 80er- Jahren haben die Europäer und teilweise asiatische Länder im Gegensatz zu den USA darauf verzichtet, die Energiepreise erneut zu senken. Letztendlich hat es dazu geführt, dass die USA Automobile herstellen, die technisch weit rückständiger sind als das, was in Asien und Europa produziert wird. Es gibt eine Korrelation zwischen Energiepreis und technischer Innovation. Kurzfristige Schocks sind nie gut, aber: Ich bin ein Anhänger von höheren Energiepreisen, um die Innovationsturbine am Laufen zu halten.

NEWS: Welche Rolle spielt der Gaspreis?
Roiss: Das Thema Gas hat durch die Wettbewerbsdynamik und die großen Schiefergas- Funde in Amerika stark an Bedeutung gewonnen. In Amerika liegt der Gaspreis bei 25 Prozent von unserem europäischen Niveau. Das führt dazu, dass in den Vereinigten Staaten effiziente Gaskraftwerke betrieben und die Kohlekraftwerke stillgelegt werden. Die Kohle fließt nach Europa. In Amerika sinkt der CO2-Ausstoß, in Europa geht dieser durch das Verwenden der Kohle in Kohlekraftwerken nach oben. Europa betreibt daher aus meiner Sicht in Sachen Gas die falsche Politik. Die EU ist ja wie ein Schrebergarten: Die einen sind für Atomstrom, die anderen für Kohle, wieder andere für erneuerbare Energie. Ohne die Schwerpunktsetzung auf Gas wird die Energiewende aber schwierig.

NEWS: Ist für Sie, Herr Fischer, auch das Gas die wichtigste Übergangstechnologie?
Fischer: Gas hinterlässt unter fossilen Energieträgern den geringsten CO2-Fußabdruck. Technisch ist Gas einfach die optimale Ergänzung für die erneuerbare Energie aus Wind und Sonne, weil man sie nach Bedarf an- und ausschalten kann wie einen Gasherd.
Roiss: Amerika beschäftigt sich damit, mehr Gas in die Märkte zu bringen, während Europa den Markt reglementieren will. Das ist der wesentliche Unterschied. Deshalb hat Amerika den Wettbewerbsvorteil aus dem Schiefergas.

NEWS: Ich glaube, den meisten Menschen sagt das Thema Schiefergas nichts. Warum klärt man nicht auf, wenn das so wichtig ist?
Fischer: Mich erstaunt immer wieder, wie kurzsichtig die Industrie teilweise agiert. Ein Beispiel: Die wichtigsten Stromversorger Deutschlands haben in CCS-Technologie (CO2- kommt nicht in die Atmosphäre, sondern wird in unterirdischen Gesteinsschichten gelagert, Anm.) investiert, insgesamt wohl weit über eine Milliarde. Das sind alles Modellprojekte. Über die Akzeptanzfrage hat man sich aber null Gedanken gemacht. Da baute sich Widerstand auf. Aber man hat sich nicht darum gekümmert. Konsequenz war, dass ein CDU-geführtes Bundesland die Sache im Zuge eines Wahlkampfes zum Scheitern gebracht hat. Hatte man nur einige 100.000 Euro in eine Akzeptanzstrategie gesteckt, in eine echte Auseinandersetzung mit dem Thema, wäre man besser aufgestellt gewesen. Dasselbe spielt eine große Rolle, wenn man Schiefergas fordern will.
Roiss: Ja, aber da brauchen wir auch Brüssel, um neue Technologieentwicklungen zu fordern und um zu kommunizieren. Die einzelnen Länder sind zu sehr von Wahlkampfprogrammen bestimmt, um so ein Thema objektiv zu behandeln. Europa sollte über den Dingen stehen und wie China die Linie festlegen: einen eigenen, ökologischen, europäischen Weg

NEWS: Ist Österreich, das kein Atomkraftwerk will, aber Atomstrom importiert, glaubwürdig? Fischer: Das ist besser, als wenn ihr selber welchen produziert. Zwentendorf war ein großer Sieg.

NEWS: Wäre es konsequent, keinen Atomstrom zu importieren? Fischer: Wir leben in keiner perfekten Welt. Das österreichische Volk wird wissen, was es tut. Die Opposition wird auch wach genug sein.

Das ganze Interview können Sie in der aktuellen Printausgabe von NEWS (27/2012) lesen.

Kommentare

Joschka Fischer Dieser Paradegrüne hat doch absolut nichts mehr mit den Idealen dieser Partei gemeinsam. Der ist doch genau so ein Typ wie wir in Österreich Dutzende haben. Erlebt doch von seinen Vortragsreisen( wer will überhaupt diesen Blödsinn hören und zahlt dafür?),und seinen Aufsichtsratsposten Also genau von jenen Geldgebern welche er vor 30 Jahren beschimpft und mit Steinen beworfen hat.
Für mich ist er ein unsäglich unsympathischer Mensch. Mit einem Wort ein Politiker°

melden

Schiefergas Warum ist nichts über die umweltschädliche Förderung von Schiefergas zu lesen ?

melden

Re: Schiefergas http://www.gastip.de/rubrik2/19990/-Fracing-Wissenschaftler-warnen-vor-Foerderung-von-Schiefergas.html

melden

Überzeugungsarbeit mit hoch dotierte Beratungsverträgen Ist ganz einfach

Wahr ist was Ihm Geld einbringt
Lüge ist was ihm kein Geld einbringt

Daher ist es für Fischer eine Lüge, daß es irgendwelche Probleme mit Schiefergas gibt. Bei den Honorar muß er die Wahrheit nach oben genannten Spruch sagen.

Für mich als überzeugter Gläubiger der Wiedergeburt und an viele zukünftige Leben gilt da völlig anderes:

Wahr ist was meinen Lebensstandard in den nächsten paar hundert Jahren bis in die weit entfernte Zukunft steigert
Lüge ist was meinen Lebensstandard in den in den nächsten paar hundert Jahren bis in die weit entfernte Zukunft gefährdet

Deswegen kämpfe ich seit 1991 für einen radikalen Umstieg aur erneuerbare Energie und gegen die Klimakatastrophe, meine konsequente Arbeit mit dem Gusi Peace Prize ausgezeichnet

http://calculation-error.org/

Seite 1 von 1